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Bückeburg Stadt Der Landkreis soll es richten
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Der Landkreis soll es richten
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07:57 25.05.2018
Das Mittlere Bruch südlich der Schäferstraße soll als Brut- und Rastvogelgebiet von nationaler Bedeutung unter Naturschutz gestellt werden.
Das Mittlere Bruch südlich der Schäferstraße soll als Brut- und Rastvogelgebiet von nationaler Bedeutung unter Naturschutz gestellt werden. Quelle: jp
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Bückeburg

Deutlich wurde das beim jüngst vom gleichnamigen Förderverein anberaumten Dialogabend im Historischen Wirtshaus Zur Falle. Dort peitschten die emotionalen Wellen zwischen Naturschützern und Landwirten lange nicht mehr so hoch wie noch vor einem halben Jahr, als das Thema erstmals in ähnlicher Runde bei einem Treffen im Vereinsheim des VfL Bückeburg debattiert wurde. Dennoch musste die Vorsitzende des Fördervereins, Eva von Löbbecke, formal Gastgeberin des Abends, mehrmals beschwichtigend in die Debatte eingreifen, wenn es wieder einmal zwischen den Diskutanten ein wenig lauter als geboten wurde.

Für den Beobachter war das unverständlich, denn in der Sache selbst sind sich eigentlich alle einig. Vielmehr müssen in der Vergangenheit beim Thema Naturschutz in Bückeburg und insbesondere der Bückeburger Niederung immense Mengen an Porzellan zerschlagen worden sein, dass sich Naturschützer und Landwirte bis heute mit einem derartigen offen zu Schau getragenen Misstrauen begegnen. Das gipfelte am Ende der Diskussion sogar in dem Ausspruch des Scheier Bürgermeisters Friedrich Meyer gegenüber der Fördervereinsvorsitzenden von Löbbecke: „Wenn Sie eine Möglichkeit finden, mich über den Tisch zu ziehen, werden sie es tun.“

Zwei Vorschläge vom Landkreis

Dass das prinzipiell von allen befürwortete Vorhaben, das bislang rund 60 Hektar große und sich bislang nur auf den Scheier Bruch beschränkende Naturschutzgebiet vor allem nach Westen in Richtung des renaturierten Mittleren Bruchs und der Amtmann’schen Wiesen auszudehnen, an diesem Abend weiter auf der Stelle trat, hatte jedoch noch einen weiteren Grund: Denn mit dem Landkreis Schaumburg fehlte genau die Institution, die für die Durchführung eines solchen Verfahrens verantwortlich wäre. Im vergangenen Jahr hatte sich Landrat Jörg Farr bereit erklärt, entsprechende Gespräche mit Naturschützern, Grundstückseigentümern und Bewirtschaftern zu führen. Vorläufiges Resultat sind zwei vom Landkreis erarbeitete Vorschläge: zum einen eine Erweiterung auf 169 Hektar als kleine Variante, zum anderen eine Ausdehnung auf rund 300 Hektar als große. Die kleine Lösung umfasst nur Mittleres Bruch, Amtmann’sche Wiesen und einige Flächen westlich davon, die große zusätzlich die Ochsenwiesen nördlich der Schäferstraße sowie eine kleinere Parzelle in Richtung Süden am Rethof in Scheie.

„Dem Förderverein geht es dabei vor allem um den Schutz besonders wertvoller Feuchtwiesen, die kürzlich vom Landkreis Schaumburg kartiert wurden“, betonte von Löbbecke. Ein Großteil der betreffenden Flächen sei auch aus Sicht der Landwirte als zukünftiges Naturschutzgebiet unstrittig, da sie sich bereits in öffentlichem Besitz befinden, so Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann, zudem Ratsherr und Ortsbürgermeister von Meinsen-Warber. Schwieriger sehe es dagegen bei Flächen in Privatbesitz aus. Da an anderer Stelle immer mehr Flächen durch Baugebiete verloren gingen, werde landwirtschaftlich nutzbares Grünland knapper. Eine Chance sieht der Kreislandwirt vor allem in der Möglichkeit, den Inhabern adäquate Tauschflächen anzubieten.

Mehr Sicherheit für Landwirte

Dass eine generelle Erweiterung des Naturschutzgebietes im allgemeinen Interesse sei, räumte auch CDU-Fraktionschef Axel Wohlgemuth ein. Nur müsse der Dialog dazu fokussierter geführt und den Landwirten mehr Sicherheit und Vertrauen in den Schutz ihrer Interessen geboten werden. Und genau dabei sahen alle Anwesenden den (nicht anwesenden) Landkreis in der Pflicht, das Verfahren im Konsens mit allen Beteiligten auf den Weg zu bringen: „Mit dem müssen wir uns zusammensetzen, sonst kommen wir hier nicht weiter“, so Kreislandwirt Wilharm-Lohmann.

Auf die besondere Bedeutung des Naturschutzgebiets für den Ausbau der Bahnstrecke Minden-Hannover verwies Thomas Rippke, Sprecher der Bürgerinitiative „Bigtab“. Er erhofft sich von der Erweiterung einen wirksamen Sperrriegel gegen eine mögliche Neubautrasse der Bahn von Bückeburg nach Porta Westfalica. Zwar gebe es derzeit noch kein Planfeststellungsverfahren, doch zeigten die jüngst in der Presse veröffentlichten Äußerungen des Bundesverkehrsministeriums, dass man dort aufgrund des Deutschland-Taktes zu einem solchen Neubau entschlossen sei – mit den entsprechend verheerenden Folgen durch Bodenversiegelung, Flächenverbrauch und Grundwasserabsenkung. „Deshalb müssen wir hier vor Ort endlich Fakten schaffen.“

Dem konnte auch die Fördervereinsvorsitzende von Löbbecke nicht widersprechen: „Wenn diese Trasse kommt, ist alles, über das wir hier sprechen, verloren.“ jp