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Bückeburg Stadt „Bei uns ist es heiß!“: Dachdecker in Bückeburg leiden unter extremer Hitze
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„Bei uns ist es heiß!“: Dachdecker in Bückeburg leiden unter extremer Hitze

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15:56 15.08.2020
Früh ab 6 Uhr morgens sind sie bereits bei der Arbeit: Die Dachdecker Brian Timmer und Sven Largana nutzen die frühen Morgenstunden, bevor es auf dem Dach ihrer Baustelle an der Scheier Straße wieder richtig heiß wird.
Früh ab 6 Uhr morgens sind sie bereits bei der Arbeit: Die Dachdecker Brian Timmer und Sven Largana nutzen die frühen Morgenstunden, bevor es auf dem Dach ihrer Baustelle an der Scheier Straße wieder richtig heiß wird. Quelle: hil
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Bückeburg

Auch Büroangestellte leiden darunter, wenn die Außentemperaturen die 30 Grad Celsius übersteigen und es am Arbeitsplatz zu warm wird. Diese Zeitung hat Dachdecker der Firma Ahrens bei der Arbeit auf ihrer Baustelle an der Scheier Straße besucht.

Es ist noch früh am Tag, und die Sonne geht gerade auf, wenn die ersten Mitarbeiter der Dachdeckerfirma Ahrens auf dem Betriebsgelände werkeln. Ziel ist es, so früh wie möglich auf der Baustelle zu sein, um die frühen Morgenstunden auszunutzen. Denn mit zunehmendem Sonnenschein wird das Arbeiten auf dem Dach, spätestens ab Mittag, unerträglich.

Viel trinken!

Bereits seit eineinhalb Wochen haben sich die Dachdecker Brian Timmer, Sven Largana und Dachdeckermeister Dennis Pohlmann einen geänderten Arbeitsrhythmus angewöhnt, um so wenigstens einige Stunden am Tag bei noch relativ angenehmen Temperaturen arbeiten zu können.

Aber auch schon früh am Tag heißt es auf dem Dach: Viel trinken! Während Brian Timmer nicht so sehr mit Sonnenbrand zu kämpfen hat, muss Sven Largana außer auf ausreichendes Trinken auch sehr auf seine Haut achten.

„Unter Lichtschutzfaktor 50+ brauche ich gar nicht anfangen. Bei den derzeitigen Sonnenstunden geht da auch schon mal eine Flasche Sonnenschutzmilch pro Woche drauf.“

Kopfbedeckung ist ein Muss

Eine Kopfbedeckung ist ebenfalls ein Muss, ebenso das Tragen einer Sonnenbrille. Natürlich gewöhne man sich an das Arbeiten unter solchen Bedingungen, so die drei Kollegen, allerdings sei trotzdem irgendwann am Tag der Punkt erreicht, wo man nur noch raus wolle aus der Sonne.

Dachdecker sind in der Regel daran gewöhnt, körperlich schwer zu arbeiten, aber die derzeitigen hohen Temperaturen sind eine ganz andere Hausnummer.

Werkzeug und Arbeitsmaterial werden extrem heiß

„Da wir hier auf dem Flachdach keinerlei Schatten haben, dass Dach sich über Tage aufheizt und die Wärme dann abstrahlt, haben wir von oben und unten Hitze“, so Largana. Geht es auf die Mittagszeit, wird ab einem bestimmten Punkt alles heiß.

Es werde so heiß, dass man nichts mehr anfassen könne, weder das Werkzeug noch das Arbeitsmaterial, so Timmer.

Hitze laugt den Körper aus

Irgendwann ist dann auch der Körper von der Hitze ausgelaugt, die Konzentration lässt nach, oder man merkt gar nicht mehr, was man macht. Solche Symptome können gefährliche Ausmaße annehmen und auf einen Hitzschlag oder Sonnenstich zusteuern, was auf so einem mehrstöckigen Dach natürlich besonders brenzlig wäre.

Da die Geschäftsführung um solche Gefahren weiß, arbeitet bei der Firma Ahrens nie jemand allein auf dem Dach. Firmenchef Dieter Ahrens betont, wie wichtig es sei, dass die Mitarbeiter auf dem Dach gegenseitig aufeinander aufpassen würden. Und nicht ohne Grund seien alle als Ersthelfer ausgebildet.

"Wenn sie meinen, sie können nicht mehr, dann wird aufgehört“

Ahrens weiß um die anstrengenden Tage seines gesamten Teams und zeigt sich besorgt und fürsorglich. Die Firma unterstütze alle Mitarbeiter mit ausreichend Wasser und anderen Dingen, die sie benötigten. Auch dürften und müssten sie selbst entscheiden, wie lange sie das Arbeiten in der Sonne aushielten. „Es geschieht nach eigenem Ermessen.

"Wenn sie meinen, sie können nicht mehr, dann wird aufgehört“, so Ahrens. Dafür haben allerdings nicht alle Kunden Verständnis. Einige sind sehr nett und stellen kühle Getränke raus, andere verweisen auf den Terminplan, sind eher ungeduldig oder meinen, wir arbeiten nicht schnell genug“, so der Firmeninhaber.

„Schlechtwettergeld“ bei Hitze

Als sehr positiv bewertet der Kreishandwerksmeister die Bewegung des Dachdeckerhandwerkes. Bereits im vergangenen Winter sei über „Schlechtwettergeld“ bei Hitze debattiert worden.

So soll nun so verfahren werden, dass wenn bei zu hohen Temperaturen die Arbeit ausgesetzt werden müsse oder das Arbeiten im Sommer für nur sechs statt neun Stunden am Tag möglich sei, Ausfallgelder beantragt werden könnten. Von Anja Hillmann