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Bückeburg Stadt Historisches Kutschhaus in Bückeburg muss Fachärztezentrum weichen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Historisches Kutschhaus in Bückeburg muss Fachärztezentrum weichen
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20:01 03.04.2019
Viel Staub wirbelt auf – Sascha Borowski reißt mit seinem Bagger routiniert das alte Fachwerkhaus ab. Quelle: leo
Bückeburg

Krachend fallen Backsteine und Holzbalken zu Boden, Staub wirbelt auf, hüllt die Baustelle ein. Stück für Stück frisst sich der Greifer des 16-Tonnen-Baggers tiefer in das historische Pferde- und Kutschhaus an der Ernst-Kestner-Straße, das 1811 erbaut worden ist. Sascha Borowski, Inhaber des gleichnamigen Abbruchunternehmens, steuert seinen Kettenbagger mit zwei Joysticks und viel Gefühl in den Fingerspitzen.

Borowski schafft mit seinem Bagger Platz für ein ehrgeiziges Projekt in Bückeburg. Der Rintelner Arzt Dr. Murat Bastürk will zwischen Schulstraße und der Parkpalette, wo derzeit das Fachwerkgebäude abgerissen wird, ein Fachärztezentrum bauen. Die Villa neben dem Kutschhaus soll ebenfalls für Praxen genutzt werden, erklärt Bastürk im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Fünf Fachärzte werden einmal in diesem ambulanten Zentrum ihre Praxen haben“, erklärt Bastürk, der Teilhaber an dem Bauvorhaben ist. Das ehemalige Kutschhaus, das von der Ernst-Kestner-Straße bis zur Schulstraße reicht, wird komplett abgerissen. Bastürk will auf dieser Fläche ein neues Gebäude errichten. Im Erdgeschoss soll eine Apotheke Platz finden. „In die Etage darüber wird später einmal eine Praxis einziehen“, erklärt Bastürk.

Weitere Praxen für Fachärzte

Die Villa neben dem Abrisshaus wird derzeit gerade renoviert. Hier sollen die weiteren Praxen der Fachärzte entstehen. Der Gastroenterologe Bastürk, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Jörg Redeker bereits in Rinteln eine Praxis führt, will in dem Ärztezentrum eine Zweigpraxis eröffnen. „Zudem wird es eine Onkologie-Praxis geben“, verrät Bastürk.

Die weiteren drei Fachrichtungen würden derzeit noch nicht feststehen. „Wir schließen mit dem Ärztezentrum eine Lücke in Bückeburg. Seitdem das Krankenhaus weg ist, gibt es einen Fachärztemangel“, sagt Bastürk. Patienten müssten lange Wege nach Hannover oder Minden in Kauf nehmen, um sich ambulant behandeln zu lassen. „Wir wollen das ändern. Das Fachärztezentrum ist eine Bereicherung für Bückeburg“, meint der Arzt. Anfang April soll der Neubau beginnen.

Abbruchunternehmer Sascha Borowski muss dafür jedoch zunächst das alte Haus verschwinden lassen. Das sei nicht ganz einfach, sagte er. Das Gebäude reicht nämlich dicht an die Ernst-Kestner-Straße heran. „Wenn man nicht aufpasst, können Teile der Giebelwand beim Abriss auf die Straße fallen und Autos oder Fußgänger treffen“, sagt Borowski.

Mehr als 300 Tonnen Bauschutt

Der Experte arbeitet routiniert und geht behutsam vor. Eine Fahrspur hat der Spezialist für den Abriss sperren lassen. Für den Profi ist der Auftrag dennoch Routine. Seit Jahren steuert der 32-Jährige tonnenschwere Abbruchbagger. Vom Einfamilienhaus bis zu riesigen Türmen – Borowski hat schon fast alles zu Fall gebracht.

Vorsichtig schließt Borowski den Greifer und reißt eine Zimmerdecke herunter. Der Bagger verschwindet kurz im Staub. Kollege Kevin Hollin spritzt mit einem Schlauch Wasser auf die Ruine und versucht, auf diese Weise die Staubbildung einzudämmen. Mehr als 300 Tonnen Bauschutt werde er mit Lastwagen abfahren lassen, schätzt Borowski. leo