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Bückeburg Stadt Frauen reden anders, Männer aber auch
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Frauen reden anders, Männer aber auch
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22:49 21.03.2019
Beate Josten, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, referiert über die sprachlichen Unterschiede von Mann und Frau.
Beate Josten, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, referiert über die sprachlichen Unterschiede von Mann und Frau. Quelle: hil
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Bückeburg

Knapp 60 Landfrauen fanden sich im Achumer Meyerhof ein, um sich bei Kaffee und Kuchen von Beate Josten aus Obernkirchen Antworten zu diesem Thema zu holen. Die Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin referierte witzig, locker und informativ. Durch ihre Ausbildung zur Mezzosopranistin und die Arbeit als Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin weiß Josten viele Dinge über das menschliche Sprachorgan, die unterschiedlichen Stimmen und den sprachlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. So bemerkte sie gleich zu Beginn ihres Vortrags, dass vom medizinischen Standpunkt aus gesehen die Stimmbänder von Mann und Frau durch nichts zu unterscheiden seien. So spreche eine Frau nicht automatisch in hohen Flötentönen oder ein Mann mit dem Timbre vom „Malboro-Man“.

Niemand kann das Gebrabbel von Babys in typisch weiblich oder typisch männlich einordnen. In der Sprache gelten gleiche Voraussetzungen für alle. Erst durch das Umfeld, die soziale Schicht und den kulturellen Hintergrund entwickeln sich die für uns typischen Sprachmerkmale und Eigenheiten. Theoretisch könnte sogar jeder ein Opernsänger werden. Das notwendige Sprachorgan dazu sei vorhanden.

Sprache als Waffe

Spannend wird es, wenn Mann und Frau ihre Sprache als „Waffe“ einsetzen, so Josten. In der Politik sei es unvorteilhaft, seine Standpunkte mit einer weichen säuselnden Stimme vorzubringen. Exakt, auf den Punkt gebracht, mit Nachdruck und Bestimmtheit im Ton sowie in einer gewissen Lautstärke klingt ein Debattenbeitrag wie ein bereits existierendes Gesetz. Wer als Frau Führungspositionen anstrebt, sei daher gut beraten, sich den Ton der Männerwelt anzueignen. Eine warme, weiche Stimme im Vorstandsvorsitz hat selten eine Chance. Andersherum sei der Mann schlecht beraten, wenn er als Sozialpädagoge oder Paartherapeut mit einer Stimme spricht, als käme sie direkt aus dem Maschinengewehr.

Für viele Frauen sei es typisch, so Josten, dass sie ihre eigene Meinung dadurch abschwächen, indem sie viel lächeln oder ihre Wünsche als Frage formulieren. In Gesprächen legen sie meist wenig Dominanz an den Tag und nehmen selten eine Wettbewerbshaltung beim Durchbringen ihrer eigenen Meinungen und Ansichten ein. Nur allzu oft fordern sie das Gegenüber dazu auf, aktiv am Gespräch teilzunehmen, während Männer sich in der Regel sehr gerne selber hören.

Lösung suchen oder nur mal reden?

Männer neigen dazu, ihre Äußerungen sehr sicher zu verkünden, sodass andere diesem Statement schneller Glauben schenken. Außerdem sehen sie Gespräche eher unter Wettbewerbsgesichtspunkten. Männer kommunizieren eher lösungsorientiert. Sie wollen ein Ergebnis haben. Frauen hingegen wollen häufig einfach nur mal reden, um sich und die andere Person zu verstehen.

Bei Torte und reichlich Kaffee war dies ein informativer Nachmittag für die Landfrauen, die nun wissen: Werte, Normen und Erziehung in der menschlichen Entwicklung entscheiden, welche Sprache wir sprechen. Unser Verhalten in der Kommunikation ist rollenbedingt und nicht geschlechtsbedingt – und Männer wie Frauen sind gut beraten, gegenseitig voneinander zu lernen.

Von Anja Hillmann