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Bückeburg Stadt Bückeburger Randonneurs in Frankreich: 1219 Kilometer, Nebel und Angst
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Bückeburger Randonneurs in Frankreich: 1219 Kilometer, Nebel und Angst
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23:19 09.09.2019
Unterwegs in Frankreich mit einem Baguette im Rucksack: „Bei den Franzosen kam das gut an", sagt der Bückeburger Randonneur Max Holz. Er hat am legendären Radrennen von Paris nach Brest und zurück teilgenommen. Quelle: pr.
Bückeburg

Vor Kurzem wollten die beiden ihre körperliche Leistung ausreizen. Gemeinsam mit Stefan Bartsch aus Vehlen und Lisa Vollrath aus Minden nahmen sie am ältesten Radrennen der Welt teil: Die 1219 Kilometer lange Strecke führte von Paris nach Brest und zurück.

Nicht jeder darf dem legendären Rennen teilnehmen

Für Holz war es das vierte Rennen auf dieser Strecke. Der Bückeburger hat bereits mit seinem Rennrad an Langstrecken-Fahrten in Albanien sowie Australien teilgenommen und die Alpen überquert. Spannuth war zum ersten Mal auf einer so langen Rennstrecke mit dem Rad unterwegs. Erst im vergangenen Jahr hat er mit dem besonderen Radsport angefangen. Für die Tour musste sich Spannuth extra qualifizieren. „Es darf schließlich nicht jeder einfach so an dem Rennen teilnehmen“, erklärt der Randonneur. „Man muss sich die Teilnahme an der legendären Veranstaltung erst erarbeiten.“

Doch auch wenn die vier gemeinsam gestartet seien, sei das Langstreckenradfahren ein sehr individueller Sport, bei dem jeder für sich fahre. „Trotzdem haben wir uns unterwegs mal getroffen“, erzählt Spannuth. Über eine WhatsApp-Gruppe hielten die Randonneurs unterwegs zudem Kontakt.

"Star" aus Zufall

Für Spannuth wurde es gleich zu Beginn der Fahrt kurios. Bei der Startaufstellung habe er sich durch Zufall plötzlich ganz vorne in der zweiten Reihe wiedergefunden. „Hier standen die ganzen Fernseh- und Radioteams – und die Reporter haben mich dann interviewt. Weil ich so weit vorne stand, haben sie geglaubt, ich wäre ein Star – ich musste sie dann enttäuschen“, erzählt der Bückeburger und lacht.

Spannuth fuhr auf der Strecke oft nachts und schlief in den 77 Stunden, die er für die 1219 Kilometer brauchte, nur wenige Stunden. „Man ist irgendwann in einem Tunnel drin und fährt und fährt, das hält wach“, sagt er. „Kaffee hilft auch gut“, fügt Holz hinzu und schmunzelt. Unterwegs sei ihm eine große Welle der Hilfsbereitschaft der Franzosen entgegengekommen. „Eine Familie hat mir sofort Essen und Getränke geholt, als ich erschöpft in ein Dorf eingefahren bin“, erzählt Spannuth. Diese schönen Momente würden in Erinnerung bleiben.

Mit Baguette im Gepäck durch Frankreich

Holz fuhr auch auf seiner vierten Tour durch Frankreich mit einem Baguette, das aus dem Rucksack herausragte, die Strecke. „Bei den Franzosen kam das gut an – und es sah auch gut aus“, erzählt er. Doch für ihn lief die Fahrt nicht so gut. „Ich habe aufgrund meiner Kurzsichtigkeit in der Nacht bei Nebel fast nichts mehr gesehen und unterwegs zwischen Paris und Brest Angst bekommen, deshalb musste ich das Radrennen leider abbrechen“, erzählt Holz. Er sei mit dem Zug zurück nach Paris gefahren und habe dort auf die anderen gewartet. „Ich habe sie mit WhatsApp-Nachrichten aufgemuntert“, sagt Holz. Die Nachrichten hätten „gutgetan“, bestätigt sein Sportkollege Spannuth.

Letztes Rennen für Holz - Spannuth bleibt dabei

Für Holz ist klar, dass es sein letztes Rennen auf der Strecke ParisBrestParis war. „Für mich ist der Aufwand des Qualifizierens für das Rennen einfach zu groß. Da fahre ich lieber andere Rennen – zum Beispiel in Italien“, sagt Holz. Für Spannuth steht nach seinem ersten Langstreckenrennen fest: „Ich bleibe dabei.“ Wo es als Nächstes hingeht, weiß er noch nicht. „Die Familie hat allerdings schon gefragt, ob sie beim nächsten Rennen mal mitkommen könnte. Also beste Voraussetzungen für ein nächstes Rennen“, sagt Spannuth.

Für Holz hatte das Rennen noch einen „fassbaren Sinn“, wie er sagt. „Ich habe mir Spender für die Kilometer, die ich gefahren bin, gesucht. Jeder konnte so viele Kilometer kaufen, wie er wollte“, erklärt er. Ein Kilometer kostete einen Euro. Einige hätten aber auch gleich 500 Kilometer auf einmal gekauft. Auch wenn er das Rennen abbrechen musste, sei er sehr zufrieden mit dem Spendengeld. „Schließlich bin ich auch schon die 768 Kilometer von Bückeburg nach Paris mit dem Rad gefahren“, sagt Holz. Das Geld geht an eine Schulfreundin, die damit in Gambia eine neue Trinkwasser-Pumpe für das Dorf bauen will. Die alte sei nämlich kaputtgegangen. „Schon allein dafür hat sich das Rennen gelohnt“, sagt Holz. Von Leonhard Behmann