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Bückeburg Stadt 60 Prozent der Fichten im Schaumburger Wald verloren
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt 60 Prozent der Fichten im Schaumburger Wald verloren
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23:58 09.08.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Bückeburg

Dazu kommen ökonomische Sorgen der Forstbetriebe, die für ihr zwangsweise eingeschlagenes Holz mittlerweile sogar bis zu fünf Euro pro Festmeter dazulegen müssen, damit das Holz überhaupt noch einen Abnehmer findet und aus dem Wald gefahren wird. Und obendrauf kommt noch, dass die Forstbetriebe nicht so handeln können, wie es bei der Wiederaufforstung mit hitze- und trockenheitsresistenteren Bäumen eigentlich notwendig wäre. Stichwort: FFH- und Vogelschutzrichtlinie, die Anfang des Jahres vom Kreistag Schaumburg verabschiedet worden ist. Sie verbietet zum Beispiel die Anpflanzung von Douglasien, da dieser Baum ursprünglich aus Nordamerika stammt. Der Nadelbaum kommt aber deutlich besser mit Hitze und Trockenheit zurecht, könnte als „Geldbringer“ eine neue ökonomische Grundlage als Ersatz für Fichte und Kiefer bilden.

Buche und Fichte bedroht

Dieses große Problemfeld ist bei einem Ortstermin im Schaumburger Wald deutlich geworden. Dabei wurden der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) sowie Mitglieder der CDU-Kreistags- und Stadtratsfraktion von Alexander Trapp, Assistent der Geschäftsführung der Fürstlichen Hofkammer, über den Zustand des Schaumburger Waldes und die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels mit wärmeren Sommern und Wintern sowie der zunehmenden Trockenheit informiert. Ein Fazit von Trapp: Buche und Fichte wird es im Schaumburger Wald – wie auch in der gesamten Norddeutschen Tiefebene – künftig nur noch auf ganz wenigen Standorten geben. Die Hofkammer ist mit ihren über 2400 Hektar Wald der größte private Waldbesitzer der Region.

Wie Trapp sowie die beiden privaten Waldbesitzer Sabine und Thomas Weßling verdeutlichten, ist nach den Sturmtiefs des vergangenen Jahres und der anschließenden Borkenkäferplage der Nadelholzmarkt mehr oder weniger weggebrochen. Während die Hofkammer noch einen festen Abnehmer hat, der seine Preise zahlt, müsste Weßling fünf Euro pro Festmeter drauflegen, damit das Holz überhaupt noch abgeholt wird. Statt der üblichen rund 3000 Festmeter hat die Hofkammer dieses Jahr bereits 15.000 Raummeter Nadelbaum gefällt. Nach Angaben Trapps sind 60 Prozent der Kiefer im Schaumburger Wald bereits verloren. Die Tendenz: „Weiter steigend.“

Schlagartiges Absterben

Bei der Buche machen sich erst in diesem Jahr die Hitze und der Rekordtrockenheitssommer 2018 bemerkbar. Im Frühjahr trieb die Buche noch wie gewohnt aus – um dann schlagartig abzusterben. Bis zu 50 Prozent der Buchen seien in einigen Bereichen betroffen, wie Trapp bei der anschließenden Inaugenscheinnahme eines betroffenen Waldstückes erläuterte. Die Konsequenz laut Trapp: „Wir lassen die abgestorbenen Bäume stehen. Wir werden handlungsunfähig.“

Für die Zukunft gewappnet zu sein, dürfte nicht ganz einfach werden, wie in den weiteren Erläuterungen Trapps deutlich wurde. Denn die Entscheidungen, die heute bei der Wiederaufforstung getroffen werden, werden wir nicht mehr erleben, sondern erst drei, vier oder fünf Generationen später zu bemerken sein. Eichenwälder zum Beispiel sind erst in bis zu 180 Jahren herangereift. Erst dann wird sich auch zeigen, ob die heute angesichts des Klimawandels aufzuforstenden Baumarten überhaupt die richtigen waren. Oder wie es Trapp formulierte: „Risikovorsorgen im Zeichen des Klimawandels.“

"Verschärfte Prognose" als Grundlage

Trapp will sich denn auch bei den zukünftig anstehenden Aufforstungen im Schaumburger Wald nicht an die derzeit von der Bundesregierung noch angenommen „gemäßigte Prognose“ halten, sondern er nimmt als Grundlage eine „verschärfte Prognose“ mit höheren mittleren Temperaturen (plus 2,1 Grad Celsius über der derzeitigen Durchschnittstemperatur) und weniger Niederschlägen (minus 430 Millimeter) gegenüber dem heutigen Durchschnitt. Diese Prognose wird derzeit in der Wissenschaft favorisiert. Dies bedeutet, dass Buche und Fichte am Standort Schaumburger Wald nicht mehr aufgeforstet werden sollten, ebenso die Kiefer, die zwar Trockenheit aushält, aber keine Hitze. Stattdessen sollte Douglasie als Nadelholzersatz und Eiche statt Buche gepflanzt werden. Beide kommen mit den Gegebenheiten der „verschärften Prognose“ am besten zurecht.

Von Raimund Cremers

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