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17:50 30.07.2018
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Evesen

Bei Ausfahrten, besonders mit dem Hanomag 324, Baujahr 1958, reagieren die Menschen begeistert und erfreuen sich an diesem Nostalgiegefährt.

Reinhard Bruns, inzwischen im Ruhestand, hat als Ingenieur bei der Firma Schoppe&Faeser gearbeitet. Beruflich war er lange in Schweden unterwegs. Mit Maschinen kennt er sich aus. Im Herbst wurde im Schaumburger Wald an den Wochenenden Brennholz geschlagen für die behagliche Ofenwärme zu Hause. In diesem Zusammenhang hatte Bruns mit dem Fürstlichen Forstamt am Meinser Kämpen zu tun. Dort entdeckte er den sehr heruntergekommenen Hanomag 324. „Im Grunde nur noch ein Haufen Rost.“ Für 1700 Mark kaufte er den Trecker, zerlegte ihn komplett. Der Rost wurde beseitigt, Ersatzteile wurden beschafft, es wurde ausgebessert und repariert und alles wieder zusammengebaut. Die sichtbaren Teile wurden in einem freundlichen „Hellblau“ gespritzt.

Zwei Jahre musste sich Bruns von allen Kennern sagen lassen, dass dies nicht die richtige Hanomag-Farbe ist. Also baute er alles wieder auseinander und spritzte neu, dieses Mal im richtigen „Blaugrün“. Der 324 hat drei Zylinder, 24 PS, zwei Liter Hubraum, zehn Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge.

Doch dieser Trecker war für die Weidewirtschaft nicht stark genug. Für die drei Pferde der Familie musste Heu gemacht werden, auf dem Anhänger wurde im Tank Trinkwasser zu den Tieren gebracht, und die Koppeln mussten nach der Beweidung gemulcht werden, um Disteln zu entfernen.

In Goldbeck bei Rinteln kaufte Bruns dann einen stärkeren Trecker. Doch auch dieser benötigte erst mal eine Restaurierung. In Hüllhorst konnte man bei einem Hanomag-Spezialisten Ersatzteile bekommen. Der hatte auf einer Wiese hinter dem Haus eine lange Reihe ausrangierter Fahrzeuge von den Bauern stehen. Dort wurden Reparaturteile einfach ausgebaut.

Dort entdeckte Bruns dann seinen Traum-Trecker, einen Brillant 701 AS mit 75 PS aus dem Jahr 1970. In der damaligen Zeit galt diese Zugmaschine als modern und robust und wurde von Großbauern eingesetzt. Gegenüber den heutigen Maschinen wirkt der 701 jedoch inzwischen winzig.

Bruns wurde sich mit dem Hüllhorster handelseinig, gab den Trecker aus Goldbeck in Zahlung und erwarb seinen Traum-Trecker. Seit über 20 Jahren leistet er gute Dienste, denn es müssen vier Hektar Grünland bearbeitet werden.

Dieser Frontlader hat sechs Zylinder, 4,2 Liter Hubraum, 75 PS, zwölf Vorwärts- und drei Rückwärtsgänge. Das Tanken ist nicht ganz billig. 120 Liter Diesel passen rein. Um moderne Geräte anhängen zu können, wie den Wender, Mulcher oder Schwader, mussten Anschlüsse für die Hydraulik angebaut werden.

Beide Trecker müssen auch regelmäßig zum TÜV zur Kontrolle. Bruns: „Die Mitarbeiter freuen sich immer, wenn ich komme. Sie sind so begeistert, dass ich immer erst eine Ehrenrunde drehen muss.“

Bei den Erntefesten in Evesen ist er immer dabei und hat einen Erntewagen durchs Dorf gezogen. Bei aller Begeisterung: „Den ganzen Nachmittag auf dem Bock. Bequem ist etwas anderes.“

Monika Schmidt, Lebensgefährtin von Reinhard Bruns, sieht in dieser Trecker-Leidenschaft eine unendliche Geschichte, denn: „Irgendetwas ist immer kaputt. Die Reparaturen hören nicht auf.“