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Bückeburg Stadt Begegnungsstätte: So war der Fachvortrag "Depressionen im Alter"
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Begegnungsstätte: So war der Fachvortrag "Depressionen im Alter"
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10:12 14.11.2019
Professor Detlef Dietrich (links) im Gespräch mit Andreas Ahrens-Sander, einem von Depression Betroffenen. Quelle: Gabi Nachstedt
Bückeburg

„Die Depression hat viele Gesichter“ sagt Professor Detlef Dietrich zu seinen Zuhörern bei einem Fachvortrag in der Begegnungsstätte. Organisiert und unterstützt wurde diese Veranstaltung von der Selbsthilfegruppe Depressionen und Ängste, die sich dort jeden dritten Donnerstag im Monat ab 18 Uhr trifft.

Andreas Ahrens-Sander berichtete als Betroffener von seinen Erfahrungen. Für ein bisschen Leichtigkeit und Schmunzeln sorgte das Duo Kremling/Vogt mit seinen Couplets des Berliner Humoristen Otto Reutter. Heike Sareyka, Leiterin der Begegnungsstätte, war beeindruckt, wie zahlreich die an der Thematik „Depression im Alter“ Interessierten erschienen waren.

Innere Unruhe, negative Gedanken und Konzentrationsstörungen: Erste Symptome einer Depression

Dietrich, seines Zeichens ärztlicher Direktor der Rintelner Burghof-Klinik, erläuterte, eine Depression sei keine Einbildung, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit, die heute jedoch sehr gut behandelt werden könne, wobei es aber Zeit brauche.

In Deutschland seien rund vier Millionen Menschen daran erkrankt. Aber nur ein Drittel von ihnen gehe damit zum Arzt. Viele zögen sich einfach zurück. Sollten folgende Symptome länger als zwei Wochen andauern, so Dietrich, müsse eine Diagnose gestellt werden. Dazu gehören: Schlafstörungen, diffuse Schmerzen, innere Unruhe, negative Gedanken, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit, Gefühllosigkeit und fehlender innerer Antrieb.

Betroffene müssen sensibilisiert werden

Im schlimmsten Falle könnten diese Symptome, so Dietrich, dann zu Suizidgedanken führen. Als Ursachen dafür nannte der Arzt eine besondere Belastung, wie den Tod eines nahen Angehörigen, familiäre Konflikte, Überforderung und Stress im Beruf, fehlende soziale Kontakte. Es könne aber auch ohne vorhergehende Auslöser eine Depression entstehen. Messbar sei bei diesen Patienten ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn.

Hier setzt auch die Therapie an – zunächst mit Medikamenten, die den Stoffwechsel beeinflussen und normalisieren. Gleichzeitig sorgt eine Psychotherapie für einen langfristigen Effekt der Gesundung depressiv erkrankter Menschen. Bei älteren Menschen gehe eine beginnende Demenz häufig mit depressiven Symptomen einher.

Dietrich möchte die betroffenen Menschen, ihre Partner und die Familie sensibilisieren, zum Arzt zu gehen und sich helfen zu lassen, damit aus den dunklen Tagen wieder helle und freundliche werden. Zur Behandlung gehöre auch eine Bewegungstherapie mit vielen Übungen und Sport an der frischen Luft.

Mehr dazu: Depressionen wirken sich oft massiv im Arbeitsalltag aus

Auflockerung für die ernsten Themen

Zwischendurch sorgten Hans-Joachim Vogt am Klavier und Manfred Kremling aus Bad Nenndorf mit ihren Couplets von Otto Reutter für Auflockerung bei dem ernsten Thema. Kremling brachte die Zuhörer mit „Berliner Schnauze“ mit dem Stück „Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“ oder dem Arbeitstag des gewissenhaften Maurers „Da fang‘ wa gleich morgen an“ zum Schmunzeln.

„Vom Abgrund zurück ins Leben“

Andreas Ahrens-Sander berichtete als an einer Depression Erkrankter von seinen Schlafstörungen, Zukunftsängsten und Suizid-Gedanken. In der akuten Phase habe er den Entschluss für sich gefasst: „Morgen gehst du noch einmal zur Arbeit, und dann setzt du deinem Leben ein Ende.“ Dieser Gedanke habe etwas Befreiendes für ihn gehabt und ihm den Druck genommen.

Irgendwie habe er aber doch die Kurve gekriegt, viel mit Freunden gesprochen, sich in Gesprächen dem Psychotherapeuten gegenüber geöffnet und viel Zuspruch und Verständnis in einer Selbsthilfegruppe erfahren. Er habe sein Leben umgekrempelt und seine Gefühle und Erfahrungen in einem Büchlein verarbeitet: „Vom Abgrund zurück ins Leben“. von Gabi Nachstedt

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