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Bückeburg Stadt 2000 Jahre alt – und quicklebendig
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt 2000 Jahre alt – und quicklebendig
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19:30 21.05.2018
In Scharen lauschen die Menschen auf der Treppe des Mausoleums den Worten der Geistlichen.
In Scharen lauschen die Menschen auf der Treppe des Mausoleums den Worten der Geistlichen. Quelle: jp
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Bückeburg

An der Seite des Pastors vom Pfarramt II der evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde gestalteten Probst i.R. Benno Wessels von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und Pastor Thomas Krage von der evangelisch-reformierten Kirche den Gottesdienst, den in diesem Jahr bei Traumwetter viele Hundert Besucher auf den Treppenstufen des Mausoleums erlebten.

Im Gegensatz zu allen großen Reichen, die lange als unbesiegbar galten, oder den großen Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts, sei das Christentum der einzige geistige Entwurf, der 2000 Jahre überdauert habe. „Dies ist keinesfalls mit einer genialen Kirchenleitung zu erklären“, so Zapke.

Eine Geschichte des Streites

Im Gegenteil: Die Kirchengeschichte sei eine Geschichte des Streites, wie man heute an der Trennung des Christentums in unterschiedliche Konfessionen erkennen könne. Vielmehr sei dieser nachhaltige Erfolg des Christentums nur durch den Geist Gottes zu erklären, der in den Menschen gewirkt habe. „Und immer dann, wenn die Krise am stärksten war, hat der Geist Gottes die Menschen am meisten begeistert.“ Darum sollten sich die Gläubigen keine Sorgen machen, ob es in hundert Jahren noch Christentum gebe.

Im Gegensatz zu früher sei die große Herausforderung heute jedoch nicht mehr die Überwindung der konfessionellen Konflikte, sondern das Wort in einer verständlichen Sprache der Gegenwart weiterzugeben. „Den Geist Gottes lebendig zu halten, bedeutet immer Veränderung“, so Zapke.

Drei nachhaltige Methoden

Dabei gebe es drei nachhaltige Methoden, den Geist Gottes aus einer Gemeinde zu vertreiben, die der evangelisch-lutherische Pastor an Hand von drei Formulierungen verdeutlichte: „Das gab’s bei uns noch nie!“ führe dazu, dass Tradition zu Traditionalismus verkomme. „Man müsste mal...“ bedeute, dass gute Ideen immer nur angesprochen, aber nie in die Tat umgesetzt würden. Und zur dritten Aussage „Und was ist, wenn es morgen regnet?“ sagte der Bückeburger Theologe: Wenn alle guten Ansätze, Ideen und Veränderung durch ständige Bedenken zerredet würden, führe auch dies in die Geistlosigkeit.

Predigen an der Mausoleumswiese (von links): Probst i. R. Benno Wessels, Pastor Jan-Uwe Zapke und Pastor Thomas Krage.

„Kirche allein trägt in der heutigen Zeit nicht mehr“, führte Zapke in seiner Predigt weiter aus. Der moderne Mensch sei nicht mehr wie früher in feste kirchliche Traditionen eingebunden und müsse seine Gotteserfahrung daher selbst machen. Der katholische Theologe Karl Josef Erich Rahner (1904 bis 1984) fasste dies bereits in den siebziger Jahren in dem Satz zusammen: „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein – oder er wird gar nicht mehr sein.“

Kollekte geht an Diakonie-Pflegedienst

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Gospelchor unter Leitung von Sandra Klemusch-Becker und dem Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde unter der Leitung von Kantor Siebelt Meier.

Die Kollekte sowie die Einnahmen aus dem sich anschließenden Bratwurstessen kommen dem Diakonie-Pflegedienst zugute. jp