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Bückeburg Ortsteile Hubschrauberforum in Achum von Trauer überschattet
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Ortsteile Hubschrauberforum in Achum von Trauer überschattet
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22:56 03.07.2019
Das „Who’s who“ der weltweiten Hubschrauber-Industrie stellt beim 31. Internationalen Hubschrauberforum auf dem Flugplatz Achum aus.  Quelle: rc
Achum

Im Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum auf dem Flugplatz Achum hat am Mittwochmorgen das 31. Internationale Hubschrauberforum begonnen. Rund 400 Experten – so viele wie noch nie – aus aller Welt diskutieren und beraten unter dem Titel „Neue Herausforderungen für den Vertikalflug“ über die Chancen und Herausforderungen der Hubschraubertechnologie.

Angeschlossen ist eine Ausstellung mit 30 Ausstellern, bei der die großen Namen der Hubschrauberindustrie wie Airbus Helicopters, Bell, Boeing, Sikorsky oder Leonardo vertreten sind.
Überschattet war das Forum vom Tod einer jungen Pilotin, die am Montag beim Absturz einer EC-135 ums Leben gekommen ist.

Ihr zum Gedenken erhoben sich alle zu einer Schweigeminute. Hausherr Brigadegeneral Ulrich Ott: „Mit fällt es schwer, Sie heute zu begrüßen.“ Es sei gut, dass das Forum an einem Ort zusammenkommt, wo real geflogen wird, sagte Ott. 11 000 Stunden sind 2018 vom IHTC geflogen worden.

Brigadegeneral Ulrich Ott (von links), Vize-Bürgermeister Peter Kohlmann und der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann begrüßen die 400 Hubschrauber-Experten.

In seinen Begrüßungsworten betonte Bückeburgs stellvertretender Bürgermeister Peter Kohlmann die enge Verbundenheit der Stadt zur Bundeswehr: „Ein gelebtes Selbstverständnis seit Jahrzehnten.“ IHTC, das Hubschraubermuseum und das Forum würden den Namen Bückeburgs in die ganze Welt tragen.

Die Bo-105 am Ortseingang sei ein Zeichen dafür, dass „Bückeburg die Stadt der Hubschrauber ist“. Kohlmann sprach seinen Dank den Ehrenamtlichen des Hubschrauberzentrums aus, die alle zwei Jahre das Forum organisieren: „Die Diamanten unserer Gesellschaft.“

Auch der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) betonte die enge Verbundenheit von Stadt und Region zur Bundeswehr: „Die Soldaten gehören dazu.“ Mit der Entscheidung des Verteidigungsministeriums, weitere 100 Millionen Euro in den Standort zu investieren, sei der Fortbestand des Ausbildungszentrums auf viele Jahre gesichert.

Ans Eingemachte ging es dann, als Wolfgang Schoder, das geschäftsführende Vorstandsmitglied von Airbus Helicopters und Präsident des Hubschrauberzentrums, an die Bedeutung der Hubschrauber erinnerte. Sie seien eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft. Unbemannte Systeme oder elektrische Antriebe würden als Technologien der Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Es gebe viele „Spinnereien“, viele wollten auf den Zug aufspringen, der gerade erst gestartet sei. Er persönlich sei der Ansicht, dass eine neue Art und Generation von Fliegerei entstehe.

Generalmajor Reinhard Wolski, Chef des Amtes für Heeresentwicklung und früher Kommandeur der damaligen Heeresfliegerwaffenschule, präsentiert die erste 5 G-Basisstation der Bundeswehr.

Neue Fluggeräte – das Wort „Flugtaxi“ nehme er nur ungern in den Mund – würden Hubschrauber nicht überflüssig machen. Die Vernetzung unterschiedlicher Systeme im Sinne eines „System of Systems“-Ansatzes stelle neben dem „Manned-UnmannedTeaming“sowie dem Bereich Training und Ausbildung einen Schwerpunkt dar. „Lassen Sie uns das Forum nutzen, um in die Zukunft zu blicken und Erfahrungen auszutauschen“, so Schoder.

Einen Blick in die Zukunft warf dann Generalmajor Reinhard Wolski, vor Jahren Kommandeur der damaligen Heeresfliegerwaffenschule, seit September 2016 Chef des Amtes für Heeresentwicklung. Heutzutage müssten Informationen auf den schnellsten Wegen verarbeitet, gespeichert und weitergeleitet werden können: „Mit Überspielung direkt ins Cockpit hinein.“

Dabei müsse darauf geachtet werden, dass nur notwendige Information weitergeleitet würden. Er nannte als Stichworte Personen- und Fahrzeugerkennung. Oder aber die „Golden Hour“, die entscheidende Stunde für Verletzte. Mit Apps oder Daten von Krankenkarten sei es möglich, Verletzungen oder Daten von Unfallopfern bereits direkt in die noch anzufahrende Klinik zu leiten, damit dort schon Vorbereitungen getroffen werden könnten.

Platz für Zwischenebenen werde es immer weniger geben, ging Wolski vom zivilen auf den militärischen Bereich über. Seine Forderung: „Alles muss eingebunden werden.“ Als Stichworte nannte er „Cybereinsätze“ und „Combat Clouds“, über die alle Hubschrauber und Einsatzkräfte miteinander vernetzt seien.

Das Militär müsse herunter von 72 bis 96 Stunden zur Vorbereitung von Operationen und deutlich schneller werden. Gefechtsstände würden eine immer geringere Rolle spielen. Vernetzung müsse auch in unwegsamen und unbesiedelten Gebieten sichergestellt sein. Er präsentierte den Fachleuten die erste 5 G-Basisstation und 5 G-Antenne der Bundeswehr, die ab Oktober beim Heer erprobt wird: „Das zeigt, wie Bandbreite in Hubschrauber eingebracht werden kann.“ von Raimund Cremers

Pilot aus Krankenhaus entlassen

Die Ermittlungen zur Absturzursache des Schulungshubschraubers bei Aerzen werden sich nach Angaben der Bundeswehr noch hinziehen. Mit ersten Ergebnissen werde in einigen Tagen gerechnet.

Mittlerweile konnte der zweite Pilot am Dienstagabend das Krankenhaus in Hameln verlassen, wie der Kommandeur des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums, Brigadegeneral Ulrich Ott, im Rahmen des 31. Hubschrauberforums mitteilte. Der 26-jährige Leutnant sei bereits am Mittwochmorgen wieder in der Kaserne gewesen und dort vom Kriseninterventionsteam betreut worden. Bei dem Absturz des Schulungshubschraubers EC-135 bei Aerzen war am Montagmittag die 25-jährige Pilotin ums Leben gekommen.  rc

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