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Bückeburg Ortsteile 100-Jahre FC Hevesen: Ruhrpott-Legende bringt Zelt zum Kochen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Ortsteile 100-Jahre FC Hevesen: Ruhrpott-Legende bringt Zelt zum Kochen
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08:09 29.07.2019
Abramczik war der Stargast bei der Feier des FC Hevesen.
Hevesen

Einen besseren Promi-Gast hätte sich der FC Hevesen für seinen Festkommers kaum aussuchen können: Rüdiger „Abi“ Abramczik, Ex-Nationalspieler und langjähriger Fußball-Profi in Diensten des FC Schalke 04, gab fast zwei Stunden unter lautstarkem Jubel, Gelächter und Applaus des Publikums im Festzelt Fußball- und Lebensweisheiten zum Besten, wie es wohl nur ein waschechter Schalker kann.

Die sportliche Ruhrpott-Legende stand von 1973 bis 1980 in Diensten der Königsblauen, für die er 198 Spiele absolvierte und 44 Tore schoss. Danach spielte der Flankengott drei Jahre für Borussia Dortmund. Nach einem Kurz-Intermezzo bei seinem Stammverein beendet er 1991 seine Karriere als aktiver Fußballer in Gütersloh. Heute arbeitet Rüdiger Abramczik als Trainer, Manager und Geschäftsmann.

Kein Vergleich mit Libuda

Beim FC Schalke 04 wurde der Flankengott während seiner aktiven Zeit oft als inoffizieller Nachfolger von Reinhard „Stan“ Libuda gehandelt. Mit dem legendären Rechtsaußen möchte Abramczik auch heute noch nur ungern verglichen werden: „Der Stan war ein ganz anderer Typ. Während ich mehr für die Mannschaft gespielt habe, war er mehr der Alleinunterhalter.“

Libuda habe damals als großes Vorbild gegolten, doch von ihm zu lernen, sei nahezu unmöglich gewesen: „Der hat wirklich Dinge hingekriegt, die konnte man unmöglich nachmachen.“

Aktuelle Situation unbefriedigend

Als Nationalspieler erlebte „Abi“ die Fußball-WM 1978 in Argentinien mit, bei der Deutschland nach der 2:3-Niederlage in Cordoba gegen Österreich ausschied. Die WM sei „von Anfang an eine Katastrophe gewesen“, urteilte der 63-Jährige zurückblickend. „Da sind viel zu viele mitgefahren, die dem Helmut Schön und dem Jupp Derwall reingeredet haben.“ Dazu kam die bedrückende Unterbringung unter den Bedingungen der damals herrschenden argentinischen Militärdiktatur. Immerhin sei seine Mannschaft von 1978 seit dem frühen Ausscheiden Deutschlands bei der Fußball-WM in Russland vor einem Jahr nicht mehr das Team mit dem schlechtesten deutschen Abschneiden bei einer WM: „Wir haben den Schwarzen Peter an Jogi abgegeben.“

Wenig gefällt dem langjährigen Schalke-Profi an der derzeitigen Situation seines Stammvereins. Die vergangene Bundesliga-Saison sei katastrophal gelaufen – und die meisten Gründe dafür hausgemacht gewesen.

Vom heutigen Trainerkonzept hält er nichts

Die größten Chancen auf die Meisterschaft in der bevorstehenden Saison rechnet Abramczik ausgerechnet dem Revier-Rivalen Borussia Dortmund aus: „Die Bayern sind nicht mehr so stark, seitdem Robben und Ribéry weg sind. Für uns hoffe ich auf Platz sechs, damit wir wenigstens wieder etwas zu feiern haben.“

Auch von heutigen Trainerkonzepten im modernen Fußball hält der gebürtige Gelsenkirchener, der nach seiner Karriere als Spieler unter anderem den 1. FC Saarbrücken und den FC Kärnten trainierte, nicht allzu viel. „Was ein Pep Guardiola da macht, immer nur Pass, Pass, Pass, selbst kurz vor dem Tor, ist doch Schwachsinn. Wenn ich mit dem Ball fünf Meter vorm Tor stehe, hau ich den doch rein.“ Das sähen auch heutige Sportfunktionäre inzwischen wieder so, denn: „Auf einmal werden wieder Dribbler gesucht.“ Doch genau das sei im Gegensatz zu früher viel schwerer geworden: „Wir sind als Kinder einfach bolzen gegangen. Doch die großen Wiesen dafür sind heute alle mit Garagen zugebaut.“

"Sie machen die Fußball kaputt"

Am meisten ärgert sich Abramczik über „diese Leichtathleten“, die sich als Trainer ins Fußballgeschäft schmuggelten und ausschließlich auf Lauftempo statt auf tatsächliches Fußballkönnen setzten: „Diese Leute machen den Fußball wirklich kaputt.“ Dabei sei zielgerichtetes und erfolgreiches Fußballtraining überhaupt kein Hexenwerk: „Wenn ich euch trainieren würde, hättet ihr in 14 Tagen genauso viel drauf wie die erste Mannschaft in Schalke.“

Von Johannes Pietsch

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