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Bückeburg Stadt Borkenkäfer jetzt auch im Harrl: „Jahrhundertkatastrophe“ droht
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Borkenkäfer jetzt auch im Harrl: „Jahrhundertkatastrophe“ droht
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07:19 14.08.2019
Alfred Matthaei ist entsetzt über den Fund der Borkenkäfer im Harrl. 
Bückeburg

Jetzt ist auch der Harrl betroffen. Bedingt durch die Trockenheit haben sich die Borkenkäfer bei den Fichten massenhaft ausgebreitet.Als erste Maßnahme werden 650 befallene Nadelbäume, südlich des Kammweges vom Idaturm aus in Richtung Bad Eilsen, gefällt. Am heutigen Mittwoch rückt der Harvester an. Revierförster Alfred Matthaei spricht von einer „Jahrhundertkatastrophe“ im Wald.

Eigentlich sah noch vor zwei Monaten alles gar nicht so schlimm aus im Harrl. Die Schäden des Orkans „Friederike“ vom Januar 2018 waren beseitigt worden. Das Sturmtief „Eberhard“ im März dieses Jahres hatte keine großen Schäden angerichtet. Matthaei hatte vor zwei Monaten etwa 50 Fichten markiert, die wegen des Borkenkäferbefalls gefällt werden sollten.

Schnelles Fällen, damit andere Bäume überleben

Jetzt wollte er seinen Augen nicht trauen. Fast alle Bäume zeigten Zeichen von Käferfraß. Zwar sei noch nicht bei allen die Krone vertrocknet, aber die Bäume müssten ganz schnell entfernt werden, damit wenigstens noch einige überleben könnten. 650 Fichten werde der Harvester aus dem Wald holen, so Matthaei.

Die Borkenkäfer, speziell bei den Fichten die Buchdrucker und Kupferstecher, lieben trockenes, heißes Wetter. Dann vermehren sie sich explosionsartig. Vier Generationen von Käfern können pro Jahr schlüpfen. Zu erkennen ist ein Befall an braunen Bohrlöchern in der Rinde und am Bohrmehl am Fuß der Fichte. Normalerweise reagiert der Baum, indem er vermehrt Harz absondert, um die Schädlinge abzuwehren. Doch die Fichten auf der Südseite des Harrls sind durch zwei extrem trockene Sommer geschwächt und führen im Stamm viel zu wenig Wasser, somit kann nicht ausreichend Harz gebildet werden.

70 Prozent des Fichtenbestandes schon im nächsten Jahr verschwunden?

Auch auf der anderen Hälfte des Kammweges vom Idaturm aus Richtung Schwimmbad sterben die Nadelbäume ab. Matthaei ist entsetzt über diese Entwicklung: „Das ist eine Jahrhundertkatastrophe. Spätestens im nächsten Jahr werden 70 Prozent des Fichtenbestandes verschwunden sein.“

Es gelte, schnell zu handeln, denn die befallenen Bäume müssten raus aus dem Wald um ein weiteres Ausbreiten der Käfer zu verhindern. Allerdings sei es momentan alles andere als einfach, ein Gerät zum Fällen und Transportieren zu bekommen, da die meisten Waldbesitzer ähnliche Probleme hätten, so Matthaei.

Neben Fichten auch Lärchen, Buchen und Eichen betroffen

Die Vermarktung des geschlagenen Holzes sei äußerst schwierig, berichtet der Förster. Der bessere Teil werde als Containerware nach Asien verschifft. Es lasse sich dafür jedoch nur fast ein Drittel des normalen Marktpreises erzielen. Für den größeren Teil des Holzes werde die Fürstliche Hofkammer draufzahlen müssen, um es überhaupt loszuwerden. Spanplattenbetriebe hätten derzeit ein Überangebot an Holz.

Aber nicht nur die Fichten im Harrl habe es getroffen, sagt Matthaei. Auch Lärchen würden von einem speziellen Borkenkäfer befallen. Den Buchen setze die Trockenheit enorm zu. Die Eichen seien zwar noch die robustesten einheimischen Bäume, doch auch sie hätten mit dem Prozessionsspinner zu kämpfen. Die Eschen würden seit Jahren durch Pilzbefall dezimiert. Förster Matthaei wirkt mit Blick auf das aktuelle hiesigen Baumsterben ziemlich verzweifelt. Im Harrl würden vermutlich bei der Aufforstung Douglasien gesetzt. Doch auch diese Setzlinge seien wegen der starken Nachfrage schwierig zu bekommen. von Gabi Nachstedt 

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