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Bückeburg Stadt Feudale Nobelherberge vor 120 Jahren gebaut
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Feudale Nobelherberge vor 120 Jahren gebaut
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21:35 23.08.2018
„Ein Haus allerersten Ranges“ – genau diesen Stellenwert sollte das 1898 fertiggestellte Bahnhofshotel haben.
„Ein Haus allerersten Ranges“ – genau diesen Stellenwert sollte das 1898 fertiggestellte Bahnhofshotel haben.
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Bückeburg

„Einem verehrten Publikum in Bückeburg und Umgegend zeige ich hiermit ergebenst an, dass ich den Betrieb des neu erbauten und mit allen der Neuzeit entsprechenden Einrichtungen versehenen Bahnhofshotels, verbunden mit feinem Restaurant und Kellerwirthschaft, übernehme.“ Das gab am Tage vor der Neueröffnung im Mai 1898, also vor ziemlich genau 120 Jahren, der Hotelier Friedrich Grimm in der Landes-Zeitung bekannt. „Es wird mein Bestreben sein, durch reelste Bedienung und allerbeste Speisen und Getränke mir das Wohlwollen meiner verehrten Gäste zu erwerben und dauernd zu erhalten.“ Grimm vergaß nicht zu erwähnen, dass er zuvor lange Zeit Geschäftsführer „rühmlichst bekannter Restaurants in Bad Pyrmont“ gewesen sei.

Investor und Bauherr des Komplexes war ein Maurer- und Zimmermeister namens Heinrich Vaders aus Magdeburg. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Der viergeschossige, genau gegenüber dem 50 Jahre zuvor eingeweihten Bahnhof hochgezogene Neorenaissance-Bau hatte großstädtisches Gepräge.

So sah die Anzeige zur Geschäftseröffnung aus.

Die Ecksituation war durch großzügige Seitenflügel beiderseits des repräsentativen Eingangs überzeugend gelöst. Die streng gegliederten Fensterfronten wurden durch Verdachungen und Kapitelle aufgelockert. Auf dem Dach oberhalb des mit dorischen Säulen geschmückten Portals prangte eine Zierbrüstung mit aufgesetzten Obelisken. In Richtung Bahnhof war eine balkonartige Terrasse vorgelagert. „An schönen Sommertagen und noch mehr am Abende muß es dort im Anblick des belaubten Platzes idyllisch sein“, schwärmte das Lokalblatt damals. Für die Laufkundschaft gab es zur Bahnhofsstraße hin einen Bahnhofskeller.

Auch innen wurde der Neubau seinem Anspruch als ein „Haus allerersten Ranges“ und „Treffpunkt der großen Welt“ gerecht. Über ein mit Säulen, Mosaikfußböden sowie Glas- und Wandmalereien dekoriertes Treppenhaus gelangte man in die großzügigen Restaurationsräume und Gästezimmer. Sie waren mit moderner Installationstechnik, darunter Zentralheizung und fließend warmes und kaltes Wasser, ausgestattet.

Frommer Wunsch

Die Bückeburger zeigten sich, mit Ausnahme der ortsansässigen Konkurrenz, zufrieden bis beglückt. „Der in Cementputz gehaltene Bau, so unmittelbar beim Bahnhofe, beim Eingang in die Stadt repräsentiert sich schon äußerlich als eine recht vortheilhafte Verschönerung unserer Residenz“, lobte die örtliche Presse. „Möge sein innerer Betrieb sich auch für seine Inhaber und für das besuchende Publikum vorteilhaft erweisen.“

Doch das blieb nur ein frommer Wunsch. Schon 15 Jahre später, mit Beginn des Ersten Weltkrieges, ging es zunehmend bergab. Für das endgültige Aus sorgte der wirtschaftliche Niedergang zu Beginn der Weimarer Republik. Die feudalen Gäste der Fürstenzeit kamen nicht mehr. Überleben konnte nur der Bahnhofskeller. Er war – sehr zur Freude vieler heimischer Bahnfahrer – noch bis 1984 in Betrieb. Zuvor hatte das Haus mehrmals den Besitzer gewechselt. Bereits um die Jahrhundertwende ist als neuer Eigentümer ein Hotelier Heinrich Jordan nachgewiesen.

Erstrahlt in früherem Glanz

Ab 1924 zogen vor allem Staatsdiener in das Ex-Hotel ein. Neben Regierungskasse sowie Straßenbau- und Wasserwirtschaftsamt hatten auch Schulrat und Kreisveterinärarzt ihre Schreibtische in dem weitläufigen Haus. Treueste und letzte Untermieter waren Staatshochbau- und Katasteramt. Seit Verlegung der Landvermesser nach Rinteln ist nur noch eine Nebenstelle des in „Staatliches Baumanagement“ umgetauften Ex-Hochbauamtes übrig geblieben.

1956 kaufte das Land Niedersachsen den Gebäudekomplex und ließ ihn behördengerecht auf Vordermann bringen. Einige der dabei an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude angerichteten Schäden sind mittlerweile wieder beseitigt. Ein Teil der Stuckarbeiten wurde erneuert, Säulen wurden freigelegt und die auf den Dachboden entsorgten Originaltüren wieder eingebaut. Auch der Mosaiksteinboden und die stattliche Eichentreppe erstrahlen in früherem Glanz. Das Haus vermittelt wieder einen Eindruck von dem herrschaftlichen Flair, das einstmals das Leben in dem Grandhotel Bückeburgs bestimmte. gp