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07:42 28.05.2018
Die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Weng spricht vor der Versammlung der Bigtab.
Die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Weng spricht vor der Versammlung der Bigtab. Quelle: jp
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Bückeburg/Minden

Es gibt – rein formal – nichts, gegen das sich kämpfen lässt. Denn auch im Jahr zwei nach dem Bundesverkehrswegeplan 2030 und dem allgemeinen Schock über die darin nach zwölf Jahren wieder aus der Versenkung geholte Idee einer Neubautrasse der Bahn zwischen Haste und Porta Westfalica hat sich die offizielle Sachlage nicht geändert: Nach wie vor existiert nur das im Dezember 2016 vom Deutschen Bundestag beschlossene Bundesschienenwegeausbaugesetz, welches den Ausbau der Bahnstrecke Minden-Hannover wieder im vordringlichen Bedarf aufführt, aber bislang kein Planungsauftrag an die DB Netz AG und erst recht kein reguläres Planfeststellungsverfahren.

Im Gegensatz zu den Jahren 2002 bis 2004, als Politiker, Bürgerinitiativen und Bevölkerung mit der sogenannten „Variante 3A“ der Bahn eine ganz reale Bedrohung vor Augen hatten, gibt es 14 Jahre später bis auf das bloße Vorhaben des Bundesverkehrsministeriums nichts konkret Angreifbares. „Der Revolver liegt nach wie vor nicht auf dem Tisch“, fasste Bigtab-Sprecher Thomas Rippke die Situation auf der Jahresversammlung der Bürgerinitiative zusammen. „Wir haben aktuell keine greifbare und angreifbare Situation.“

20 Minuten Potenzial

Grund zur Entwarnung sieht der Bigtab-Chef indes nicht, im Gegenteil: Gerade Presseveröffentlichungen der jüngsten Zeit belegten, dass das Bundesverkehrsministerium aufgrund der viel zitierten acht Minuten Fahrtzeitverkürzung für den Deutschlandtakt zu dem Neubauvorhaben entschlossen sei, so Rippke. Die in Wahrheit für den Deutschlandtakt gar nicht erforderlich seien. Vielmehr seien durch Ertüchtigung der vorhandenen Gleise auf eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit insbesondere zwischen Hamm und Bielefeld sogar noch deutlich höhere Fahrtzeitgewinne, nämlich bis zu 20 Minuten zwischen Hannover und Dortmund, erreichbar. Was übrigens der Bahn-Experte und Staatssekretär a.D. Lothar Ibrügger kürzlich gegenüber unserer Zeitung anhand von Beispielrechnungen nachwies. Dazu komme, dass der für den Deutschlandtakt relevante Zielfahrplan „2030plus“ derzeit noch überhaupt nicht existiere, was die Notwendigkeit der viel beschworenen acht Minuten völlig infrage stelle.

Dass in der Sache Bahnausbau im vergangenen Jahr praktisch Stillstand herrschte, führen die Bigtab-Aktivisten vor allem auf die beiden Wahlen im Bund und in Niedersachsen sowie die anschließend unerwartet langwierige Regierungsbildung auf Bundesebene zurück. Nun sei vor allem durch die jüngst aufgeflammte Diskussion über möglicherweise wegfallende IC- und ICE-Halte in Ostwestfalen-Lippe wieder Leben in die Diskussion gekommen. Ebenfalls für die Bigtab kein neues Thema: Schon vor 15 Jahren habe die Bürgerinitiative im Zuge der damaligen Neubautrassen-Proteste vor einer Abkopplung Mindens vom Fernverkehr der Deutschen Bahn gewarnt, so Rippke.

Unterstützung aus Minden

Hier kann sich die Bürgerinitiative der Unterstützung durch die Mindener Landtagsabgeordnete Christina Weng sicher sein: „Uns alle eint das Thema Mobilität. Und wir in OWL lassen uns nicht abhängen oder abwickeln“, erklärte sie bei der Jahresversammlung. Auch die kommunale Ebene der Mindener Politik hat das Thema wieder ins Visier genommen: So verabschiedete der Rat der Stadt einstimmig eine Resolution gegen die Reduzierung von Fernverkehrshalten der Bahn in OWL und gegen den Tunnel durch den Jakobsberg.

So lange Bahn und Bundesverkehrsministerium keinerlei konkrete Planung in Gang setzen, will sich die Bigtab weiter dafür einsetzen, vor Ort Fakten zu schaffen, um die Entwicklung in die Richtung des von ihr favorisierten trassennahen Ausbaus zu lenken. Rippke verwies auf das Beispiel Barsinghausens, wo man durch Ausweisung eines Gebiets für Windräder allen Gedankenspielen über einen Trassenneubau in diesem Bereich einen Riegel vorschieben konnte. Im Raum Bückeburg setzt die Bürgerinitiative große Hoffnung in die Erweiterung des bestehenden Naturschutzgebiets „Bückeburger Niederung“, um die Neubaupläne auszubremsen. Dabei steht unverändert der lückenlose Schulterschluss mit der Politik – angefangen von den Kommunen bis hoch zur niedersächsischen Landesregierung, die sich in ihrem Koalitionsvertrag auf den trassennahen Ausbau festlegte.

Eingriff ins Panomara

Ein besonderes Augenmerk richten die Tunnel-Gegner auf die Einweihung des umgebauten Kaiser-Wilhelm-Denkmals Anfang Juli. Den vielfach prominenten Gästen aus der Politik möchte Rippke durch entsprechende Informationskampagnen vor Augen führen, wie drastisch sich das vom Denkmal aus sichtbare Panorama des Jakobsbergs auf der anderen Weserseite im Falle eines Trassenneubaus verändern würde. Dort würde nämlich eine sogenannte „Einfädelung“ gebaut werden müssen, also ein gewaltiges Großbrückenbauwerk, um die aus dem Tunnel austretende Neubautrasse mit der bestehenden Bahnlinie wieder zusammenzuführen. Rippke: „Und das sind Bauwerke von einer Dimension, die können wir alle uns noch gar nicht vorstellen.“ jp