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Bückeburg Stadt Herzergreifende Begegnung
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18:32 28.03.2019
Beth Wilson (links) und Alina Theine vor der BBS in Bückeburg.
Beth Wilson (links) und Alina Theine vor der BBS in Bückeburg. Quelle: tol
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Bückeburg

Über ein Jahr haben Alina und Beth ihrer ersten Begegnung entgegen gefiebert. Nach einer Zeit des E-Mail-Hin-und-her-Schreibens fielen sich die Frauen vergangene Woche auf dem Bahnsteig in Köln endlich weinend um den Hals. Nicht ohne Grund war dieser Moment für beide herzergreifend: Die Bückeburgerin Alina Theine hatte Beth Wilson aus Atlanta (USA) mit ihrer Knochenmarkspende das Leben gerettet. Die genetischen Zwillinge standen sich nun zum ersten Mal gegenüber.

Beide verbrachten einige Tage zusammen, mit Alinas Familie, ihrem Freund und Beths Ehemann Robert. Er hatte das Treffen überhaupt erst möglich gemacht, indem er seiner Frau zum Geburtstag die Flugtickets nach Deutschland schenkte.

Beth und Robert begleiteten Alina auch in die Schule. Die gelernte Zahnmedizinische Assistentin besucht derzeit die Berufsfachschule Sozialassistenz in Bückeburg der BBS Rinteln. Die drei schilderten vergangene Woche in verschiedenen Englischkursen der BBS ihre Erlebnisse, Erfahrungen und ihr Wissen rund um die Erkrankung an Blutkrebs und die unglaubliche Heilung von Beth Wilson.

Ihre gemeinsame Geschichte begann am 19. Juli 2015. Damals fasste sich Alina ein Herz und ließ sich – mit ihr auch 2203 andere Schaumburger – in der Sporthalle Todenmann typisieren und somit bei der Deutschen Knochenmarkspender (DKMS)-Datei registrieren.

Bereits wenige Monate später, im Oktober, bekam die heute 24-Jährige Post: Sie komme eventuell als Spenderin infrage. Freude und Ungewissheit zugleich – bei Alina siegte die Freude, einem anderen Menschen die Chance auf ein zweites Leben zu geben. Noch im Dezember folgten Voruntersuchungen.
Schließlich erfolgte ihre Knochenmarkspende im Januar 2016 in Köln. „Ich wusste von Anfang an, dass die Entnahme aus dem Beckenknochen sein würde“, erinnert sich Alina. „Angst hatte ich aber damals nur vor der Narkose.“ Diese nahmen ihr die Ärzte und Krankenschwestern, das Umsorgen und die Betreuung waren bestens.

Von der DKMS erfuhr sie anschließend nur, dass ihre Stammzellen für eine 33-jährige Amerikanerin waren. Für Alina ein überwältigendes Gefühl, „zu wissen, dass ich einen genetischen Zwilling am anderen Ende der Welt habe.“ Erst nach Ablauf einer Frist von zwei Jahren können Spender und Empfänger in Kontakt treten, wenn sie es wünschen.

Beth und Alina wollten es beide. „Thank you for saving my life“, lautete das Betreff der ersten Mail von Beth. Sie bedankte sich, dass Alina so selbstlos war, Risiken der Operation auf sich nah, um ihr zu helfen und das Leben zu retten. Die Amerikanerin hatte zwar bereits einmal Krebs besiegt. Doch danach wurde bei ihr Leukämie festgestellt, die sie dank der Stammzellenspende auch überwinden konnte.

Blutgruppe wechselt von A+ zu 0+

Schon zwei Wochen nach der intravenösen Übertragung zeichneten sich Erfolge ab. Beths Blutgruppe wechselte von A+ zu 0+ von Alina. Sogar ihre DNA von Haut, Haaren, Speichel und Fingernägeln ist jetzt identisch.

Über ein Jahr stehen beide nun im Mailkontakt. Eine große Überraschung war ein Video zu Beths Geburtstag, Alina gratulierte ihr und durfte die freudige Nachricht überbringen, dass Robert Flugtickets für ihr Zusammentreffen im März habe.

Ihre Geschichte haben beide bereits häufig erzählt. Sie appellieren jedes Mal, an alle im Alter zwischen 18 und 55 Jahren sich bei der DKMS registrieren zu lassen.

Nur so erhöht sich die Chance, dass für Erkrankte ein lebensrettender Spender gefunden werden kann. In Deutschland werden die meisten Kosten für eine Typisierung durch Geldspenden finanziert.

www.DKMS.de