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Bückeburg Ortsteile Von Meinsen nach Cannes
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23:04 30.08.2019
Kommt viel rum: Jannik Flieger aus Meinsen. Quelle: mv
MEINSEN/MÜNCHEN

Der 26-Jährige aus Meinsen entdeckte 2009 am Set der Dreharbeiten zum Film „Vorstadtkrokodile“ im Besucherbergwerk Kleinenbremen seine Leidenschaft für die Arbeit an Filmen. Nach dem Abitur ließ er seine Passion erst mal ruhen und studierte zwei Semester lang Sozialwissenschaften in Göttingen.

Nebenbei werkelte Flieger zusammen mit Bekannten an Kurzfilmen: „Wir waren damals vier, fünf Jungs. Der Tonmann war direkt am ersten Tag krank, da habe ich mich darum gekümmert“, erzählt er. Die Leidenschaft für das akustische Element im visuellen Medium Film war geweckt. Die gedrehten Kurzfilme während der Studienzeit waren dann sogar derart gut, dass sie auf den Filmfestspielen im französischen Cannes gezeigt wurden. Der Audio-Liebhaber verrät: „Da war mir bewusst, dass das mein Ding ist. Wenn so kleine Produktionen schon für Cannes reichen, dann ist da bestimmt noch mehr möglich.“ Er sollte recht behalten.

Der Schaumburger schmiss also das Studium und begann stattdessen eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Bielefeld. Nach drei Jahren schloss er diese erfolgreich ab und machte sich selbstständig. Die meiste Zeit verbringt Flieger in München. Aber was macht ein Filmtonmeister eigentlich den ganzen Tag über? Neben dem Verkabeln der Schauspieler mit Mikrofonen zählt auch die Auswahl der richtigen Mikros dazu. Außerdem bedient er die Tonangel, die die Zuschauer im Kino oder Fernsehen im Optimalfall nie zu Gesicht bekommen sollten. Filmtonmeister sind also „zu 100 Prozent für das gesprochene Wort im Film zuständig“. Doch auch Soundeffekte, wie das Knarren einer Tür, nimmt Flieger auf – allerdings entscheidet nicht er darüber, ob sein aufgezeichnetes Knarren in den fertigen Film gelangt oder ob die Regie ein Geräusch aus der Datenbank wählt. Er kümmert sich aber nicht nur um die Technik, er muss auch das Drehbuch auswendig lernen, um zu wissen, welcher Schauspieler wann spricht, da die Tonangel ja zur richtigen Person gehalten werden muss.

Heimat immer im Blick

Die Drehtage seien häufig rund zehn Stunden lang, eine 60-Stunden-Woche offenbar keine Seltenheit. „Der Job ist Projektarbeit. Ab und an sind dann auch mal ein paar Wochen frei“, so Flieger. Bei der Arbeit trifft er auch immer wieder Prominente. Der Tonmann ist immer ganz nah am Geschehen und somit auch nah an Stars wie Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe, mit dem Flieger in München für den Film „Guns Akimbo“ drehte. Die Arbeit mit ihm sei immer sehr lustig und dennoch professionell gewesen.

Außer für Kino-Produktionen arbeitet Flieger viel für das Fernsehen, betreut Abschlussfilme von Münchener Filmstudenten und wirkt an Werbefilmen mit. Trotz aller Reisen und interessanter Personen hat der 26-Jährige seine Heimat nie vergessen: „Ich komme, so oft es geht, nach Meinsen. Leider wird es mit der Zeit immer weniger, weil die Bahn teuer ist und viel Arbeit ansteht.“

Der Beruf werde nie langweilig, so Flieger. Wie lange er ihn angesichts der unregelmäßigen Arbeitszeiten und hohen körperlichen Belastung noch ausüben wird, steht allerdings in den Sternen.