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Bückeburg Ortsteile NATO-Luftaufklärer AWACS nimmt Kurs auf Achum
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Ortsteile NATO-Luftaufklärer AWACS nimmt Kurs auf Achum
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18:31 15.08.2019
Mithilfe der pilzförmigen Radarhaube und der modernen Technik im Flugzeug können Spezialisten ein weiträumiges Luftlagebild erstellen. Quelle: Michael Heimbuchner
Landkreis/Achum

Die Boeing 707 mit ihrer charakteristischen pilzförmigen Radarhaube auf dem Rumpf flog dabei mehrfach den Flugplatz in Achum an – und startete dann über dem Fliegerhorst wieder durch.
Auf Bitten dieser Zeitung hat das Luftfahrtamt der Bundeswehr die Radaraufzeichnung über Niedersachsen ausgewertet. Nach Angaben einer Sprecherin des Luftfahrtamtes der Bundeswehr hätten die Piloten der NATO-Maschine vom Typ AWACS E-3A aus Geilenkirchen im Zeitraum von 11.26 bis 12.20 Uhr viermal den Anflug auf den Flugplatz in Achum geübt.

Derartige Anflüge würden europaweit an unterschiedlichen Flugplätzen durchgeführt und zum täglichen Routineflugbetrieb der AWACS-Besatzungen gehören, teilte das Luftfahrtamt auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Die Abkürzung AWACS steht für Airborne Early Warning and Control System – es handelt sich um die luftgestützte Überwachungsflotte der NATO. Die unbewaffneten Flugzeuge basieren auf einer Boeing 707. Mithilfe des Radars und der modernen Technik, die sich im Inneren des Flugzeuges befindet, können Spezialisten ein weiträumiges Luftlagebild erstellen, indem sie alle in Radarreichweite befindlichen Luftfahrzeuge erfassen und identifizieren, heißt es von der Bundeswehr. „Diese Informationen können elektronisch an alle anderen Nutzer des Luftraums weitergegeben werden, die technisch entsprechend ausgestattet sind“, erklärt ein Sprecher der Bundeswehr.

Die AWACS-Besatzungen können mit diesen Informationen bei militärischen Operationen den Luftverkehr leiten und koordinieren. Sie können aber auch als sogenannter Kommunikationsknotenpunkt dienen – wie ein Relais in der Luft. Ziele am Boden würde die Technik der Maschinen nicht erfassen können. Auch habe AWACS keine Kameras zur Erstellung von Luftbildern, heißt es von der Bundeswehr. Die AWACS-Systeme der NATO sind in Geilenkirchen, nahe der niederländischen Grenze stationiert.

Im Blindflug

Der Verband besteht aus 15 Einsatzflugzeugen und rund 30 multinationale Besatzungen. Jede Flug-Besatzung würde aus 16 Spezialisten bestehen. Die Crew-Mitglieder kommen aus 15 Staaten des Bündnisses. Insgesamt würden sich 17 Nationen an AWACS beteiligen, erklärt die Bundeswehr.

Dass Militärflugzeuge derartige Anflugverfahren in Achum üben, sei keine Besonderheit, erklärt Oberstleutnant Michael Baumgärtner vom Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg auf Nachfrage. „Eine AWACS-Maschine habe ich hier in Achum allerdings auch schon lange nicht mehr gesehen“, sagt Baumgärtner. Die Piloten des Luftaufklärers hätten in Bückeburg den Instrumentenanflug geübt. „Diesen Blindflug müssen die Piloten regelmäßig üben. Dafür wird besonderes geschultes Kontrollpersonal im Tower benötigt“, erklärt Baumgärtner.

Da diese Experten nicht immer auf jedem Flugplatz verfügbar seien, sei es normal, dass die Anflugverfahren auch auf anderen Fliegerhorsten geübt werden würden. „Wir selbst fliegen auch mit unseren Hubschraubern andere Flugplätze nach Instrumenten an“, sagt der Oberstleutnant.

Im Landeanflug: Die NATO-Maschine vom Typ AWACS E-3A fliegt den Flugplatz Achum an und startet dann wieder durch. Michael Heimbuchner

Das Flugmanöver zog viele Schaulustige an. In Vehlen beobachten viele am Zaun des Flugplatzes die Anflüge des großen Militärflugzeuges. Einer von ihnen war Michael Heimbuchner. „So etwas habe ich hier noch nie erlebt“, sagt Heimbuchner, der seit fast zehn Jahren in der Nähe des Flugplatzes wohnt. Der Vehlener war extra zur Einflugschneise gefahren und hielt die Szenen mit seinem Handy fest.

„Mir ist fast das Trommelfell geplatzt, als das Flugzeug ganz dicht über mich rübergeflogen ist“, sagt Heimbuchner begeistert. Viele Leser filmten und fotografierten das Flugzeug und fragten sich, was da am Himmel über Bückeburg los war. leo