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Bückeburg Stadt Beeinträchtigte bisher ohne Lobby
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Beeinträchtigte bisher ohne Lobby
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17:31 05.07.2019
Bückeburg

Seit 2015 ist der 51-Jährige erblindet, seit einem Jahr wohnt er im Bückeburger Haus Kurt Partzsch.

Inklusion lebt durch Transparenz“, sagt er. Doch genau davon sei Bückeburg noch weit entfernt, ist sein Eindruck. Beeinträchtigte Menschen würde häufig abgeschoben, hätten keine Lobby, ihre Bedürfnisse würden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.
Weitermann erzählt im Gespräch mit dieser Zeitung von schlechten Erfahrungen im Kontakt mit verschiedenen Behörden, aber auch mit der Teilhabeberatung in Stadthagen.

„Suchen Sie sich doch einen Betreuer, der alles für Sie regelt“, sei doch kein ernst zu nehmender Ratschlag für einen Menschen, der selbstständig am Leben teilhaben und seine Angelegenheiten allein regeln möchte. Nach Weitermanns Einschätzung wäre die Betreuung für viele Behörden und Institutionen der einfachste, weil bequemste, Weg. Doch im Interesse der Betroffenen, die ein eigenverantwortetes Leben führen möchten, sei das nicht. Die Erfahrung des blinden Bückeburgers: Wer zuviel nachfrage, kritisiere und auch mal nerve, werde schnell als Querulant abgestempelt. Dies habe er sogar im Haus Kurt Partzsch, in dem er derzeit lebt, erfahren.

Ein wichtiger Kritikpunkt Weitermanns: In Bückeburg fehle eine starke Interessenvertretung beeinträchtigter Menschen. Er kann nicht verstehen, dass der Behindertenbeirat so lange im Verborgenen gewirkt und sich dann ganz aufgelöst habe. Argumenten, es gebe keine Interessierten für eine Mitarbeit, widerspricht er. Das Interesse – auch bei ihm selbst – sei durchaus vorhanden, Betroffene sollten aber auch mal direkt angesprochen oder informiert werden. Weitermann: „Wenn die Stadtväter wirklich Wert auf einen starken Behindertenbeirat legen würden, wäre längst einer da!“

Um so mehr hoffte er, dass die neue Satzung vom Rat auch angenommen würde. Das ist inzwischen geschehen. Nun müsse diese auch konsequent umgesetzt werden. Eine wichtige Aufgabe des neuen Beirats sei es, so Weitermann, die Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen zu sensibilisieren – und wenn nötig, auch mal „Druck zu machen“.

Das sieht Meike Schatz genauso. Die Mutter eines behinderten Sohns ist sachkundige Bürgerin im Ratsausschuss für Jugend und Familie. Dort habe sie häufig erfahren, wie schleppend und wenig engagiert viele Fragen von Teilhabe und Inklusion beraten würden. Ganz konkret ärgert sie sich zum Beispiel darüber, dass ihr Sohn nicht im städtischen Hort betreut werden könne, Angebote der verlässlichen Grundschule nicht nutzen könne oder von den meisten Angeboten der Ferienbetreuung ausgeschlossen sei. Gerade bei freiwilligen Leistungen falle es Verwaltung und Politik schwer, einmal über den eigenen Schatten zu springen. Eine starke Lobby für Behinderte hält Schatz daher für dringend erforderlich. Darum hofft auch sie auf einen aktiven Behindertenbeirat.

Weitermann und Schatz begegnet zwar durchaus auch mal „freundlichem Interesse“ an ihren Problemen, engagiertes zupackendes Handeln vermissen sie jedoch. Deshalb würden auch in Bückeburg viele beeinträchtigte Menschen an den Rand der Gesellschaft abgeschoben, anstatt „mittendrin“ aufgenommen zu werden.
Dabei könnte es so einfach sein – Weitermann: „Akzeptiert uns doch einfach so, wie wir sind!“