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Bückeburg Ortsteile Notlösungen und Mangelware
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19:55 27.02.2018
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Bückeburg

In schöner Regelmäßigkeit legt der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages im Februar seinen Jahresbericht vor. Und in schöner Regelmäßigkeit finden auch die Heeresflieger beziehungsweise das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg (IHAZ) ihren Weg in den Jahresbericht. Zurückzuführen ist das in den vergangenen Jahren insbesondere auf die Mängel rund um die Ausstattung. Die betrifft auch Systeme wie dem NH90 und die daraus resultierenden Schwierigkeiten: beispielsweise genügend Flugstunden zur Verfügung stellen zu können.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, hat in seinem 120-seitigen Bericht zu den Heeresfliegern Folgendes geschrieben:

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Personalmangel:

Bei den Heeresuniformträgern besteht die größte Vakanz im Bereich der „Offiziere des Truppendienstes in der Verwendung der Heeresflieger“ (Soll: 296; Ist: 132; Besetzungsgrad: 40 Prozent) sowie bei der Luftfahrzeugtechnik (Soll: 87; Ist: 47; Besetzungsgrad: 54 Prozent), hat der Wehrbeauftragte für seinen Bericht ermittelt. Bei der Fluggerätemechanik für die Hubschrauber TIGER und NH90 fehlten immerhin 16 Prozent des benötigen Personals.

Bei der Luftwaffe ist die Situation der Bordsicherungssoldaten des Hubschraubergeschwaders 64 nach wie vor angespannt. Es würden zwar neue Soldaten ausgebildet, doch verlasse auch stets Personal die Bundeswehr oder stehen aufgrund berufsfördernder Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung. Die Besetzungsquote liegt bei 56 Prozent (Soll: 80; Ist: 45) Von den 124 Bordtechnikfeldwebel-Dienstposten für den Hubschrauber CH-53 sind nur 79 besetzt. Die CH-53 war im Zuge des Fähigkeitstransfers von den Heeresfliegern auf die Luftwaffe übergegangen, die in Bückeburg stationierten CH-53 waren nach Holzdorf verlegt worden.

Klarstände der Hauptwaffensysteme:

Die bei Auslandseinsätzen besonders benötigten Hubschrauber sind nach Ansicht des Wehrbeauftragten ebenfalls nach wie vor Mangelware. Schon kleine Kontingente (TIGER, NH90 oder CH-53) in Mali oder Afghanistan wirkten sich unmittelbar auf die Ausbildung der Besatzungen und auf den Grundbetrieb im Inland aus.

Die Gründe für die geringe materielle Einsatzbereitschaft etwa beim CH-53 seien vielschichtig. Eine Vielzahl technischer Probleme ergebe sich aus laufenden Umrüstungsvorhaben. Zu bemängeln sei beispielsweise, dass bei der CH-53 GA als neuer Variante der CH-53 GS Probleme hinsichtlich Ausstattung und Kompatibilität bestünden. Die fehlende Austauschmöglichkeit von Komponenten zwischen den beiden Systemen verschärfe die Ersatzteillage zusätzlich. Entsprechende Gegenmaßnahmen sollen bis 2022 erfolgen. „Auch hier ist schnelleres Handeln erforderlich“, so Bartels. Konsequente Ersatzteilbevorratung und mehr bundeswehreigene Instandsetzungskapazitäten könnten ein wesentlicher Teil der Lösung sein.

Des Weiteren ist eine Verbesserung der Einsatzfähigkeit des NH-90 notwendig. Aufgrund technischer Probleme war der Flugbetrieb im Berichtsjahr bis hin zur zeitweisen Einstellung des Flugbetriebes aller NH-90 Hubschrauber eingeschränkt, schreibt der Wehrbeauftragte. Ein Lichtblick: Es gehe kontinuierlich voran.

Ausrüstung für Ausbildung, Übung und Einsatz:

Um der eingeschränkten Aus- und Fortbildung der Hubschrauberpiloten NH90 und TIGER zu begegnen, hat das Ministerium Mitte Dezember 2017 6500 Flugstunden beim ADAC eingekauft. Von März 2018 an sollen Bundeswehrpiloten in Bückeburg zum Erhalt ihrer Fluglizenzen und im Rahmen ihrer Basisausbildung Flugstunden auf ADAC-Hubschraubern absolvieren (wir berichteten). Ähnliche Verträge mit anderen Anbietern bestünden bereits seit mehreren Jahren für die Hubschrauberpiloten bei der Luftwaffe und der Marine. Der Wehrbeauftragte: „Diese Notlösungen zeigen eindringlich, dass hier ein ernstes Problem besteht.“

Auslandseinsätze EUTM und MINUSMA, Mali und Niger:

Die Bundeswehr beteiligt sich aktuell mit rund 900 Soldaten an der 13000 Mann starken Friedensmission MINUSMA der Vereinten Nationen. Zuletzt wurde das bestehende Mandat mit Beschluss des Bundestages vom 13. Dezember 2017 erneuert. Es erlaube den Einsatz von bis zu 1000 deutschen Soldaten bei MINUSMA.

Dieser gegenüber 2016 erhöhte Personalansatz ermögliche die Stationierung von vier deutschen Kampfhubschraubern TIGER und vier Transporthubschraubern NH90. Damit würden seit März 2017 die aus Gao abgezogenen niederländischen Hubschrauber ersetzt.

Am 26. Juli 2017 kamen beide Piloten eines Kampfhubschraubers TIGER bei einem Absturz 70 Kilometer nordöstlich von Gao ums Leben. Als Grund für den Absturz sei ein technischer Defekt am Kampfhubschrauber nicht auszuschließen. Deshalb wurde zunächst der Routineflugbetrieb mit dem TIGER eingestellt. Ende Oktober 2017 wurde er wieder aufgenommen. Das Ergebnis der Unfalluntersuchung habe bis Ende des Berichtsjahres nicht vorgelegen. rc