Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Stadt Dieter Ahrens will Technologie-Zentrum-Schaumburg Bückeburg (TZS) bauen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Dieter Ahrens will Technologie-Zentrum-Schaumburg Bückeburg (TZS) bauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 22.03.2019
In Sachen Fotovoltaik ist Dieter Ahrens mit seiner Firma Vorreiter im Landkreis und organisiert seit Jahren die Solartage. Jetzt setzt er noch einen drauf und baut mit dem Technologie-Zentrum-Schaumburg ein energieautarkes Bürogebäude für Gründer. Quelle: rc
Anzeige
Bückeburg

Der das sagt ist Dieter Ahrens, Chef der gleichnamigen Dachdeckerei und Solartechnik GmbH & Co KG sowie Kreishandwerksmeister.

Und er will Abhilfe schaffen. Für rund drei Millionen Euro wird er hinter seinem Firmensitz an der Bückeburger Kreuzbreite das Technologie-Zentrum-Schaumburg Bückeburg (TZS) bauen. Eine Bauvoranfrage ist auf dem Weg, Baubeginn für das Bürogebäude mit einer Grundfläche von 700 Quadratmetern und einer Bürofläche von 1130 Quadratmetern sowie einem Veranstaltungsraum für bis zu 100 Menschen wird im Herbst dieses Jahres sein, das Gebäude im Spätsommer 2020 fertig sein. Gebaut wird in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Wehmeyer aus dem Bückeburger Ortsteil Meinsen. Ahrens: „Ich bin froh, dass das Büro und insbesondere Erik Meyer diesen Weg mit mir geht.“

Anzeige

Neue Gebäude energieautark

Dieter Ahrens, dessen Firma nach eigenen Angaben rund 75 Prozent der Fotovoltaikanlagen im Landkreis Schaumburg auf die Dächer gebracht hat, wäre nicht der Vorreiter in Fotovoltaik, wenn das TZS in Zeiten von Klimawandel und regenerativer Energien nicht auf neueste Technologien setzt. Denn das Bürogebäude wird 100 Prozent energieautark sein. „Kein Strom, keine herkömmliche Heizung, kein Gasanschluss, nur Wasser, Kanalisation und Breitbandanschluss“, umreißt Ahrens seinen Plan: „So etwas gibt es deutschlandweit noch nicht.“ Und mit 100 Prozent meint er 100 Prozent, denn nach den derzeit geltenden Regeln kann ein Gebäude schon als energieautark bezeichnet werden, wenn es weniger als 50 Prozent externe Energie benötigt. Nach den noch vorläufigen Berechnungen wird das Objekt und die in ihm eingesetzte Technologie rund 180000 Kilowattstunden pro Jahr produzieren, verbrauchen werden es aber nur 80000 Kilowatt.

Kreuzbreite kann sich selbst versorgen

Der Überschuss, der immerhin die komplette Energieversorgung von 30 Einfamilienhäusern für ein Jahr sichern würde, soll dafür genutzt werden, um über eine Vernetzung zunächst angrenzende Gebäude wie seine Firma oder weiterer Betriebe im östlichen Bereich der Kreuzbreite mit Energie zu versorgen. Wenn alles so klappt, wie es Ahrens mit diversen Experten ausgetüftelt und berechnet hat, kann es eines Tages sein, dass sich das gesamte Gewerbegebiet Kreuzbreite nach dem Aufbau weiterer Fotovoltaik- und Speicheranlagen völlig unabhängig von anderen Energieversorgern selbst versorgen kann – und noch so viel Energie übrig bleibt, dass auch noch die Innenstadt mit bedient werden könnte. „Noch eine Vision“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung einräumt: „Aber in Zeiten des Klimawandels dringend erforderlich.“

Klimaschützer und Umweltdesigner

Das neue energieautarke Bürogebäude soll ein Anziehungspunkt für Start-ups werden, mit einer soliden Grundausstattung für Gründer und einem „Alles-vor-Ort“-Service auch für etablierte Unternehmen. Geplant ist ein Ort zwischen technikaffinen Klimaschützern und digitalen Umweltdesignern. Es wird keine Komforteinschränkungen geben, eine Harmonie zwischen neuester Technik und Gemütlichkeit soll entstehen. In Co-Working-Büros soll die Möglichkeit für enge Zusammenarbeit geschaffen werden: „Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen.“

Um die Energieautarkie zu erreichen, setzt Dieter Ahrens auf bereits vorhandene Technologien. Stichworte: Fotovoltaik auf Dach und an Fassade, Erdsonden, Brennstoffzelle, Wand-Bodenheizung, Lüftungsanlage, Haus- und Benutzersteuerung oder E-Mobilität- Ladesysteme. „Alles ist bereits vorhanden. Es muss nur entsprechend eingesetzt und vernetzt werden, Steuerungen vorhandener Programme optimiert werden.“ Das Speicherproblem will er mit Wasserstoffspeichern lösen: Die im Sommer von der Solaranlage erzeugte und nicht verbrauchte Energie wird darin gespeichert, um im Winter, wenn der Energiebedarf hoch, die Sonnenwirkung aber geringer ist, abgerufen und genutzt zu werden.

Fachhochschule Bielefeld will Projekt begleiten

Dass das alles klappt, hat Ahrens mit einer Reihe von Experten und Professoren abgeklopft. Sie hätten sich zu Beginn skeptisch gezeigt, sich dann aber überzeugen lassen – auch wenn natürlich noch einige Fragen offen geblieben sind. Auch die Fachhochschule Bielefeld mit ihrem Campus in Minden prüft die Möglichkeit, das Projekt zu begleiten, um entsprechende Projekterfahrung zu sammeln. Ahrens: „Alle Gesprächspartner haben mir eine Zusammenarbeit angeboten, da das Ziel eines energieautarken Bürogebäudes von allen als erreichbar eingestuft, jedoch noch nie umgesetzt wurde.“ Lediglich bei einem Gesprächspartner sei er auf taube Ohren gestoßen – dem zuständigen Bundesministerium, das voraussichtlich keine Fördergelder geben wird.

Derzeit ist Ahrens auf der Suche nach weiteren Partnern und Mietern, die übrigens keine Miete im herkömmlichen Sinne mit Kalt- und Warmmiete zahlen müssen, sondern eine Flatrate. Erste Interessenten gibt es. Finden sich keine Mitstreiter, wird der Kreishandwerksmeister das Projekt allein durchziehen. „Die Kostenhöhe ist mir egal“, wie er bei seinem Vortrag bei der Bückeburger Unternehmer-Matinee festgestellt hat. „Aber natürlich bin ich auch Kaufmann“, wie er betont. „Aber es rechnet sich.“

von Raimund Cremers