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Bückeburg Stadt Kontakte seit dem Schulabschluss
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Kontakte seit dem Schulabschluss
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14:43 26.03.2019
Die Ehemaligen posieren im Palais mit dem früheren Blindow-Geschäftsführer Siegfried Groth (Vierter von links) für ein Foto. Quelle: jp
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Bückeburg

Erlernt hatten sie den Beruf des Chemielaboranten, ein Berufsbild, das es in dieser Form heute schon lange nicht mehr gibt. „Wir waren einer der letzten Jahrgänge, die in diesem Beruf ausgebildet wurden“, erinnert sich Lothar Rätzke, damals so etwas wie der Klassensprecher der angehenden Chemotechniker, im Gespräch mit dieser Zeitung. 13 Jungen und vier Mädchen bildeten damals die Ausbildungsklasse, die 1976 mit dem Abschluss des Chemotechnikers das Blindow-Palais verließ. Neun von ihnen konnten jetzt von Siegfried Groth – damals bereits Dozent, danach lange Jahre Geschäftsführer und heute Berater der Dr.-Kurt-Blindow-Schule – im Palais begrüßt werden.

Auch in vielerlei anderer Hinsicht haben sich die Verhältnisse rund um die Ausbildung an der Bückeburger Privatschule verändert. Das Schulgeld war damals noch wesentlich höher, da das Unternehmen erst Mitte der 1980er Jahre in den Genuss öffentlicher Fördermittel kam und daraufhin in der Lage war, die Höhe des Schulgeldes zu senken.

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Arbeitsamt übernahm die Kosten

Bezahlen mussten es die damaligen angehenden Chemotechniker jedoch nicht. Rätzke: „Wir hatten das große Glück, dass wir so etwas wie eine Versuchsgeneration des damaligen Arbeitsförderungsgesetzes waren.“ Das bedeutete: Für sie übernahm das Arbeitsamt nicht nur das Schulgeld, sondern finanzierte auch Unterkunft und Verpflegung in Bückeburg. Auch Schulwohnheime wie heute gab es damals in Bückeburg nicht: „Ich wohnte damals in Minden, die meisten anderen irgendwo privat zur Untermiete in Bückeburg.“

Besonders „berüchtigt“ sei damals „das Haus der Oma“ gewesen, ein Fachwerkhaus im nördlichen Stadtkern von Bückeburg, in dem eine ältere Dame besonders viele Blindow-Studenten während ihrer Ausbildung unterkommen ließ und in dem regelmäßig entsprechender Trubel herrschte. „Heute wüsste ich noch nicht einmal mehr genau, wo sich dieses Haus befand.“

Kleines Zeitfenster

Auf diese Art und Weise wurde vom Arbeitsamt gefördert, wer bereits über eine abgeschlossene Laborantenlehre verfügte und mindestens ein Jahr in diesem Beruf gearbeitet hatte. Nur wenig später wurden diese finanziellen Füllhörner für die berufliche Weiterqualifikation von der sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) wieder geschlossen. Für die 17 Chemotechniker des Jahrgangs 1976 führten diese Förderungen jedoch durchweg in gut und höchst dotierte Arbeitsverhältnisse und teilweise steile Karrieren.

Den Kontakt untereinander haben sie dennoch bis heute gehalten und sich seit ihrem Schulabschluss regelmäßig wieder getroffen – dabei sogar einmal nicht in Bückeburg, sondern vor zwei Jahren in Mexiko, wohin es einen ihrer Kommilitonen beruflich schon vor Jahren verschlagen hatte.

Von Johannes Pietsch