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Bückeburg Stadt „Die Toten mahnen uns“
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt „Die Toten mahnen uns“
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07:41 19.11.2018
Gemeinsam mit Landesinnenminister Boris Pistorius (Dritter von links) werden Kränze am Ehrenmal niedergelegt. Quelle: wk
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Bückeburg

Eingeladen zur Teilnahme hatten der Niedersächsische Landtag, die Landesregierung, der Landkreis Schaumburg, die Stadt Bückeburg und der Landesverband Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

In seiner Begrüßung hob Wieland Kastning, Oberprediger der Landeskirche Schaumburg-Lippe, hervor, dass man mit der Veranstaltung an die „Geschichte der Zerstörung und der Verblendung“ erinnere. „Und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir aus der Geschichte klug werden können.“

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Die lange Zeit des Friedens in Zentraleuropa sei „kein unerschütterliches Fundament“, auf dem man sich ausruhen könne, gab Kastning zu bedenken. Denn vieles, was uns so selbstverständlich an „Güte des Lebens“ erscheine, das gleiche in Wahrheit der festen und doch so labilen Erdscholle, die auf der flüssigen Lava des Untergrundes schwimme. „Und immer kann die Lava ausbrechen.“

Keine Helden, sondern Opfer

Mit der Botschaft des Volkstrauertages befasste sich auch Axel Saipa, Niedersächsischer Landesvorsitzender des Volksbundes. Dabei berichtete er, dass der 1919 gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach dem Ersten Weltkrieg mit jener „Heldenrhetorik“ begonnen habe, die schon in jener Zeit nicht gepasst habe. Denn die Millionen junger Menschen, die damals in die Gefechte geschickt worden seien, seien keine Helden, sondern „Opfer einer furchtbaren Kriegsführung“ – ganze Generationen seien verheizt worden.

Die Nationalsozialisten hätten aus dem Volkstrauertag dann zu Propagandazwecken den „Heldengedenktag“ gemacht, und damit „die Revanche für Versailles“ vorbereitet, führte Saipa weiter aus. Als der Volksbund die Arbeit 1952 wieder aufgenommen habe, habe dieser jene Heldenrhetorik aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg natürlich aufgeben müssen. Daher habe sich der Verein fortan auf das Gedenken der deutschen Kriegstoten beschränkt und eine Gedenkkultur mit der Aussage „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ entwickelt.

Aber erst im Jahr 2016 habe sich der Volksbund ein neues Leitbild gegeben, in dem der Zweite Weltkrieg klar als ein „Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands“ bezeichnet werde, so Sapia.

„Erinnerungskultur durchzusetzen und zu bewahren, ist ein mühsamer Prozess“, sagte Berend Burwitz, Kapitän zur See und Kommandeur des Landeskommandos Niedersachsen der Bundeswehr, in seiner Gedenkrede. Gehe eine Erinnerungskultur doch immer auch damit einher, sich einzugestehen, dass man Schuld auf sich geladen habe oder zumindest damit verstrickt sei.

Anfang bei Familie, Nachbarn und Straßenverkehr

Der Volkstrauertag sollte nicht nur ein Gedenken sein, sondern vor allem eine Mahnung, „Frieden, Recht und Freiheit“ zu wahren, appellierte Burwitz („Die Toten mahnen uns“). Und dies fange schon in der Familie, beim Umgang mit dem Nachbarn und im Straßenverkehr an.

Ferner betonte Burwitz, dass man militärische Streitkräfte nur als „äußerste Lösung“ einsetzen dürfe. Solchem Einsatz müsse dann jedoch eine politische Lösung folgen, da nur diese Frieden schaffen könne.

Diesen drei Ansprachen schloss sich ein Beitrag (Rezitation) von Schülern des Gymnasiums Adolfinum an, dem ein von deren Lehrer Volkmar Heuer-Strathmann verfasstes Skript zugrunde lag. So lasen die jungen Leute aus Feldpostbriefen deutscher Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpfen mussten, vor; ebenso aus damaligen Behördenschreiben, in denen Eltern etwa über den „Heldentod“ ihres Sohnes informiert wurden.

Für ihren beeindruckenden Vortrag wurden die Gymnasiasten von den Zuhörern in der Stadtkirche mit Applaus bedacht.

Das Totengedenken sprach Boris Pistorius, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport: „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker“, heißt es darin, wobei dies im Verlauf des bekannten Textes noch weiter ausgeführt wird. Das Totengedenken schließt mit der Aussage: „Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Kantorei der Stadtkirche. Nach der Gedenkstunde folgten Kranzniederlegungen.

Von Michael Werk