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Bückeburg Ortsteile Gebietsreformen mit Weitblick
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20:33 05.03.2014
Reiner Wilharm (von links), Hans-Georg Terner und Friedrich Rösener lassen die Cammeruner Dorfgeschichte Revue passieren. Quelle: bus
VON HERBERT BUSCH Cammer

Im Mittelpunkt der im Dorfgemeinschaftshaus organisierten Veranstaltung stand die mit Wirkung zum 1. März 1974 vollzogene Gebietsreform, die Cammer zu einem Ortsteil Bückeburgs werden ließ. „Die Beteiligten haben damals mit sehr viel Weitblick gehandelt“, meinte Stadtkämmerer Reiner Wilharm. „Was vor 40 Jahren umgesetzt wurde, hat gut funktioniert.“

Dass seinerzeit auch andere Optionen zur Diskussion standen, rief Friedrich Rösener ins Gedächtnis. „Ich hätte mir – im Tausch mit Kleinenbremen – durchaus auch einen Wechsel nach Nordrhein-Westfalen vorstellen können“, führte der Ehrenortsbürgermeister aus. „Heute bin ich aber ganz froh, dass wir Bückeburger geworden sind.“ Rösener erinnerte überdies an die Ländergebietsreform, die Cammer 1971 einen Flächenverlust von rund 30 Hektar bescherte. Im Zuge der damaligen Grenzbereinigungen wurden die sechs Cammeruner Hofstellen Prange, Schäkel, Kölling, Koch/Saxowski, Kardinal und Diekmann in die Obhut Frilles entlassen.

 Ortsbürgermeister Hans-Georg Terner legte dar, dass mit der 1974er Reform das Bückeburger Stadtgebiet von 1000 auf annähernd 7000 Hektar anwuchs. Seinerzeit wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Achum, Bergdorf, Cammer, Evesen, Meinsen, Müsingen, Rusbend, Scheie und Warber der Ex-Residenz zugeordnet. Der Verzicht auf die Selbstständigkeit ging mit umfangreichen Versprechungen einher.

 Für Bergdorf war beispielsweise eine Wasserversorgung vorgesehen, für Evesen die Fertigstellung des Sportzentrums. In Meinsen sollte die Straßenbeleuchtung vervollständigt, in Warber die Verlegung von Schmutzwasserkanälen in Angriff genommen werden. Achum wurde die Erweiterung des Sporthauses samt Flutlichtanlage, Müsingen ein neues Dorfgemeinschaftshaus in Aussicht gestellt. „Nur Cammer ist in dieser Auflistung nicht zu finden“, erläuterte Terner. „Entweder haben wir nichts gefordert, oder da ist vorher etwas gelaufen.“ Hier konnte Senior Rösener zur Aufklärung beitragen: „Wir hatten damals für 36000 D-Mark ein Feuerwehrauto bestellt. Das durfte Bückeburg dann bezahlen.“

 In die jüngere Vergangenheit blickend erwähnte der Ortsbürgermeister außer zahlreichen anderen Ereignissen die Ausbauten der Kreisstraßen 3 und 5 (1995 bis 1997), den Neubau des Feuerwehrgerätehauses (1993), die Errichtung des Bolzplatzes (2006), die Einweihung des Radweges an der Kreisstraße 3 (2010) und die Aufstellung zweier großer Windräder (2011). Bereits 2007 seien erste Planungen für den Containerumschlagplatz „Regioport“ bekannt geworden. „Dieses Thema wird uns sicherlich ein noch paar Jahre lang beschäftigen und Auswirkungen auf unser Dorf haben“, argwöhnte Terner. Gegenwärtig sei indes der Bebauungsplan noch nicht aufgestellt. „Ich glaube nicht, dass in diesem oder im nächsten Jahr mit den Bauarbeiten begonnen wird.“

 Ein weiteres Augenmerk des Hauptberichterstatters galt der Schulproblematik. Derzeit besuchen die Cammeruner Mädchen und Jungen die Grundschule Frille, der ganz junge Nachwuchs wird Wietersheimer Kindergarten betreut. Angesichts kontinuierlich zurückgehender Schülerzahlen werden in Bückeburg Überlegungen angestellt, den mit der Stadt Petershagen geschlossenen Grundschulvertrag zu kündigen. Dieses Vorhaben stieß im Kreis der Dorfabendbesucher auf wenig Gegenliebe. „Eingedenk der gewachsenen sozialen Strukturen käme die Schulverlegung für junge Familien bei der Wohnortswahl einem K.o.-Kriterium gleich“, betonte Terner.

 Der Ortsbürgermeister stellte zudem die Reaktivierung des Arbeitskreises „Geschichte“ heraus. Die Kenntnisse um Historie und Herkunft sollten unbedingt festgehalten werden. Es sei „unheimlich viel Wissen vorhanden“, das noch zu Papier gebracht werden müsse. „Insgesamt betrachtet“, lautete Terners Fazit, „ist Cammer immer noch ein intaktes Dorf. Weitere Einschränkungen darf es jedoch nicht mehr geben.“

Im unterhaltsamen Teil des Abends gab Frank Suchland unter anderem erheiternde Erkenntnisse über die unterschiedlichen Jahreszeiten zum Besten. Zum Thema „Frühling war zu vernehmen: Mit Frischem füllen sich die Keller / es sinkt der Öl- und Lichtverbrauch / die Nächte werden wieder heller / der Tag nimmt zu – die Oma auch. Den Winter ins Auge fassend trug der Rezitator vor: Verblüht sind Dahlien und Ginster / die Rechnung steigt für Öl und Licht / die Nächte werden wieder finster / der Tag nimmt ab – die Oma nicht.