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Bückeburg Stadt Bundeswehr: Jägerkaserne in Bückeburg schließt doch nicht
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Bundeswehr: Jägerkaserne in Bückeburg schließt doch nicht
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20:24 01.08.2019
Quelle: archiv
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Bückeburg

Gute Nachricht für die Stadt Bückeburg: Die Jägerkaserne wird über das Jahr 2025 hinaus erhalten bleiben. Das geht aus einem Schreiben hervor, das der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) von der Bundeswehr erhalten hat und das kurze Zeit später vom Verteidigungsministerium und dem Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum (IHTC) bestätigt wurde, das die Nachricht über einen sogenannten Tagesbefehl aus Berlin erhalten hatte. Darin heißt es, dass der Standort als „dauerhaft für die Zwecke der Bundeswehr und des Heeres notwendig“ neu bewertet worden sei.

Das IHTC habe jahrelang für diese Entscheidung gekämpft. „Eine tolle Nachricht für den Standort“, erklärte der stellvertretende Kommandeur, Oberst Bodo Schütte. „Eine gute Nachricht für die Stadt“, freute sich Bürgermeister Reiner Brombach. „Ich bin froh über diese neue Information und die Entscheidung, die Schließung aufzuheben“, so Beermann. „Das sind großartige Neuigkeiten für unsere Kameradinnen und Kameraden vor Ort sowie für die gesamte Region“, sagte die Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers (SPD).

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Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass „nach fast zweieinhalb Jahrzehnten des Schrumpfens die Bundeswehr wieder wächst.“ Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen hätten sich geändert. „Darauf haben wir mit den Trendwenden Personal, Material und Finanzen reagiert. Mehr Personal und Material bedeuten auch mehr Bedarf an weiterer Infrastruktur.“

Nach den bisherigen Planungen ist die Jägerkaserne zur Aufnahme von Kräften des Organisationsbereichs Heer vorgesehen, schreibt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrem Brief an die Abgeordneten des Wahlbezirks. Darüber hinaus würde auch „möglicher Bedarf weiterer Organisationsbereiche geprüft“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Damit gemeint ist, dass Bückeburg den Zuschlag bei der Aufstellung und Stationierung des Kommandos Hubschrauber erhalten könnte. Eine Entscheidung, die weiter offen ist. Wie Oberst Bodo Schütte dazu sagte, habe der Inspekteur Heer diesen „Wunsch“ bei der Ministerin hinterlegt, die darüber zu entscheiden hat.

Jahrelang um Erhalt gekämpft

Um den Erhalt der Jägerkaserne war von der Bundeswehr sowie der Stadt und des Landkreises jahrelang gekämpft worden: Seitens der Bundeswehr, weil sie dringend Unterkünfte und Ausbildungsmöglichkeiten braucht, seitens der Stadt und des Landkreises, weil es eine Brache im Stadtgebiet und den weiteren Teilabbau eines wichtigen Arbeitgebers bedeutet hätte. Oder wie es Beermann in seiner Pressemitteilung formulierte: „Die Bundeswehr ist ein wichtiger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor und Verlust von Standorten immer auch ein harter Einschnitt für die betroffenen Kommunen.“
Der Bürgermeister freute sich denn auch, dass dieser harte Einschnitt für Bückeburg nun nicht mehr kommt: „Eine äußerst positive Nachricht.“ Die Nachricht sei „im Prinzip“ wegen der zahlreichen Gespräche im Vorfeld aber schon zu erwarten gewesen. Für Bückeburg bedeutet dies, dass weiter junge Menschen in die Stadt kommen – gemeinsam mit den Blindow-Schülern ein Erhalt der Attraktivität.

Wegen des zu hohen Sanierungs- und Investitionsbedarfs sollte die Jägerkaserne ursprünglich bereits in diesem Jahr geschlossen werden, dann wurde bis zum Jahr 2025 verlängert, da die Bundeswehr auch im Zuge der Aufstockung der Gesamtzahl der Soldaten Bedarf an Unterkünften und Ausbildungsstätten hat. In der Jägerkaserne ist daher derzeit die 3. Kompanie des Feldwebel- und Unteroffizieranwärterbataillons II Celle stationiert – solange, bis in Celle genügend Unterkünfte zur Verfügung stehen.

Wie Oberst Schütte sagte, wird das IHTC ab 2020 wieder die Grundausbildung der Offiziere der Heeresflieger übernehmen. Angehende Offiziere werden dann die ersten Monate ihrer Ausbildung wieder in Bückeburg absolvieren, ehe sie ins Studium gehen. Ab 2021 wird dann auch der Ergänzungsbedarf der Heeresflieger in Bückeburg ausgebildet. Schütte: „Alles in der Jägerkaserne, alles unter Ägide der Heeresflieger.“

Um die Umstrukturierung möglichst sozial verträglich und ohne Versetzungen über die Bühne zu bringen – Stichwort: Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber –, ist seitens der Bundeswehr angedacht, dass das Stammpersonal der 3. Kompanie aus Celle vom IHTC übernommen wird. Arbeitsplätze würden so gesichert, es seien keine Versetzungen notwendig, sagte der Oberst.

Die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen für die Jägerkaserne können nach dem Entscheid des Ministeriums vom Kasernenkommandanten „sofort in Angriff genommen werden“, sagte Schütte. Entsprechende Pläne liegen in der Schublade. Denkbar sei die Umsetzung des Konzepts der Kaserne 2000 auch in anderen Bereichen der Jägerkaserne – Einzelzimmer für Soldaten mit jeweils einer Nasszelle pro zwei Zimmern. Schütte: „Wir werden die Kaserne auf Vordermann bringen und chic machen.“

Da die Kaserne bis gestern auf der Schließungsliste gestanden hat, waren sämtliche Gelder gesperrt. Nur noch unabdingbare Reparaturen durften durchgeführt werden. Wie etwa im vergangenen Jahr, als die Blöcke B und D wegen nicht eingehaltener Brandschutzauflagen gesperrt worden waren und für 2,6 Millionen Euro auf Vordermann gebracht wurden. Elektroleitungen waren auf Putz verlegt, pro Stube gab es nur eine Steckdose. Die dort untergebrachten Soldaten der Lehrgruppe B der Heeresflieger waren in dieser Zeit auf Unterkünfte in Achum verteilt worden – wo es sehr eng war.

Von Raimund Cremers

 

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