Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Ortsteile Wirklich ein Lebenswerk
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Ortsteile Wirklich ein Lebenswerk
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 11.04.2018
Jörg Farr (links) zeichnet Friedrich Rösener mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Quelle: bus
CAMMER

Und mit ihm gewissermaßen das ganze Dorf. Knapp 100 Menschen waren der Einladung ins Dorfgemeinschaftshaus gefolgt. „Nicht einer der Eingeladenen hat abgesagt“, verdeutlichte Ortsbürgermeister Hans Georg Terner den Stellenwert der Verleihung des – so die offizielle Bezeichnung – „Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“.

Im Rahmen der musikalisch von der Dorfkapelle umrahmten Feier ergriffen außer Rösener und Terner gleich sieben Redner das Wort. Für die Laudatio zeichnete Landrat Jörg Farr verantwortlich. Der Festredner benötigte allerhand Zeit, um die Verdienste des im März 1932 in Cammer geborenen Tischlermeisters in Kommunalpolitik, Kirche und Vereinsleben zu würdigen.

 „Sie werden heute ausgezeichnet, weil Sie über ein halbes Jahrhundert lang in Cammer und Bückeburg Ihre Fähigkeiten, Ihre Kenntnisse, Ihre Persönlichkeit und nicht zuletzt Ihre Ihnen übertragenen Ämter dafür eingesetzt haben, um andere zu unterstützen oder Dinge voranzubringen, die Sie als wertvoll und wichtig erkannt haben“, fasste Farr zusammen.

Ausdruck einer lebendigen Bürgergesellschaft

Was Rösener vollbracht habe, stelle nicht nur einen Dienst an Menschen oder Sachen dar, sondern sei zugleich Ausdruck einer lebendigen, lebens- und liebenswürdigen Bürgergesellschaft, fügte der Landrat hinzu. „Sie haben es geschafft, mit Können und Wissen und vor allem mit Einfühlungsvermögen ein Klima zu schaffen, das sachgerechte Entscheidungen ermöglicht.“

Farr erwähnte speziell Röseners Engagement in der Kommunalpolitik (1968 bis 2011, Ehrenortsbürgermeister, Ehrenratsherr der Stadt Bückeburg), im Kirchspiel Frille, im Kindergarten Wietersheim, in der Cammeruner Dorfjugend, im Schützenverein „Ruhe siegt“ (der ihn 1994 zum Ehrenvorsitzenden ernannte) sowie in der Partnerschaft mit der Brandenburger Ortschaft Cammer. „Sie haben all diese Funktionen mit großer Umsicht und uneigennützig erfüllt“, betonte der Festredner.

Darüber hinaus habe der aufgrund eines Antrages des Ortsrates und auf Vorschlag des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil Ausgezeichnete sein handwerkliches Geschick dafür eingesetzt, das Ortsbild mit Ruhebänken, Gedenktafeln und Skulpturen zu gestalten. „Alles in allem kann man sicher wirklich von einem Lebenswerk sprechen“, beschloss Farr seine Laudatio.

In den Grußworten, in denen immer wieder der Begriff „besonders“ zu vernehmen war, meinte Bückeburgs stellvertretender Bürgermeister Peter Kohlmann: „Cammer schreibt heute Geschichte.“ Der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann bezeichnete Rösener als „väterlichen Freund“. Alle Cammeruner seien stolz auf ihn und gönnten ihm den Orden von ganzem Herzen, gab Ortsbürgermeister Terner (in niederdeutscher Mundart) zu verstehen. Und: „Lieber Fritz, du hast es verdient für deine viele Arbeit für unser Dorf, das macht dir keiner nach.“

Rösener rief in seiner Replik vor allem seinen Vater in Erinnerung. Dieser habe ihn christlich, hilfsbereit und selbstsicher erzogen und ihm „alles beigebracht, was ich wissen musste“. „Gehe immer der Sonne entgegen, dann sind die Schatten hinter Dir“, sei ihm vom Familienoberhaupt mit auf den Lebensweg gegeben worden. Der Bundesverdienstkreuzträger beendete seine Ausführungen mit dem Bekenntnis „Ich liebe Euch alle“.

 

60 Jahre Tuba im Posaunenchor gespielt

Friedrich Rösener hatte sich bereits während der Laudatio zweimal mit Zwischenrufen zu Wort gemeldet. Beim ersten unterstrich er seine Verdienste um den Posaunenchor der Kirchengemeinde Frille. „60 Jahre“, ließ der Senior lautstark wissen, habe er dort die Tuba gespielt. Die zweite Reaktion galt einer Ankündigung des Bundestagsabgeordneten Maik Beermann, der dem Geehrten ein apartes Geschenk (ein von Bundeskanzlerin Angela Merkel signiertes Buch) in Aussicht stellte. „Das habe ich schon“, teilte Rösener dem verdutzten Politiker mit. Zudem darf eine Äußerung des Ruheständlers eingangs seiner Dankesrede als Zwischenruf gewertet werden: „Dass meine Stimme belegt ist, kommt von meinem Sauerstoffgerät und nicht vom Saufen.“  bus