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Bückeburg Stadt Des Menschen Villa ist sein Himmelreich
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07:37 28.03.2019
Walter Plathe interpretierte Couplets von Otto Reutter. Quelle: bus
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Bückeburg

Auch die Aktualität der zwischen 1900 und 1930 entstandenen Couplets machte Plathe deutlich. Es nahm nur einen flüchtigen Augenblick in Anspruch, bis der Gast von der Komödie am Kurfürstendamm das Publikum auf seiner Seite hatte. Spätestens bei „Gräme Dich nicht“ befanden sich Zuhörer und Künstler im Gleichklang: „Gräme Dich nicht! / Wenn Dich die Sorgen des Lebens bedrängen / Bleibe stets froh, laß den Kopf niemals hängen / Sonst wirst Du hässlich, kriegst Falten und Runzeln – / Bleibst ja viel schöner beim Lachen und Schmunzeln – / Drum mache immer ein frohes Gesicht / Gräme Dich nicht!“

Reutter, der eigentlich Friedrich Otto August Pfützenreuter hieß, soll mehr als 1000 mit Witz und Weisheit ausgestattete Kabarettlieder verfasst haben. Die von Plathe unter musikalischer Mithilfe des Pianisten Peter Buchheim präsentierte Auswahl zeigte die große thematische Bandbreite des Varietékünstlers und Salonhumoristen auf. Die Palette reichte von „Ich bin Optimist“ und „Onkel Fritz aus Neuruppin“ über „Wie reizend sind die Frauen“ und „Kinder, Kinder“ bis „Nehm’se ‘n Alten“ und „Villa Neureich“ – des Menschen Villa ist sein Himmelreich.

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Gesangsvortrag in aktueller Fassung

Plathe, der vor allem als Doktor Ulrich Teschner aus der ZDF-Fernsehserie „Der Landarzt“ bekannt ist, aber auch schon in der Rolle des Götz von Berlichingen reüssierte, beließ es unterdessen nicht beim bloßen Gesangsvortrag. Der 68-Jährige fasste die Lieder in kleine Geschichten und Schauspiele ein, ergänzte sie um aktuelle Geschehnisse und sprach das Auditorium immer wieder direkt an.

Mit Äußerungen wie „Ich weiß, dass ich heute in der Provinz bin“ und „Für uns schlichte Gemüter vom Land“ kokettierte der Großstädter auf charmante Weise mit den Besuchern. Um schließlich unumwunden zuzugeben: „Ich liebe das.“ Zudem gefiel, dass der Schauspieler nicht stur auf der Bühne verharrte, sondern etliche Ausflüge zu den dicht gefüllten Stuhlreihen unternahm.

Als Plathe schließlich „In 50 Jahren ist alles vorbei“ anstimmte – „Und fürchte dich nie, ist der Tod auch nah, / Je mehr du ihn fürcht‘st, um so eh‘r ist er da. / Vorm Tode sich fürchten, hat keinen Zweck. / Man erlebt ihn ja nicht, wenn er kommt, ist man weg.“ – war der Otto-Reutter-Abend wie im Flug und viel zu schnell vergangen.

Allerdings kam der Publikumsliebling nicht umhin, die Wünsche nach zwei Zugaben zu erfüllen.

Von Herbert Busch