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Bückeburg Stadt Opfer flüchtet mit letzter Kraft
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Opfer flüchtet mit letzter Kraft
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20:20 22.05.2018
Symbolbild
Symbolbild Quelle: dpa
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Bückeburg

Übel zugerichtet hat ein Bückeburger (47) seine Lebensgefährtin. „In dieser Nacht habe ich mehrfach um mein Leben gekämpft“, erinnert sich das Opfer.

Die Frau erlitt damals unter anderem einem Nasenbeinbruch sowie Hämatome, Prellungen und Kratzspuren am ganzen Körper. An den seelischen Folgen leidet die 47-Jährige noch heute. Sie wird vom Bückeburger Büro der Opferhilfe betreut.

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Übergriff hat das Schöffengericht in Bückeburg gegen den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 19 Monaten verhängt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt. Der Frau muss er 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Nach der Tat musste das Opfer zunächst mehrere Tage lang im Krankenhaus behandelt werden und war danach fünf Wochen krankgeschrieben.

Kein Tötungsvorsatz

Richter Dirk von Behren sprach von einem „auf unsägliche Weise ausgearteten Beziehungsstreit“. Immer wieder habe die Frau um Hilfe gerufen. „Das hielt den Angeklagten jedoch nicht davon ab weiterzumachen. Er hat schlicht und einfach rotgesehen.“ Von einem Tötungsvorsatz geht das Gericht allerdings nicht aus.

Zur Tatzeit hatte der Bückeburger etwa 2,5 Promille Alkohol im Blut. Die Richter billigten ihm deshalb verminderte Schuldfähigkeit zu. Für den Angeklagten sprachen dessen Geständnis sowie ein Brief, in dem er sich „in aller Form“ bei seiner Ex entschuldigt hatte. Außerdem war der 47-Jährige bis zum Prozess nicht vorbestraft, ein unbescholtener Bürger.

Zur Tat: Zuerst hatte der Bückeburger seine damalige Lebensgefährtin in jener Nacht im Mai 2017 gegen die Wand im Badezimmer geschleudert, worauf die Frau kurz bewusstlos wurde. Als sie wieder bei Bewusstsein war, ergriff sie die Flucht. Der Mann nahm ein Küchenmesser und jagte die 47-Jährige damit zunächst vor sich her, bis er mit dem Messer warf, das Opfer aber verfehlte. Dann verfolgte er die Bückeburgerin um die Kücheninsel herum.

Flucht durchs Badezimmer

Irgendwann bekam er die Frau zu fassen. Weiter ging es dann im Wohnzimmer. „Immer wieder schlug er mich mit dem Kopf auf den Parkettboden, dann mit der Faust ins Gesicht, dann würgte er mich“, berichtet die 47-Jährige. „Mit der letzten Kraft, die ich noch hatte, bin ich ins Badezimmer geflüchtet.“ Als der Mann immer wieder heftig gegen die Tür schlug, kletterte die Frau schließlich durchs Badezimmerfenster nach draußen und entkam ihrem Peiniger. Sie hatte Todesangst. Beim Würgen soll der Täter gedroht haben: „Ich bringe dich um.“

Schläge hatte es in den 13 Jahren, die das Paar zusammen war, offenbar nie gegeben, wohl aber verbalen Streit. „Ein einmaliger, wenn auch massiver Ausrutscher“, fasst Verteidiger Ralf Jordan zusammen. „An dem Tag ist etwas in ihm explodiert.“ Beim Streiten soll es zuletzt meistens um das Haus gegangen sein. Im Grundbuch waren beide Partner eingetragen, die finanziellen Lasten trug jedoch die Frau. Sie verdiente deutlich mehr.

Der Mann, so Richter von Behren, habe sehr viel zu verlieren gehabt, nämlich „nicht nur die Frau, sondern auch seinen Lebensstandard“. Heute scheint sich der Bückeburger für sein Verhalten zu schämen. Während der Gerichtsverhandlung hielt er meistens eine Hand vors Gesicht. Die Frau saß ihm direkt gegenüber – als Nebenklägerin. ly