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Bückeburg Stadt Polizisten angegriffen: Geflüchteter muss in Psychiatrie
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Polizisten angegriffen: Geflüchteter muss in Psychiatrie
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00:19 07.07.2019
Das Landgericht bringt einen 21-jährigen Geflüchteten in der Psychiatrie unter. Der Mann hatte Polizisten in Bückeburg mit einer Hantelscheibe angegriffen. Quelle: Symbolbild/pr.
Bückeburg

Gestützt ist die Entscheidung der 1. Großen Strafkammer auf ein psychiatrisches Gutachten, demzufolge der Mann von der Elfenbeinküste an akuter paranoider Schizophrenie leidet. In dem Zustand sei er eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Der Geflüchtete will damals Stimmen gehört haben. Er hält sich bereits in einer Klinik auf und wird dort medikamentös behandelt. Ohne Medikamente, so die Einschätzung des Gutachters, würde der Kranke voraussichtlich innerhalb kurzer Zeit wieder eine Psychose entwickeln und ähnliche Taten begehen.

Polizisten mit Hantelscheibe angegriffen

Mit einer Hantelscheibe in der Faust war der Angreifer an jenem 8. Februar gegen Mittag auf einen der Beamten losgegangen und hatte diesem eine sieben Zentimeter lange Platzwunde am Kopf beigebracht, die stark blutete und im Krankenhaus behandelt werden musste. „Wenn nicht ein anderer Polizist mit einem Schlagstock gekommen wäre, hätte er den Polizisten bestimmt umgebracht“, glaubt ein 13-jähriger Schüler, der die Szene beobachtet hatte. Ein Rechtsmediziner kam im Prozess zu dem Schluss, dass Schläge auf den Kopf mit einer 0,5 Kilo schweren, gusseisernen Hantelscheibe potenziell lebensbedrohlich seien.

Wenn nicht ein anderer Polizist mit einem Schlagstock gekommen wäre, hätte er den Polizisten bestimmt umgebracht.

13-jähriger Schüler , Beobachter der Szene

Die Polizei war gerufen worden, weil der Geflüchtete in seinem Zimmer randaliert hatte. Bei der Attacke auf dem Parkplatz riss er sich sein T-Shirt vom Leib und stürmte auf die Polizisten los. Zwei weitere Opfer kamen mit relativ leichten Verletzungen davon. So zog sich ein anderer Polizist ein blaues Auge zu, während eine Polizistin Faustschläge gegen den Kopf einstecken musste und eine Gehirnerschütterung erlitt. Schließlich gelang es mehreren Beamten, den tobenden Mann zu überwältigen. Eine Betreuerin vermutete, dass der 21-Jährige „laut zu Gott gebetet“ habe, als er am Boden lag. So hörte es sich jedenfalls an.

Angreifer schon kurz zuvor aggressiv gegenüber Betreuerin

Vor dem Angriff auf die Polizisten hatte der Geflüchtete an anderer Stelle mehrfach eine Hantelscheibe in Richtung der Betreuerin geworfen und ein Fenster getroffen. Kurz vor dem Ausraster soll der Mann in seinem Zimmer mit Gewichten trainiert haben. „Er war dabei so laut, dass wir befürchtet haben, dass etwas passiert“, erinnert sich die Betreuerin. „Die Hanteln hat er nicht abgelegt, sondern abgeschmissen.“ Später habe sie „gehört, dass er Möbel durch sein Zimmer wirft“. Daraufhin wurde die Polizei gerufen.

Beim Eintreffen war der Geflüchtete bereits aus dem Fenster seines Zimmers nach draußen geklettert. „Er lief hin und her wie ein Löwe im Käfig und wusste überhaupt nicht, was los war“, erinnert sich die Zeugin. So kannte sie den 21-Jährigen gar nicht, denn: „Er ist ein sehr netter, höflicher, hilfsbereiter Mensch – der zwischendurch natürlich gefrustet ist.“ In seinem Heimatland hatte der Afrikaner auf der Straße gelebt.

Er ist ein sehr netter, höflicher, hilfsbereiter Mensch – der zwischendurch natürlich gefrustet ist.

Zeugin , mit dem Geflüchteten bekannt

Unterbringung in Psychiatrie von Verfahrensbeginn an diskutiert

In dem Sicherungsverfahren war es von vornherein um eine Unterbringung in der Psychiatrie gegangen. Bestraft werden kann der schuldunfähige 21-Jährige nicht, weil Schuld im deutschen Rechtssystem die Voraussetzung für Strafe ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Michael Einars hatte beantragt, die Unterbringung in der Psychiatrie zur Bewährung auszusetzen. Das Gericht folgte dem Antrag von Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig. ly