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Bückeburg Stadt Bauentwicklung in Bückeburg: „Disneyland ist nicht gewollt“
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12:37 28.09.2019
Bauamtsleiter Björn Sassenberg (links) udn Stadtplaner Klaus Wolterr erklären anhand von aktuellen Bauprojekten die rechtliche Lage.
Bauamtsleiter Björn Sassenberg (links) udn Stadtplaner Klaus Wolterr erklären anhand von aktuellen Bauprojekten die rechtliche Lage. Quelle: leo
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Bückeburg

„Es ist ein Mythos“, weiß Sassenberg, „dass Baudenkmäler nicht verändert werden dürfen.“ Eine Veränderung sei möglich – „wenn sie denkmalgerecht ist“. Dabei sei es legitim, wenn die Veränderungen im modernen Stil durchgeführt würden. Dadurch werde das „Neue“ klar kenntlich gemacht.

„Eine Nachahmung historischer Bauformen wie in einem Disneyland ist allerdings nicht gewollt“, stellt der Bauamtsleiter klar.

Bei aktuellen Bauprojekten – wie dem Herder-Quartier, den Villen an der Georgstraße oder dem Alten Palais an der Schulstraße – würden Neubauten neben die bestehenden historischen Gebäude gebaut. Die Anbauten würden der „historischen Form“ der Bauten angepasst. Das sei beispielsweise beim Herder-Quartier der Fall. Bei den Anbauten an das Haus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts seien ein Satteldach und ähnliche Fenster verbaut worden. „Die neuen Gebäude sind aber in allen Fällen klar als Neubauten zu erkennen“, erklärte Wolter.

357 Baudenkmale und 322 Bodendenkmale

Für das Projekt an der Schulstraße musste das historische Pferde- und Kutschhaus, das 1811 erbaut wurde, abgerissen werden. Es sei zu marode und nicht mehr schützenswert gewesen. An der Stelle, wo das historische Gebäude stand, soll direkt an das daneben stehende Alte Palais aus dem frühen 19. Jahrhundert ein neues Fachärztezentrum gebaut werden. Das Alte Palais werde derzeit renoviert. Auch dort werden Praxen entstehen. Noch sei das Bauvorhaben aber nicht genehmigt, so Wolter.

Generell würde zwischen Baudenkmalen, sogenannten „Gruppen baulicher Anlagen als Baudenkmale“, Bodendenkmalen und beweglichen Denkmalen unterschieden. In Bückeburg gebe es derzeit 357 Baudenkmale und 322 Bodendenkmale. Zu den beweglichen Denkmälern würde das Inventar des Schlosses gehören. Voraussetzung für alle Denkmale sei, dass an deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse bestehe, hieß es.

Genehmigungen werden benötigt

Beim Herder-Quartier und beim Alten Palais an der Schulstraße würden der Schutz durch die Bedeutung für die Ortsgeschichte und aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die Kultur- und Geistesgeschichte sowie die Bau- und Kunstgeschichte begründet, erklärte der Stadtplaner.

Für Baumaßnahmen an geschützten Gebäuden seien grundsätzlich Genehmigungen der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt erforderlich.

„Das ist bei der Veränderung, Instandsetzung, Zerstörung, Wiederherstellung oder Nutzungsänderung eines Denkmals, aber auch bei Errichtungen, Änderungen oder Beseitigungen in der Umgebung eines Baudenkmals, wenn damit das Erscheinungsbild des Denkmals beeinflusst wird, notwendig“, erklärte Sassenberg die rechtliche Lage. Eine Genehmigung würde durch die Behörde nur dann erteilt, wenn durch die geplante Veränderung der Denkmal-Wert nicht beeinträchtigt werde. Der Eingriff sei vor allem dann zulässig, wenn aus wissenschaftlichen Gründen, zur nachhaltigen energetischen Verbesserung, für den Einsatz erneuerbarer Energien oder zur Berücksichtigung der Belange alter Menschen und Personen mit Behinderungen ein öffentliches Interesse bestehe. Dabei gelte: „Der Erhalt kann nicht gefordert werden, wenn er wirtschaftlich unzumutbar ist“, sagte Sassenberg.

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