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Bückeburg Stadt Regioport-Eröffnung: BI's protestieren gegen Hafen und Trasse
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Regioport-Eröffnung: BI's protestieren gegen Hafen und Trasse
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01:15 05.07.2019
Mit Vuvuzela, Trillerpfeifen und Protestschildern demonstrieren die Teilnehmer für einen trassennahen Bahnausbau und gegen den Containerhafen. Quelle: Michael Werk
Bückeburg

Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert, in dem außer etlichen Trillerpfeifen auch eine „Vuvuzela“-Tröte und zwei Pauken mitgemischt haben, ist der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) bei der offiziellen Eröffnung des Containerhafen Regioport OWL empfangen worden.

Diese Gruppen waren am Protest gegen die Hafen-Eröffnung beteiligt

Protestiert hatten dort Montagmittag drei Gruppen: Die Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn (Bigtab) und die das gleiche Ziel verfolgende, noch in der Gründungsphase weilende Bürgerinitiative (BI) Auetal sowie die Bürgerinitiative Containerhafen (Bicon); Letztgenannte will den Hafen – immer noch – verhindern.

Insgesamt waren rund 100 Demonstranten vor Ort, wobei die Bigtab und die BI Auetal zusammen zahlenmäßig stärker vertreten waren als die Bicon.

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Mit Pfeifen und Transparenten gegen zwei Großprojekte

Bevor die Demonstranten ihren Unmut über die von ihnen abgelehnten Großprojekte zum Ausdruck bringen konnten, war allerdings erst einmal geduldiges Warten angesagt. Auf 11 Uhr hatten die Bürgerinitiativen zu der Protestaktion eingeladen, das Fahrgastschiff mit Ferlemann, Politikern und Journalisten an Bord traf jedoch erst gegen 12.30 Uhr am Regioport ein.

Rund 100 Demonstranten sind zur Regioport-Eröffnung gekommen, um gegen den neuen Containerhafen und einen trassenfernen Ausbau der Bahnstrecke zu protestieren. (Foto: Michael Werk)

Aber schon als das Schiff auf dem Mittellandkanal in der Ferne um die „Kurve“ kam, setzte das erwähnte Pfeifkonzert ein. Zudem hatten die Protestler Transparente und Schilder mitgebracht, auf denen unter anderem „Bigtab wehrt sich“ beziehungsweise „Herr Ferlemann, das merk Dir mal – keine Bahntrasse durch das Auetal!“ zu lesen war. Weitere Schriftzüge lauteten: „Für Gleisausbau“, „Kein ICE im Auetal“ und „Ferlemann: für Konzerne gegen Bürger und Natur“.

Bürgerinitiative Bicon betitelt neuen Regioport als "illegal"

Die BI Auetal hatte überdies große Buchstabenschilder dabei, die aneinandergereiht die Forderung „Keine Neubautrasse durch Schaumburg“ wiedergaben. Dazu skandierten die Demonstranten immer wieder in Endlosschleife „Bahn ja, trassennah“. Außerdem wurde über Lautsprecher mehrfach das Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges abgespielt.

Die Bicon-Vertreter hielten indes Schilder hoch, auf denen „RegioPort? Nein danke“ geschrieben stand. Ferner rollten sie ein Banner aus, auf dem „RegioPort – illegal!“ zu lesen war.

Fazit: So zufrieden sind die Demonstranten mit ihrem Protest

Thomas Rippke, der Vorsitze der Bigtab, zeigte sich im Gespräch mit dieser Zeitung „total begeistert“ von der Anzahl der sich an der Protestaktion beteiligenden Bürger. Kurz vor der Ankunft von Ferlemann hatte er die Demonstranten angeheizt, dass diese „richtig schön laut“ werden sollten, damit Ferlemann das Adrenalin ins Blut schieße.

Hendrik Steg von der BI Auetal kommentierte die geplante Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke mit diesen Worten: „Der Staat hat so viel Geld, und das stecken die in so einen Schrott.“ Seines Erachtens lohnt sich die mit diesem Projekt anvisierte Zeitersparnis von rund 30 Minuten zwischen Hamm und Berlin jedenfalls nicht. von Raimund Cremers und Michael Werk

"Diese Geduld muss auch die Region haben"

Während draußen die Trillerpfeifen und Sprechchöre immer lauter werden, nimmt Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann an Bord der „Poseidon“ Stellung zum Bundesverkehrswegeplan und den Ausbauplänen der Bahn. Und er bekräftigt: „Wir werden es machen.“

Trassenvariante wird Anfang 2020 vorgestellt

Nur das Wie lässt er offen, wie schon in den vergangenen Monaten auch. Es gehe darum, dass die Trasse von zwei auf vier Gleise in einem „Korridor für die Zukunft ertüchtigt werden muss“. Grundlage sei der Deutschland-Takt, um die Fahrzeit zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet-Köln-Bonn auf vier Stunden zu reduzieren. Damit soll aus „ökologischen Gründen“ der Luftverkehr „gedrückt“ werden.

Die vier Stunden seien ein Erfahrungswert aus vorherigen Verfahren. Ob dies gelingen könne, diese Frage müsse der Deutschland-Takt beantworten. Dieser sei 2018 „grob“ vorgestellt worden. Derzeit würden in einem Entwurf II die Erfordernisse von Nahverkehr und Güterverkehr über den Takt gelegt. Entwurf III folge im zweiten Halbjahr, der dann der Öffentlichkeit vorgestellt werde. Welche Trassenvariante infrage kommt, wird dann im ersten Quartal 2020 vorgestellt.

Bahn will Bürgerdialog zum Schienenausbau starten

Wenn das bekannt ist, werde die Bahn AG den Bürgerdialog starten, indem über das Prozedere beraten werden solle. Daraus würden sich dann die Korridore und eine Vorzugsvariante entwickeln, mit der dann in das Rechtsverfahren und den endgültigen Planfeststellungsbeschluss gegangen werde. „Ehrgeizige“ zwei Jahre gab Ferlemann für dieses Verfahren vor, in vier bis fünf Jahren sei das Baurecht „auf jeden Fall zu schaffen“.

Abgewartet werden müssten dann Klagen und Entscheidungen von Gerichten. Er rechne damit, dass die Umsetzung schneller als in zehn Jahren erfolge. Sollten Tunnel gebaut werden, werde es länger dauern.

Welche Variante es nun letztlich sein wird? Ferlemann: „Es ist alles in der Diskussion.“ Bei solchen Verfahren müsse man Geduld haben, sagte er an die Bürgerinitiativen gerichtet: „Diese Geduld muss auch die Region haben. Keiner weiß derzeit, wo es langgeht.“ von Raimund Cremers