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Bückeburg Ortsteile Kein Wunschkonzert
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08:48 12.05.2017
Symbolbild Quelle: Archiv
Scheie

Der Vertreter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Geschäftsbereich landesweiter Naturschutz (Hannover) sprach gemeinsam mit Bettina Frieben vom Kompetenzzentrum Ökolandbau (Visselhövede) zum Thema „Kompensation mit der Landwirtschaft“.

„Bei der Kompensation geht es vor allen Dingen darum, nicht die Eingriffe als solche, sondern die Eingriffsfolgen auszugleichen“, betonte Breuer. Sie ziele auf den möglichst sparsamen Umgang mit Grund und Boden ab und solle die Eingriffe in Naturlandschaft und Landschaftsbild bestmöglich reparieren.

Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung hat Ausführungen des Referenten gemäß mit dem 2010 in Kraft getretenen Bundesnaturschutzgesetz eine in Teilen neue Akzentuierung erfahren. Wenngleich seit langer Zeit vor allem die gemeinschaftsrechtlich verpflichtende Sicherung der Natura-2000-Gebiete im Fokus des Naturschutzhandelns stehe, habe die Eingriffsregelung nicht an Bedeutung verloren. Sie stelle weiterhin eine Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dar.

Kompensation bleibt oft hinter Verpflichtungen zurück

In der Praxis setzt sich Eindrücken Breuers zufolge zumeist der Eingriff zu Lasten von Natur und Landschaft durch. Die in diesem Fall geschuldete Kompensation bleibe vielfach hinter den gesetzlichen Verpflichtungen und fachlichen Möglichkeiten zurück. „Soll mit der Eingriffsregelung zumindest eine stärkere Lenkung von Eingriffen oder eine umfassendere Kompensation der Eingriffsfolgen erreicht werden, müssten die Anforderungen an Art und Umfang der Maßnahmen beträchtlich heraufgesetzt werden“, gab der Fachmann zu verstehen. Eine wirksame Begrenzung des Bodenverbrauchs dürfte nur mit einer Flächenverbrauchssteuer oder einer Versiegelungsabgabe zu erreichen sein.

Bei der von Frieben erörterten „Produktionsintegrierten Kompensation (PIK) in Niedersachsen im konventionellen Betrieb oder mit ökologischem Landbau“ ging es bislang überwiegend um Aktivitäten wie etwa die Anlage von Blühstreifen oder Lerchenfenstern auf Ackerflächen. Jetzt werden im Rahmen eines PIK-Projekts auch Möglichkeiten für Maßnahmen durch Umstellung von Ackerflächen auf Ökolandbau aufgezeigt.

„Durch die ökologische Bewirtschaftung erfahren die Flächen eine naturschutzfachliche Aufwertung“, führte die Expertin aus. Die Umstellung gehe mit dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche Düngemittel sowie einer Erweiterung der Fruchtfolge, der Aktivierung des Bodenlebens und der Förderung der Biodiversität einher.

Aufwertung durch ökologische Bewirtschaftung

Aus vielen Untersuchungen sei bekannt, dass die Umstellung von intensiv konventionell bewirtschafteten Flächen auf ökologische Bewirtschaftung die Leistungs- und Funktionsfähigkeit der Lebensräume in Äckern und Feldflur, der angrenzenden Landschaftsstrukturen, des Bodens, des Wasserhaushaltes und des Grünlandes aufwerte, legte die Referentin dar. Das Kompetenzzentrum erstellt in Abstimmung mit den Behörden einzelbetriebliche Konzepte, die als Grundlage für die Umsetzung von Kompensationsvorhaben dienen.

Baubereichsleiter Jörg Klostermann erläuterte mit Blick auf Bückeburg, dass das letzte große Baugebiet der Stadt, das Falkingsviertel, auf einer Industriebrache entstanden ist. „Da gibt es heute mehr Grün als früher“, unterstrich der Baurat. Bei Ausgleichsmaßnahmen werde Ackerfläche nicht zuletzt deswegen bevorzugt, weil diese etwa im Vergleich zur artenreichen Bückeburger Niederung recht geringwertig sei.

Klostermann machte darauf aufmerksam, dass der Gesetzgeber Lücken gelassen habe. „Für Baugebiete unter 20.000 Quadratmeter muss kein Ausgleich geschaffen werden“, sagte der Baubereichsleiter. Und die jüngste Baugesetzbuchnovelle stelle eine weitere Aufweichung der gesetzlichen Vorgaben in Aussicht. bus