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Bückeburg Stadt Der Abriss hat begonnen
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11:30 27.07.2018
Der Abriss des Krankenhauses Bethel und auch Haus Reiche hat begonnen: Die Baustelle wird eingerichtet, der erste Bagger steht bereit, zunächst wird aber wird im Inneren entkernt. Im Januar 2019 soll der Abriss beendet sein.
Der Abriss des Krankenhauses Bethel und auch Haus Reiche hat begonnen: Die Baustelle wird eingerichtet, der erste Bagger steht bereit, zunächst wird aber wird im Inneren entkernt. Im Januar 2019 soll der Abriss beendet sein. Quelle: rc
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Bückeburg

Die Abrissarbeiten sind seitens der Stiftung Bethel beim Bauamt der Stadt Bückeburg angezeigt worden.

Zu dem umstrittenen Abriss des bis vor Kurzem noch unter Denkmalschutz stehenden Haus Reiche und dem Widerstand der Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße gegen diesen Abriss erklärten Bürgermeister Reiner Brombach, die Vorsitzenden der Gruppen, beziehungsweise Fraktionen im Rat, Bernd Insinger (SPD), Ulrike Eggers (CDU), Raimund Leonhard (BfB/WIR/FDP), Cornelia Laasch (Grüne) sowie Baubereichsleiter Björn Sassenberg in einem kurzfristig anberaumten Termin unisono, dass sich alle Gruppen und Fraktionen sowie die Verwaltung in ihren Beratungen positiv für den vorgelegten Entwurf des Investors und den Grundzügen des neu aufzustellenden Bebauungsplans „Bethel-Quartier“ ausgesprochen hätten. Sie befürworteten die Umsetzung des Baus eines Seniorenkompetenzzentrums mit rund 120 Betten sowie maximal drei Gebäuden im hinteren Bereich der Fläche über. Sie betonten aber auch, dass dies keine Vorwegnahme des Bebauungsplans „Herder-Quartier“ bedeute, so Mehrheitschef Bernd Insinger (SPD). An den Details werde natürlich noch gefeilt, versicherte der Bürgermeister, aber auch der Bau-Ingenieur Volker Wehmeyer, der mit seinem Büro in Bückeburg die Vertretung des beauftragten Architekten des Investors, der Immac, und der Stiftung Bethel übernommen hat.

Rechtliche Situation geklärt

Der Stiftung gehört nach wie vor das Krankenhaus-Gelände. Sie ist auch Auftraggeber für den Abriss und wird das freigeräumte Gelände anschließend an die Immac übergeben. Der neue Vorsitzende der Stiftung, Pastor Jens Hauschild, nahm an dem Gespräch nicht teil. Der Abriss von Haus Reiche werde von allen Gruppen und Fraktionen als auch von der Verwaltung als „erforderlich“ angesehen, wie es der Bürgermeister formulierte. Die rechtliche Situation um die Aufhebung des Denkmalschutzes sei geklärt: „Das Haus steht nicht mehr unter Denkmalschutz.“ Damit könne und werde abgerissen, so der Bürgermeister. Er verwies zudem auf ein Schreiben des für Denkmalschutz zuständigen Ministeriums in Hannover. Dies habe die Aufhebung des Denkmalschutzes bestätigt und zudem den Hinweis gegeben, dass sich das nun geplante Gebäude in die vorhandene Bebauung einfüge.

Für den Abriss des Krankenhauses als auch des Haus Reiche sei keine Genehmigung seitens des Bauamtes notwendig, sagte der Bürgermeister. Der Abriss sei angezeigt worden, da ein Teil des Gebäudes, die Tiefgarage, auf der zwei der drei seniorengerechten Mehrfamilienhäuser errichtet werden, nicht abgerissen wird, erklärte Wehmeyer. Der Baubereichsleiter: „Das ist alles so rechtens.“ Oder wie es der Bürgermeister zusammenfasste: „Im Prinzip gibt es nichts mehr, was noch geklärt werden muss.“

Mehrheitschef Insinger sagte, dass alle froh seien, dass so schnell ein Investor gefunden worden ist. Die Alternative wäre auch im Hinblick auf die Auseinandersetzungen um den Denkmalschutz ein jahrelanger Leerstand gewesen. Eine Aussage, der die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Eggers ebenso beipflichtete wie die Grünen-Ratsfrau Laasch. BfB/WIR-FDP-Gruppenchef Leonhard sagte, dass das Haus Reiche für den Investor wirtschaftlich nicht einzubinden gewesen wäre: „Wir stehen voll hinter dem Gesamtkonzept. Das Gebäude passt dort hin.“ Brombach: „Der Neubau wird ein würdiger Nachfolger von Krankenhaus und Haus Reiche.“ Volker Wehmeyer bezeichnete es im Namen von Investor und Stiftung für gut, dass Rat und Verwaltung geschlossen hinter Abriss und Neubau stehen: „Es ist uns wichtig, dass das Projekt in der Bückeburger Bevölkerung positiv aufgenommen wird und der Betreiber nicht hinterher um die Belegung kämpfen muss.“

„Das ist unendlich traurig“

Das ist eine unendliche traurige Entwicklung“: So haben die Sprecher der Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße (IGHH), Dr. Christian Fricke-Neef und Günter Kaps, auf die Nachricht des bevorstehenden Abrisses von Haus Reiche reagiert: „Wir können es gar nicht glauben, dass hier die Kultur eines Gebäudes einfach so zurückgestellt wird.“ Sie hätten gehofft, dass durch ein besseres Abwägen sowohl der Neubau als auch der Erhalt von Haus Reiche hätten möglich sein können und mehr Kompromissbereitschaft vom Investor erwartet, sagte Kaps gegenüber unserer Zeitung. Man habe seitens der Stadt Bückeburg ganz offenbar schlecht verhandelt, sonst wäre ein Kompromiss sicher möglich gewesen.

„Sollte es zum Abriss kommen, würde das einmal mehr unsere Befürchtung bestätigen, dass der Denkmalschutz in Verwaltung und Politik in Bückeburg keinen Fürsprecher hat und gegenüber Renditeerwartungen von Investoren immer den Kürzeren ziehen wird. Das Schicksal von Haus Reiche zeigt, dass es dringend erforderlich ist, in Bückeburg einen unabhängigen Denkmalpfleger zu installieren“, so die IGHH.

Seitens der Immac seien Zusagen nicht eingehalten worden, der IGHH eine Visualisierung des geplanten Gebäudekörpers zukommen zu lassen, sondern darauf verwiesen worden, dass dies seitens der Stadt nicht angefordert worden sei. Die Stadt müsse sich daher den Vorwurf gefallen lassen, dass „sie wesentliche städtebauliche Entwicklungen mit völliger Gleichgültigkeit verfolgt“. Der angesprochene neue Entwurf „mit Knick“ sei der IGHH nicht bekannt. Die IGHH bezweifele aber, dass er geeignet ist, dem Gebäudekörper die gerügte Massivität zu nehmen. Überdies werde dadurch nicht das Problem gelöst, dass der westliche Gebäudekörper zu nah an der Herminenstraße platziert ist und damit die Blickachse verkürzt wird. Das bauplanungsrechtliche Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Die IGHH habe nach der Auslegung des Vorentwurfs eine Vielzahl von Mängeln gerügt. Diese müssten in der anstehenden Abwägung berücksichtigt werden: „Nach derzeitigem Stand hält es die IGHH für ausgeschlossen, dass eine rechtskonforme Planungsbasis für den von der Immac beabsichtigten Neubau geschaffen werden kann.“ Den Abrissbagger werde die IGHH jedenfalls nicht aufhalten: „Das ist nicht unser Stil. Dafür ist auch unsere Bewegung zahlenmäßig zu schwach.“ rc