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Bückeburg Stadt Den Vogel schnell in die Luft bekommen
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21:21 29.11.2011
Stellenaufbau statt Stellenabbau: Um die NH90 mit genügend Stückzahlen und Flugstunden in die Luft zu bekommen, wird das Personal auch am Standort Bückeburg durch den Hersteller Eurocopter – zunächst befristet – aufgestockt.
Stellenaufbau statt Stellenabbau: Um die NH90 mit genügend Stückzahlen und Flugstunden in die Luft zu bekommen, wird das Personal auch am Standort Bückeburg durch den Hersteller Eurocopter – zunächst befristet – aufgestockt. Quelle: Archiv
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Bückeburg (rc). Grund sind ganzseitige Stellenanzeigen des NH90-Herstellers Eurocopter, der entsprechendes Fachpersonal für die Wartung und Bereitstellung des NH90 an den Standorten Donauwörth, Holzdorf, Faßberg – und eben Bückeburg sucht. Was zu erheblicher Unruhe beim Personal an der Waffenschule geführt hat, das dort für Wartung, Flugbetrieb und Zurverfügungstellung von Flugstunden für den NH90 angestellt ist. Sie befürchten, dass ihre Arbeitsplätze abgebaut werden, wenn ein ziviler Anbieter ihre Arbeiten mit eigenem Personal übernimmt, so ein Mitarbeiter, der ungenannt bleiben will, gegenüber unserer Zeitung. Insgesamt sind es derzeit rund 100 zivile Mitarbeiter und Militärs, die in Achum den NH90 warten.
„Es wird keinen Stellenabbau bezüglich des NH90 geben“, konnte der Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule, Brigadegeneral Reinhard Wolski, im Gespräch mit unserer Zeitung Entwarnung geben: „Auch wenn die Unruhe natürlich verständlich ist.“ Wie er sagte, sei vielmehr die Aufstockung des Personals für die kommenden Jahre geplant, um die schnellere Verfügbarkeit von Flugstunden und Ersatzteilen sowie die Bereitstellung von Maschinen zu gewährleisten.
Die Details und in welchem Umfang neue Stellen geschaffen werden, sei derzeit noch Gegenstand von Gesprächen, so der General weiter. Die Stellen sollen aber nach dem bisherigen Stand der Planungen auf zunächst drei Jahre befristet sein. Wie der General zum vorhandenen Personal in Bückeburg sagte, soll das vorhandene Potenzial künftig für Eurocopter arbeiten, aber bei der Bundeswehr verbleiben. Auch hier werde noch über Details verhandelt.
Nach Informationen unserer Zeitung ist der Personalrat in die Gespräche eingebunden. Nach entsprechender Information der betroffenen Soldaten und zivilen Mitarbeiter konnte auch der Personalrat die Gemüter beruhigen. „Eigentlich haben wir nur Vorteile, Arbeitsplätze am Standort Bückeburg werden gesichert.“ Da künftig der Hersteller direkt für Materialbeschaffung und Personal verantwortlich ist, sei mit deutlichen Verbesserungen gegenüber den Zeiten zu rechnen, als Beschaffungen noch über den Umweg Heeresamt zu erfolgen hatten.
Nach Informationen unserer Zeitung wird der Supportvertrag zur logistischen Unterstützung der Einsatzbereitschaft an höchster Stelle zwischen dem Verteidigungsministerium und Eurocopter ausgehandelt. Eine Endfassung soll schon bei den zuständigen Stellen liegen und in Kürze unterzeichnet werden.
Hintergrund der Aufstockung ist vor allen Dingen politischer Druck, um nach jahrelangen Verzögerungen bei der Zulieferung des NH90 an die Truppe das Waffensystem endlich in genügender Stückzahl in den Einsatz zu bekommen. Denn wenn sich die US-Amerikaner wie angekündigt aus Afghanistan zurückziehen, muss die Bundeswehr die entstandenen Lücken mit eigener Ausrüstung füllen. Insbesondere die Sanitätsversion des NH90 wird dann dringend für die Auslandseinsätze benötigt.
Seitens des Herstellers sei daher geplant, möglichst viele des NH90 so schnell wie möglich auszuliefern, hieß es aus der Waffenschule. Bevorzugt werden sollen die NH90-Regimenter. Als Folge davon werden an der Heeresfliegerwaffenschule zunächst nur sieben NH90 für Ausbildungszwecke stationiert werden. Geplant waren nach dem Stärke- und Ausstattungsnachweis (StAN) elf Exemplare.
Eurocopter sucht jedenfalls qualifiziertes Fachpersonal für fast alle Bereiche rund um die Hubschraubertechnik – nicht nur für NH90, sondern auch den Kampfhubschrauber „Tiger“, der ebenfalls möglichst schnell in die Truppe gebracht werden soll: On-Site Support Techniker, Manager Materialversorgung, Avioniker, Arbeitsvorbereiter/Einsatzsteurer, Prüfer für Elektrik oder Flugwerk/Triebwerk oder Wartungsmechaniker.

Ob die Ausbildung auf der CH-53 an der Heeresfliegerwaffenschule bleibt oder zum Luftwaffen-Geschwader nach Holzdorf abgezogen wird, dazu gibt es nach Auskunft des Generals der Heeresflieger, Brigadegeneral Reinhard Wolski, noch keine Entscheidung: „Wir kämpfen weiter um den Verbleib in Bückeburg.“ Wie berichtet, streiten sich der Inspekteur Luftwaffe und der Inspekteur Heer darüber, wer künftig die CH-53-Piloten ausbildet. Da keine Einigung erzielt werden konnte, ist der Vorgang an das Verteidigungsministerium übergeben worden, das zu entscheiden hat.
Wie der General sagte, werde es auf jeden Fall frühestens erst 2015 zu einer Umgliederung kommen, sollte das Ministerium gegen das Heer und die Heeresfliegerwaffenschule und für die Luftwaffe entscheiden: „Bis dahin gibt es keine Änderungen.“