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Bückeburg Stadt Laura Driftmann aus Bückeburg: Mit dem Rollstuhl in den Skatepark
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Laura Driftmann aus Bückeburg: Mit dem Rollstuhl in den Skatepark
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13:13 11.09.2019
Die Wheelchair-Skaterin Laura Driftmann fühlt sich auf der Anlage im Petzer Feld wohl. Quelle: ana
Bückeburg

Sicher steuert Laura Driftmann ihren Rollstuhl über die Skate-Anlage im Petzer Feld. Unebener Rasen, Kanten oder Schotter bereiten der 20-Jährigen auf dem Feldweg dorthin keine Schwierigkeiten. Mit Sturzhelm und Schonern an Händen und Knien steuert sie ihren Rollstuhl direkt auf die bunt abgesprühte Rampe zu. Sie schafft es ein Stück weit hoch und rollt dann rückwärts wieder hinunter. „Das kostet mich schon viel Überwindung. Ich muss noch fleißig üben, bis ich die Rampe mal ganz nach oben schaffe“, sagt Laura Driftmann.

"Wheelchair-Skating": Trendsport aus den USA

Seit einem Jahr ist die Bückeburgerin aktive „Rollstuhl-Skaterin“, oder besser „Wheelchair-Skaterin“, wie der Sport in Fachkreisen genannt wird. „Der Sport ist aus den USA herübergeschwappt“, sagt sie. Er verbreite sich nun und werde immer beliebter bei den Rollstuhlfahrern. „Vor Kurzem fand sogar die WM in Köln statt. Ich wollte eigentlich vor Ort sein, aber es hat dann zeitlich doch nicht hingehauen“, sagt die begeisterte Fahrerin.

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Sportliche Aktivitäten waren für Laura Driftmann immer schon schwierig umzusetzen. Seit ihrer Geburt ist sie querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. „Das höchste der Gefühle war ab und an mal die Teilnahme am Völkerball im Schulsport“, erinnert sie sich. Eine gute Freundin habe sie dann auf das Rollstuhl-Skaten aufmerksam gemacht. „Meine Freundin hat diesen Sport schon länger ausgeübt und hat mich einfach mal zu einem ‚Skater-Treffen’ nach Hamburg mitgenommen. Dort treffen wir uns immer einmal im Monat mit ungefähr 20 Fahrern“, erzählt Driftmann.

Alltagssituationen als Sport-Hindernisse

In einer Turnhalle werden dann extra Rampen und Hindernisse aus Holz für die Rollstuhl-Skater-Truppe aufgebaut. Einige Hindernisse stellen Alltagssituationen nach, die den Rollstuhlfahrern immer wieder begegnen. „Ein hoher Bordstein kann ein solches Hindernis sein. Anfangs hatte ich oft Respekt vor einer 25 Zentimeter hohen Kante. Komme ich da heil runter?“ Diese Bedenken habe Driftmann meist im Kopf.

Inzwischen aber sei sie selbstbewusster geworden. „Das Skaten hat mir sehr geholfen, mich sicherer zu fühlen und einen anderen Umgang mit meinem Rollstuhl zu lernen.“ Außer dem Sport besucht die junge Frau gern Konzerte – am liebsten von der Band SDP oder den Toten Hosen. Als „Konzert-Fahrerin“ bezeichnet sie sich selbst mit einem Schmunzeln.

Selbstbewusst unterwegs dank des Sports

Mit Freunden besucht Driftmann jedes Jahr das Spektakulum in Bückeburg. „Natürlich brauche ich bei solchen Aktivitäten Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Ohne die geht es nicht.“ In bestimmten Situationen suche sie aber jetzt „viel weniger nach Hilfe“, weshalb sie Rollstuhlfahrern diesen Sport empfiehlt.

Für die Zukunft hat die Rezeptionistin eines Altenheims einige Wünsche. „Im November beginnt für mich die Fahrschule. Ich möchte endlich den Führerschein machen und selbstständiger sein.“ Eine eigene Wohnung ist dann der nächste Schritt. Außerdem auf der Wunschliste ganz weit oben: ein Sportrollstuhl. Von Joana Harmening