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Bückeburg Stadt Kirchengemeinde richtet Tierfriedhof an Friedrich-Bach-Straße ein
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Kirchengemeinde richtet Tierfriedhof an Friedrich-Bach-Straße ein
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20:29 26.02.2019
Pastor Thomas Krage hat die Idee zu Schaumburgs erstem Tierfriedhof gehabt. Seit diesem Jahr ist er eröffnet.Fotos: leo
Pastor Thomas Krage hat die Idee zu Schaumburgs erstem Tierfriedhof gehabt. Seit diesem Jahr ist er eröffnet. Quelle: leo
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Bückeburg

Der Tierfriedhof der evangelisch-reformierten Kirche in Bückeburg liegt direkt neben dem Friedhof für Menschen. „Es ist selten, dass sich eine Kirchengemeinde einen Tierfriedhof einrichtet“, sagt Pastor Krage. Vor wenigen Wochen ist der in Schaumburg einzigartige Tierfriedhof in Bückeburg eröffnet worden.

Das Interesse an Grabstellen für Vierbeiner ist groß. Krage hat bereits viele Anfragen von Haustierhaltern bekommen, die an einem Grab für ihr Tier interessiert sind. Noch ist der Tierfriedhof eine unscheinbare grüne Rasenfläche im nordwestlichen Teil des Friedhofes „Am Schlossbach“. „Aber das wird sich schon bald ändern“, ist sich der Pastor sicher.

Friedhof sehr wichtig

Am Tor vor dem Friedhof hat er bereits ein weißes Schild angebracht. Es weist auf den besonderen Gottesacker hin. Der Friedhof sei sehr wichtig, erklärt Krage. „Schließlich ist ein Tier genauso wie der Mensch von Gott erschaffen worden. Auch Tieren steht also eine gewisse Würde zu.“ Die Massentierhaltung und die Entsorgung von Tieren seien erschreckende Beispiele von Würdelosigkeit und Kommerz. „Ich finde es schrecklich, wenn Tiere entsorgt werden“, sagt Krage.

Es gehe jedoch nicht nur um das Tier selbst. Auch für die Menschen sei so ein spezieller Friedhof wichtig. „Haustiere sind oftmals über viele Jahre zu treuen Begleitern geworden – sie gehören zur Familie einfach dazu. Wenn das Tier stirbt, entsteht eine schmerzhafte Lücke.“ Für alleinlebende Menschen sei der Verlust besonders schlimm. „Die haben dann niemanden mehr“, sagt Krage. Heutzutage hätten viele Menschen auch keinen eigenen Garten, wo sie ihr Haustier begraben können. „Und einfach entsorgen, das hinterlässt doch ungute Gefühle. Auf dem Tierfriedhof können die Menschen um ihre Haustiere trauern“, sagt der Pastor.

Extra Mitarbeiter

Für den Tierfriedhof hat die Kirche extra einen Mitarbeiter angestellt. Er kümmert sich um den Transport von toten Tieren zum Friedhof, hebt die Gräber aus, verfüllt sie wieder und pflegt sie. Auch hat die Kirche einen Aufbahrungsraum für die toten Haustiere eingerichtet. „Dort besteht auch die Möglichkeit, eine Kühleinrichtung zu benutzen“, sagt Krage. Die Beerdigung wird von einem Mitarbeiter der Kirche durchgeführt. Das Tier wird in einem Jutetuch begraben – der Stoff ist biologisch abbaubar. Auf Wunsch kommt Pastor Krage zur Beerdigung und spendet den Tierhaltern tröstende Worte und leistet Hilfe.

Auch wenn man bisher noch nicht erkennen kann, dass es sich bei der freien Rasenfläche um einen Tierfriedhof handelt, hat Pastor Krage schon genaue Pläne, wo welche Tiere begraben werden. Ganz vorn in der Nähe der Mauer sollen große Hunde, in der Mitte kleinere Tiere und vor einer Hecke Katzen begraben werden. Die exakten Grabflächen werden noch mit Holzpflöcken abgesteckt. „Haustierhalter haben außerdem die Möglichkeit, einen Grabstein oder ein Schild mit dem Namen des verstorbenen Tieres in den Boden einzulassen“, erzählt der Pastor. Mehr sei nicht möglich. „Die Grabstelle soll möglichst schlicht gehalten und ebenerdig sein, damit wir problemlos den Rasen mähen können“, sagt Krage. Wichtig ist dem Theologen auch, dass jeder die Möglichkeit hat, sein Tier bestatten zu lassen – egal, ob man nun eine Beziehung zur Kirche hat oder nicht.

Kritische Stimmen

Obwohl der Tierfriedhof von der normalen Ruhestätte abgegrenzt und durch einen separaten Eingang zu erreichen ist, habe es auch einige wenige kritische Stimmen gegeben. „Zwei Menschen aus der Gemeinde standen dem Projekt anfangs kritisch gegenüber. Aber seit ich ihnen die Hintergründe der Idee erklärt habe, denken sie anders über den Tierfriedhof“, erzählt Krage. Sonst sei der außergewöhnliche Tierfriedhof aber durchweg auf positive Resonanz gestoßen, freut sich der Pastor.

VON LEONHARD BEHMANN