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Bückeburg Stadt Ehemaliger Vizepräsident des Bückeburger Landgerichtes im Interview
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Ehemaliger Vizepräsident des Bückeburger Landgerichtes im Interview
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00:25 28.06.2019
Von Bückeburg nach Hannover: Thorsten Garbe ist fünfeinhalb Jahre lang Vizepräsident des Landgerichtes gewesen.  Quelle: ly
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Bückeburg

Bis Ende Mai war Garbe, bis zu seinem Abschied zugleich Sprecher der Schaumburger Gerichte, zeitweise noch in Bückeburg eingesetzt, wo er unter anderem Zivil- und Strafverfahren bearbeitete. Zuletzt saß der promovierte Jurist auch einer Großen Strafkammer vor, einem Spruchkörper mit unbegrenzter Strafgewalt. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt der 53-Jährige zurück, nennt die Gründe für seinen Wechsel und wagt eine Prognose, ob Hannover 96 wieder in die Fußball-Bundesliga aufsteigt.

Herr Garbe, was hat Sie nach Hannover gezogen?
Fahrrad schlägt Bahn: Ich wohne in Hannover und kann mit dem Fahrrad in zehn Minuten zur Arbeit fahren, während ich in Bückeburg pro Strecke eine Stunde länger unterwegs war.

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Bedeutet der Wechsel an das deutlich größere Landgericht in der Landeshauptstadt auch einen Karrieresprung?
Ja, ich bin um eine halbe Besoldungsstufe aufgestiegen.

Was sind Ihre Aufgaben in Hannover?
Wie in Bückeburg: Rechtsprechung und Verwaltung. Ich habe eine Kleine Strafkammer und bin in Verwaltungssachen unter anderem für Referendare, Dolmetscher und Schadensersatzangelegenheiten gegen das Land zuständig.

Mit welchen Gefühlen haben Sie Ihren Schreibtisch an der Herminenstraße aufgeräumt?
Mit leichter Wehmut. Ich war sehr gern in Bückeburg und habe mich dort sehr wohlgefühlt. Auf der anderen Seite freue ich mich auf die neue Herausforderung.

Wer wird in Bückeburg Ihr Nachfolger?
Wenn ich das wüsste. Es wird aber bestimmt eine sehr kompetente Persönlichkeit.

Was unterscheidet Bückeburg, den kleinsten Standort in ganz Niedersachsen, von anderen Landgerichten?
An einem so kleinen Gericht sind Qualitäten als Allrounder gefragt, weil alle Mitarbeitenden in verschiedenen Rechtsbereichen tätig werden müssen. Dies ist herausfordernd und oftmals anstrengend, schafft unter den Beschäftigten aber auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Welche Fälle werden Ihnen aus der Bückeburger Zeit besonders in Erinnerung bleiben und warum?
Im Strafrecht erinnere ich mich gern an meine erste Verhandlung, in der es um die Entführung eines Hundes ging. Der frühere Besitzer des Tieres hatte den Hund neben sich herlaufen lassen und gab ihn dann nicht wieder heraus. Gern zurück denke ich auch an die Verhandlung, in der der Dirigent des niedersächsischen Polizeiorchesters und Rechtsanwalt Ralf Jordan auf einem Flügelhorn vorspielten, um die Beweisfrage der Qualität des Horns zu klären.

Dies sind zwei eher amüsante Fälle. Welche Verfahren sind Ihnen nahe gegangen?
Am bedrückendsten war es, sich das Handyvideo ansehen zu müssen, mit dem der Vater eines kleinen Mädchens dessen Vergewaltigung aufgezeichnet hat.
Und die Zivilsachen?

Im Zivilrecht freuten mich immer am meisten die Verhandlungen, in denen die Parteien zu einer gütlichen Einigung gekommen sind. Hervorzuheben sind dabei die Fälle, in denen sich beide Seiten darauf einigten, dass der Beklagte kein Geld an den Kläger zahlt, sondern stattdessen einen Betrag an eine gemeinnützige Organisation spendet.

Sie sind Fan von Hannover 96. Klappt es mit dem Wiederaufstieg?
Ja. Aber fragen Sie nicht, wann . . .

Interview Stefan Lyrath