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Bückeburg Stadt Neubau statt Sanierung?
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Neubau statt Sanierung?
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19:25 23.11.2018
In jedem Klassenraum haben Schüler und Lehrer die Mängel aufgelistet, die dringend behoben werden müssen, wie Rektorin Antje Kronenberg beim Ortstermin des Schulausschusses erläutert. Quelle: rc
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Bückeburg

„Können wir uns nicht leisten. Wenn wir es machen, wird die Stadt wegen ihrer Haushaltslage über Jahre unter Zwangsverwaltung gesetzt“, lautete der einstimmige Tenor im Ausschuss.

Dabei ging es unter dem Tagesordnungspunkt „Erarbeitung eines Schulentwicklungskonzeptes für die Stadt Bückeburg“ in der Aula der Grundschule an der Ulmenallee eigentlich nur darum, dass im Haushalt für das Jahr 2019 weitere 30.000 Euro bereit gestellt werden, um eben dieses Konzept durch einen Gutachter entwickeln zu lassen. 10.000 Euro sind bereits 2017 und 2018 in den Haushalt eingestellt worden.

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Das Entwicklungskonzept, beantragt von der CDU-Fraktion, soll beleuchten, welche Investitionen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an den vier städtischen Grundschulstandorten (Grundschule Am Harrl, Im Petzer Feld, Evesen und Meinsen) notwendig sind, um Anforderungen der Ganztagsbetreuung, der Inklusion, der Digitalisierung, der Schule als Betrieb sowie bauliche und energetische Maßnahmen wie etwa auch Feuerschutz erfüllen zu können.

Eine erschreckende Summe

Im Zuge dieser Diskussion war in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses im August bekannt geworden, dass in die Grundschule Am Harrl mindestens drei Millionen Euro investiert werden müssen, um zumindest bauliche und feuerschutztechnische Vorschriften erfüllen zu können. Nicht enthalten sind weitere Einbauten wie Lüftungsanlage oder Brandmeldeanlage, ganz zu schweigen vom Ausbau des derzeit ungenutzten Dachgeschosses, um weitere dringend benötigte Klassen- und Gruppenräume zu erhalten.

„Eine Summe, die uns erschreckt und uns noch einmal zum Überlegen gebracht hat“, wie Rektorin Antje Kronenberg im Schulausschuss am Mittwochabend sagte. Es sei die Frage, ob die Stadt mit einer Sanierung nicht zu kurz springt und ob den stetig steigenden Anforderungen Genüge getan werden könne. Überlegungen, die samt Raumkonzept in einem Antrag an die Stadt gemündet sind: „Bevor Millionen in das alte denkmalgeschützte Gebäude investiert werden, stellt sich die Frage, ob ein moderner Neubau auf lange Sicht nicht wirtschaftlicher ist und den veränderten Anforderungen an Schule nicht angemessener wäre.“

Ein Antrag, dessen inhaltliche Begründung dem Ausschuss durchaus einleuchtete: Wenn Kinder und Lehrer acht Stunden oder mehr in der Schule sind, wenn der ganze Ganztag kommt; wenn immer mehr kleine Gruppen- und Ruheräume gebraucht werden, wenn pädagogische Anforderungen oder die Inklusion umgesetzt werden sollen, wenn, wenn, wenn ….

Zwangsverwaltung befürchtet

Nur: Es fehlt das Geld. „12,5 Millionen Euro und mehr würden die Stadt gewaltig überfordern“, sagt Ratsherr Jens Bartling (SPD). Und Wolfhard Müller (SPD) ergänzt: „Wenn wir es machen, können wir auf Jahre nichts mehr selbst entscheiden.“ Michael Pohl (CDU) brachte es so auf den Punkt: „Zwangsverwaltung.“ Zu veräußern wäre das Gebäude auch nicht, als Zweigstelle müsste es ebenfalls saniert werden. Damit war das Thema vom Tisch.

Eine längere Debatte entspann sich dennoch darum, ob der Gutachter überschlägig die Kosten für einen zweiten „zentralen Schulstandort“ ermitteln soll, einem Ansinnen, dem der Bau- und Umweltausschuss auch im August bereits eine Absage erteilt hatte, als er sich für die Untersuchung der vier Grundschulstandorte, aber gegen einen zweiten zentralen Standort ausgesprochen hatte. Letztlich folgte auch der Schulausschuss dieser Empfehlung.

Nun werden die weiteren Haushaltsberatungen zeigen, was für 40.000 Euro begutachtet wird. Und: Für den ersten Abschnitt der Sanierung der Grundschule Am Harrl stehen 500.000 Euro in den Entwürfen, weitere 200.000 Euro erhält die Stadt aus KIP-II-Mitteln (Kommunalinvestitionsförderungsgesetz). Denn es besteht dringender Handlungsbedarf. rc