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Bückeburg Stadt „Market of Anatolia“ in Bückeburg schon wieder geschlossen
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt „Market of Anatolia“ in Bückeburg schon wieder geschlossen
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21:19 14.08.2019
Die Scheiben sind verklebt, die Werbung ist abmontiert. Der „Market of Anatolia“ in Bückeburg ist geschlossen. Wegen der Nähe zur Stadtkirche hat der Besitzer nicht alle Werbewünsche verwirklichen können. Quelle: kk
Bückeburg

Die Werbung ist abmontiert, die Schaufenster sind mit grünen Folien verklebt. „Der Markt ist gelaufen, wir hatten viel Kundschaft“, erklärt Ramazan, Inhaber des Supermarktes für türkische  Lebensmittel und Spezialitäten neben der Stadtkirche. Es habe aber „sehr, sehr viele Auflagen“ gegeben: „Wir hatten nur Probleme.“

Als Beispiel führte er nachträglich vorgebrachte Brandschutzauflagen an, die ihn zum Auswechseln von Innentüren und der Verbreiterung einer Außentür gezwungen hätten, was ihn nach seinen Angaben mehr als 8000 Euro gekostet habe. Auch neu angeschaffte, auf Maß gefertigte Lagerregale hätten wegen des Freihaltens von Fluchtwegen nicht so aufgestellt werden dürfen wie geplant.

Schwierigkeiten habe es auch mit der Anlieferung über den rückwärtigen Bereich über den Parkplatz hinter der Stadtkirche gegeben. Größere Fahrzeuge seien wegen der Enge des Parkplatzes und nicht korrekt geparkter Autos des Öfteren nicht durchgekommen. Sie seien dann vorne vor dem Geschäft an der Langen Straße entladen worden.

Strafzettel nach Lieferung

Da dabei Taxistand, Gehweg oder auch die Bushaltestelle blockiert wurden, wurden seitens der Polizei und des Ordnungsamtes Strafzettel verhängt. „In einem Fall bei einem Lkw sogar 125 Euro“, so Özkeles. Das Ende vom Lied sei gewesen, dass ihn die Lieferfirma nicht mehr beliefert habe und er nach Bremen, Hannover oder Hamburg habe fahren müssen, um Ware zu holen: „Das geht auf Dauer nicht.“ Außerdem habe darunter das Angebot des Marktes gelitten.

Probleme habe es wegen der Enge des Parkplatzes hinter der Kirche auch mit der Müllabfuhr gegeben. Er sei gezwungen gewesen, die Abfallbehälter nach vorne an die Straße zu ziehen. Jetzt im Sommer sei der Abfall länger nicht abgeholt worden. Er habe regelmäßig nach Sachsenhagen fahren müssen, um seinen Abfall zu entsorgen.

Probleme habe es auch mit der Außenwerbung gegeben, wo er sich – wegen der angrenzenden Stadtkirche – an strenge Auflagen der Stadt habe halten müssen. Das Folieren der Schaufenster habe er nicht wie gewünscht vornehmen dürfen, der Obst- und Gemüsestand im Außenbereich sei moniert worden. Er habe viele Gespräche mit den Behörden geführt. Sie dürften ihn nicht mit den großen Supermärkten vergleichen.

Entscheidung überrascht Ordnungsamt

Letztlich sei er zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, das Geschäft aufzugeben, zumal nach seinen Angaben das Gebäude veräußert werden soll und ein potenzieller Käufer die Ladenfläche selbst nutzen wolle. Daher: „Bevor ich ein Eigentor schieße, ist es besser zuzumachen.“

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte Ordnungsamtsleiter Lennart Braun für seinen Zuständigkeitsbereich, diverse Gespräche mit Özkeles geführt zu haben. Ja, in einigen Fällen seien seitens der Parkraumwächter der Stadt Strafmandate verhängt worden, der von Özkeles geschilderte Fall mit den 125 Euro sei aber nicht der Verwaltung anzukreiden. Das müsse die Polizei gewesen sein: „Wir dürfen nur bis 35 Euro.“

Es seien diverse Gespräche geführt und auch Kontakte zur Kirche hergestellt worden, damit der Ladeninhaber Flächen im Besitz der Stadtkirchengemeinde habe nutzen können, so Braun weiter. Auch beim – ohne Genehmigung – nach draußen gestellten Obst- und Gemüsestand habe es eine Regelung für diese Sondernutzung gegeben. Özkeles sei mit einer Teilnutzung einverstanden gewesen. Alles in allem seien für beide Seiten für den Bereich des Ordnungsamtes zufriedenstellende Lösungen gefunden worden, sagte Braun. Ihn überrasche daher die Entscheidung des Ladenbesitzers sehr.

Drei bis vier Interessenten

Einen umfassenden Dialog habe es auch in Sachen Außenwerbung gegeben, sagte Bau-Fachbereichsleiter Björn Sassenberg von der Stadtverwaltung auf Nachfrage. Er bestätigte, dass die Vorstellungen von Betreiber und Stadt zunächst deutlich auseinandergelegen hätten. Während Özkeles größere bunte Werbeflächen gewünscht habe, habe die Stadt auf einer dezenteren Ausgestaltung bestanden.

Schließlich befinde sich das „bedeutendste Baudenkmal der Stadt“, die Stadtkirche, in unmittelbarer Nachbarschaft. Da greife auch das Denkmalrecht. Die letztlich angebrachte Werbung sei ein Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Interessenlagen gewesen.

Fragen des Denkmalschutzes müssen bei der Genehmigung von Außenwerbung ebenso berücksichtigt werden wie Bestimmungen des Bauplanungs-, Verkehrs- und Naturschutzrechts. Im Innenbereich ist jede Werbeanlage, die größer als ein Quadratmeter und fest angebracht ist, genehmigungspflichtig. Für diese müssen Bauanträge gestellt werden. Grundsätzlich gibt es bei Außenwerbung sicherlich einen größeren Gestaltungsspielraum als beim Brandschutz.

Nach Angaben von Özkeles gibt es für das Ladengeschäft mit seinen 350 Quadratmetern Verkaufsfläche „drei bis vier Interessenten, die daraus etwas machen wollen. Wir machen definitiv zu.“ Er werde sich jetzt auf sein Dönerhaus konzentrieren. von Raimund Cremers und Karsten Klaus

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