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Bückeburg Stadt Ministerbesuch ohne Minister bei der Firma Ahrens
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Ministerbesuch ohne Minister bei der Firma Ahrens
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20:29 14.06.2019
Was nun? Nach der Absage von Hubertus Heil beraten Marja-Liisa Völlers, Dieter Ahrens und Fritz Pape (Kreishandwerkerschaft). Quelle: kk
BÜCKEBURG

So mussten die heimische Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers (SPD) und Kreishandwerksmeister Dieter Ahrens, die eingeladen hatten, ein Alternativprogramm aus dem Hut zaubern. Im Mittelpunkt stand nun der Informationsaustausch mit Fachleuten aus der Arbeitsverwaltung. Außerdem bekam Völlers eine lange Liste mit „Hausaufgaben“ mit auf den Heimweg. Ahrens hatte aufgelistet, wo den Handwerkern der Schuh drückt. Die Abgeordnete versprach, diese Fragen an Heil weiterzuleiten – und umgehend Antworten zu liefern.

Handwerk geht es gut

Zunächst hatte Ahrens aber Positives zu berichten. Dem Handwerk gehe es gut, die Auftragsbücher seien voll. Sein Betrieb sei beispielsweise Marktführer in Sachen Photovoltaik in der Region, müsse viele Kunden aber zeitlich vertrösten, da Kapazitäten fehlten. Insgesamt seien im Schaumburger Land im vergangenen Jahr Anlagen mit einer Leistung von 4,3 Megawatt installiert worden. Zu wenig allerdings, um die ehrgeizigen Ziele des Masterplans Klimaschutz des Landkreises auch nur annähernd zu erfüllen. Danach sollen 2050 95 Prozent der nutzbaren Dachflächen mit Photovoltaikanlagen bestückt sein, derzeit sind es gerade mal drei bis vier Prozent. Ahrens hält die Zielvorgabe für nicht erreichbar. 75 Megawatt müssten jährlich dazukommen – illusorisch.

Keine Verlässlichkeit

Und hier setzte der Kreishandwerksmeister einen Kritikpunkt an: „Verlässlichkeit der Politik ist nicht gegeben.“ Gerade in Sachen Klimaschutz werde zu wenig dafür getan, die eigenen Zielvorgaben auch umzusetzen.

Gerne würde das Handwerk ja mehr leisten, doch viele Betriebe seien bereits mit fachfremden Arbeiten überlastet: Die Bürokratie sei inzwischen zum „Alltagswahnsinn“ geworden.

Trotz steigender Ausbildungszahlen im Landkreis hätten die Firmen immer größere Probleme, „ausbildungsfähige“ Bewerber zu finden. Nicht nur an Grundfähigkeiten wie Rechnen oder Schreiben mangele es, auch die soziale Kompetenz lasse immer häufiger zu wünschen übrig. Einige Handwerksmeister berichteten auch vom laxen Umgang mancher Lehrlinge in Bezug auf Krankschreibungen und Arbeitszeiten. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und massiver Abwerbungsversuche aus der Industrie sprach Ahrens von „schlechten Zukunftsperspektiven“.

Abiturienten begeistern

Völlers warb dafür, die berufliche Bildung attraktiver zu machen und gerade Abiturienten für Handwerksberufe zu begeistern. Sie warnte aber auch davor, immer nur problematische Fälle aufzuführen: „Wir müssen auch über Leute reden, die ihre Arbeit gut machen.“

Auf Ahrens Wunsch- und Mängelliste, die er eigentlich dem Minister präsentieren wollte, stehen auch ganz praktische Forderungen wie ein Azubi-Ticket für öffentliche Verkehrsmittel. Die Wege zu den Ausbildungsstätten würden immer länger – und teurer. Der Kreishandwerksmeister forderte mehr Unterstützung für Existenzgründer. Ein Dorn im Auge sind den heimischen Handwerkern Arbeitskolonnen aus Osteuropa, die massiv Arbeitsschutzauflagen missachteten, während ortsansässige Firmen häufig mit kleinlichen Auflagen drangsaliert würden.

Mit vielen Informationen zu neuen Förderungsmöglichen in Sachen beruflicher Qualifikation sprangen spontan Gerhard Durchstecher (Agentur für Arbeit Hameln) und Bernd Dittmer (Jobcenter Schaumburg) ein. Über ihre Beiträge werden wir noch gesondert berichten. Von Karsten Klaus