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Bückeburg Stadt Die schwerste Entscheidung meines Lebens
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17:03 31.08.2018
Im Jahr 2016 machte Dieter Ahrens ein unerwarteter Umsatzeinbruch im Photovoltaik-Bereich schwer zu schaffen. Dann ging es wieder bergauf.
Im Jahr 2016 machte Dieter Ahrens ein unerwarteter Umsatzeinbruch im Photovoltaik-Bereich schwer zu schaffen. Dann ging es wieder bergauf. Quelle: hb
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Bückeburg

Wenn Dieter Ahrens morgens auf sein Betriebsgelände an der Bückeburger Kreuzbreite fährt, ist er quasi immer in doppelter Mission unterwegs: einerseits als Inhaber von Ahrens Dachtechnik, andererseits als Geschäftsführer der Ahrens Solartechnik GmbH & Co. KG.

Die Auftragslage gibt den Ausschlag

Die beiden rechtlich getrennten Firmen sind in der Realität eng miteinander verzahnt und arbeiten in vielen Fällen Hand in Hand bei und für Kunden – und sind stark von deren Aufträgen abhängig. Im Gespräch mit den SN verrät Ahrens, wieso er genau deshalb im Jahr 2016 die schwierigste Entscheidung seines Lebens treffen musste. Außerdem blickt er zurück auf die beste Weichenstellung seines Berufslebens.

Als im Jahr 2012 die Einspeisevergütung für Solarstrom drastisch gesenkt wurde, habe ich das Schlimmste befürchtet. Schließlich war und ist die Installation von Photovoltaik-Anlagen ein wichtiges geschäftliches Standbein für uns.

Außerdem waren wir erst im Jahr zuvor – nach langer und reiflicher Überlegung – in unseren Neubau an die Bückeburger Kreuzbreite gezogen, wo wir insgesamt rund 1,2 Millionen Euro investiert haben, um einen Standort zu errichten, der von den Büros über die Warenanlieferung, das Lager und die Fertigung genau unseren Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht.

"Die Krise traf uns verzögert, unerwartet und mit voller Wucht"

Nach der aus meiner Sicht willkürlichen Kürzung der EEG-Vergütung ist der Markt in Deutschland auch wie erwartet dramatisch eingebrochen. Jedoch haben wir diese Krise zunächst ziemlich gut überstanden, da unsere Auftragsbücher sehr gut gefüllt waren und wir vermutlich auch von unserem hohen Bekanntheitsgrad in der Region profitiert haben. Weil die Nachfrage nach PV-Anlagen in Schaumburg und Umgebung stabil blieb, liefen auch die nächsten Jahre zufriedenstellend – bis 2016. In diesem Jahr hat uns die Auftragsdelle erwischt – mit Verzögerung, völlig unerwartet und mit voller Wucht.

Ich kann nach wie vor nicht erklären, warum die Zahl der PV-Aufträge bei uns so eingebrochen ist. Jedoch blieb mir infolge dessen keine andere Wahl als Personal zu entlassen. Ein solcher Schritt tut einem in der Seele weh und nimmt einen emotional mit. Aber um den Fortbestand der Firma zu sichern, konnte es 2016 keine andere Entscheidung geben, als sich von sechs unserer damals 40 Mitarbeiter zu trennen. Für die Betroffenen tat mir das wahnsinnig leid. Andererseits trage ich als Chef natürlich auch die Verantwortung für das gesamte Unternehmen und die übrigen Mitarbeiter.

Schon 2017 kann personell wieder aufgestockt werden

Glücklicherweise lief das Jahr 2017 dann wieder sehr gut, so dass wir personell schon wieder aufgestockt haben und aktuell 38 Mitarbeiter beschäftigen. Und wenn alles nach Plan läuft, werden wir nächstes Jahr genauso viele Leute beschäftigen wie 2015.“

Dass Dieter Ahrens nicht nur Inhaber eines Dachdeckerbetriebs ist, sondern auch Geschäftsführer eines Solartechnik-Unternehmen, „verdankt“ er übrigens einem spontanen Entschluss Anfang des Jahres 2000.

Damals hat mich ein Elektriker gefragt, ob ich gemeinsam mit ihm Photovoltaik-Anlagen bauen möchte. Bis dahin habe ich mich mit diesem Thema überhaupt nicht beschäftigt. Ich habe dann aber nach wenigen Tagen Bedenkzeit ‚ja‘ gesagt, weil ich der Ansicht war und bin, dass solche Anlagen von Dachdeckern installiert werden müssen.

Ich bin seinerzeit lediglich meinem grünen Gewissen gefolgt und hatte überhaupt keine Vorstellung davon, wie sich das Ganze entwickeln würde. Das war mir zu der Zeit aber auch völlig egal. Aber aus Sonnenenergie Strom erzeugen: Das fand ich spannend und faszinierend. Das mögliche wirtschaftliche Potenzial der Photovoltaik für mein eigenes Unternehmen war damals in keinster Weise zu erkennen. Mich dann voll und ganz auf dieses Thema einzulassen, war sicherlich die beste Entscheidung meines Berufslebens.“

von Holger Buhre