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Bückeburg Stadt Ein Mann sieht ständig rot
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19:51 18.06.2018
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Bückeburg

Staatsanwalt Timo Goldmann sieht in dem Angeklagten „eine tickende Zeitbombe“. Richter Dirk von Behren hält ihn für „aufbrausend, jähzornig und unbeherrscht“. Elfmal ist der Bückeburger allein wegen Körperverletzung vorbestraft, wobei es meistens gleich um mehrere Fälle ging. Insgesamt gehen 33 Vorstrafen auf das Konto des 48-Jährigen, der zudem mehrere Jahre Knasterfahrung mitbringt.

Im Oktober 2017 hat er wieder zugeschlagen. Weil ein Pärchen ihm beim Gassi-Gehen mit Hunden nicht aus dem Weg gehen wollte, brach der Bückeburger dem Mann mit einem Fausthieb das Nasenbein. In einem Prozess um vorsätzliche Körperverletzung hat das Amtsgericht gegen den Schläger jetzt sieben Monate Haft verhängt. Dem Opfer muss er 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Falls das Urteil rechtskräftig wird, bleibt es dabei voraussichtlich nicht. Vielmehr droht dem Wiederholungstäter dann in drei weiteren Fällen der Widerruf offener Bewährungen. Das wären elf Monate Haft zusätzlich. Verteidiger Michael Einars hatte Freispruch beantragt. Im Plädoyer erklärte er, dass sein Mandant damals in Notwehr gehandelt habe.

Der Tathergang:

Als der 48-Jährige an jenem Mittwochnachmittag in einem Bückeburger Ortsteil seine wohl recht aggressiven Hunde ausführte, kam ihm ein Paar entgegen, das ebenfalls einen Vierbeiner an der Leine führte, allerdings mindestens eine Nummer kleiner. Schon von Weitem hatte er den beiden nach deren Erinnerung zugerufen: „Das ist doch jetzt nicht Euer Ernst.“ Dann forderte er das Paar auf, sie sollten sich „auf die andere Straßenseite verpissen“. Die Frau soll er gefragt haben: „Was bist Du eigentlich für eine Bitch?“

Als deren Freund einschritt, baute sich der Schläger vor diesem auf, spuckte den 34-Jährigen an und verpasste ihm anschließend mehrere Schläge ins Gesicht. Die Opfer ließen durchblicken, dass sie Anzeige erstatten wollen. „Als er das Wort Polizei hörte, rannte er weg“, berichtet die Frau: „Es war gruselig.“ Wohl wahr. „Als normaler Bürger möchte man Ihnen in der falschen Situation nicht begegnen“, so Richter von Behren an die Adresse des 48-Jährigen.

Der Angeklagte erzählt die Geschichte vollkommen anders. Er will das Paar lediglich zum Weitergehen aufgefordert und sich dann nur verteidigt haben. „Der Mann fragte, was ich zu der Frau gesagt habe, griff mich gleich an und verpasste mir zwei“, behauptet er und fügt hinzu: „Natürlich habe ich zurückgeschlagen.“ Danach will er mit der einen Hand die Hunde gehalten, mit der anderen seinen Widersacher in den Schwitzkasten genommen haben. Im Prozess glaubte Richter von Behren jedoch den Eheleuten. Deren Aussagen seien „glaubhaft und schlüssig“.

Ähnliche Erfahrungen wie das Paar haben zuvor schon andere Opfer gemacht. Einmal hatte der Bückeburger auf offener Straße einen Müllmann geohrfeigt, weil es ihm nicht passte, dass der Mann und ein Kollege dort die gelben Säcke kontrollierten. In einem weiteren Fall aus Bad Eilsen bedrohte er zunächst einen Rentner, weil der ältere Mann ihm zu langsam Auto gefahren war, bevor er dessen Sohn einen Faustschlag gegen die Schläfe verpasste.

Noch während der Urteilsbegründung im jüngsten Prozess zeigte der Angeklagte, wie unbeherrscht er sein kann. „Das geht mir so am Arsch vorbei“, meinte er und blickte die Zeugen, die gegen ihn ausgesagt hatten, im nächsten Moment herausfordernd an. ly