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Bückeburg Stadt Hybrid- statt Kunstrasen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Hybrid- statt Kunstrasen
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22:58 30.08.2019
Mehr einem Acker denn einem Sportplatz gleicht seit Jahren der B-Platz des Sportzentrums Evesen. Statt eines Kunstrasens soll nun ein Hybridrasen für die ganzjährige Bespielbarkeit sorgen. Quelle: leo
Bückeburg

Einen entsprechenden Beschluss hat der Verwaltungsausschuss auf seiner jüngsten Sitzung gefasst. Schnellstmöglich soll jetzt noch ein Antrag an den Landessportbund gestellt werden, um einen Zuschuss von 30 Prozent zu erhalten.

Hintergrund des Umschwenkens ist zum einen die in jüngster Zeit aufgeflammte Diskussion um die Umweltschädlichkeit der in Kunstrasenplätzen verwendeten Mikroplastikpartikel, zum anderen aber auch die Kosten, wie Bürgermeister Reiner Brombach auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. Der Kunstrasenplatz hätte nach den bisherigen Kalkulationen um die 800000 Euro gekostet. Beim Hybridrasen hofft die Stadt, mit circa 400000 Euro auszukommen.

Die Diskussion im Rat hatte die Grünen-Fraktion im Juni angefacht, als sie sich in einem Antrag dafür aussprachen, wegen der Umweltbelastungen durch das verwendete Granulat – in der Regel Gummigranulat auf Altreifenbasis – auf den Bau von Kunstrasenplätzen in Bückeburg zu verzichten und stattdessen die Naturrasenplätze der Stadt aufzupeppen. Bei circa 3000 Kunstrasenplätzen würden jährlich rund 11000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt gelangen, zitierte Grünen-Fraktionssprecherin Cornelia Laasch das Fraunhofer-Institut. Kunstrasen sei damit die fünftgrößte Eintragsquelle für Mikroplastik in Deutschland. Zudem belege eine amerikanische Studie ein erhöhtes Krebsrisiko für Sportler, die des Öfteren mit dem Granulat in Kontakt kommen, zum Beispiel Torhüter. Ausreichend Sportmöglichkeiten in Bückeburg seien ihnen wichtig, hatten die Grünen betont und auf die knappen finanziellen Mittel der Stadt verwiesen.

800000 Euro sind in den Haushalt 2019 eingestellt

Argumente, denen der Verwaltungsausschuss – auch nach einem Ortstermin mit der Besichtigung eines Hybridplatzes in Bielefeld – jetzt zumindest teilweise folgte, indem sich die Ratsherren für den Hybridrasen aussprachen. Zumal sich abzeichnet, dass die Stadt auch beim zweiten Versuch, Geld für einen Kunstrasen zu beantragen, keinen Zuschuss aus dem sogenannten „ZILE-Programm“ des Landes erhalten wird, mit denen der ländliche Raum gefördert werden soll (wir berichteten). Es habe entsprechende Hinweise aus Hannover gegeben, so der Bürgermeister. Bei der Bezuschussung aus dem Programm – immerhin 500000 Euro wären geflossen – hätte die Stadt „glaubwürdig nachweisen müssen“, dass der Kunstrasenplatz der sozialen Entwicklung des Ortes dient. Daran hatte es bereits im ersten Antrag gehapert, wie das zuständige Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser in seinem damaligen Ablehnungsbescheid ausgeführt hatte. Anhand eines Bewertungsbogens hatte die Stadt nur 30 Punkte für die Neuschaffung dieser Einrichtung erhalten. Ein Hinweis des Amtes damals: Der letzte geförderte Antrag konnte eine Punktzahl von 105 vorweisen. Die übrigen Komponenten wie beispielsweise eine multifunktionale Nutzung konnten nicht anerkannt werden, da fast ausschließlich Mannschaften des VfR Evesen auf dem B-Platz trainieren und nur in sehr kleinen Teilen der TVE Röcke.

Die für einen Kunstrasenplatz benötigen Mittel von 800000 Euro sind in den Haushalt 2019 eingestellt, das Projekt hätte also umgesetzt werden können. Durch das Umschwenken zeichnet sich nun ab, dass der Hybridrasenplatz erst 2020 kommt, wie der Bürgermeister sagte. Bei den anstehenden Haushaltsberatungen müsse entschieden werden, ob das Geld übertragen oder ein neuer Posten eingestellt werde. Bis zum 15. September muss und will die Stadt einen Antrag an den Landessportbund stellen. Dieser bezuschusst den Bau von Hybridplätzen mit 30 Prozent. rc