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Bückeburg Stadt Reichlich Diskussion
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18:04 21.08.2018
Die Entkernung des Krankenhauses und des angrenzenden Hauses Reiche (im Bild oben rechts) haben begonnen. Zu erkennen sind die zahlreichen Anbauten an das Haus Reiche, von dem nur noch die Giebelfront unverändert war. Selbst im Inneren war vom Ursprungszustand nicht mehr viel vorhanden.
Die Entkernung des Krankenhauses und des angrenzenden Hauses Reiche (im Bild oben rechts) haben begonnen. Zu erkennen sind die zahlreichen Anbauten an das Haus Reiche, von dem nur noch die Giebelfront unverändert war. Selbst im Inneren war vom Ursprungszustand nicht mehr viel vorhanden. Quelle: jp
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Bückeburg

Innerhalb der vier Wände laufen die Entkernungsarbeiten, bevor die Arbeiter mit dem eigentlichen Abriss beginnen können. Auch aus dem Haus Reiche wird herausgerissen, was später nicht als Bauschutt geschreddert werden kann oder wiederverwertet werden muss.

Derweil erhitzt die Herausnahme des Hauses Reiche aus dem Denkmalschutz und der damit mögliche Abriss des Gebäudes weiter die Gemüter. Vertreter der Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße (IGGH) haben die im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans (B-Plan) notwendige frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit genutzt, um ihre Bedenken schriftlich beim Bauamt einzureichen. Neben den bekannten Argumenten, dass das Haus mit seinem sechsachsigen Giebel ein einzigartiges Beispiel Bückeburger Baukultur aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sei und daher unbedingt erhaltenswert sei, wird ein bisher nicht erörtertes Argument angeführt: der Ensembleschutz im Kontext des umliegenden Villenviertels und des Palais auf der anderen Straßenseite.

Beim Bauamt sind jedenfalls mehrere Stellungnahmen zum B-Plan „Bethel-Quartier“ eingegangen. Sie werden von der Verwaltung abgewogen und dem Bau- und Umweltausschuss sowie schlussendlich dem Rat zur Diskussion vorgelegt. Die Aufstellung des B-Plans hat – wie berichtet – keine Auswirkung auf den Abriss und kann diesen auch nicht verhindern: Für den Abriss reichte dem Investor eine Anzeige beim Bauamt.
Die Mitglieder der IGHH beklagen nicht nur die ihrer Ansicht nach mangelhafte Aufklärung des Sachverhalts. Sie fühlen sich durch diese Vorentscheidung „an der Nase herumgeführt“, wie ihre Sprecher Dr. Christian Fricke-Neef und der Diplom-Ingenieur Günter Kaps in einem Schreiben beklagen. Sie haben daher einen Fragenkatalog erarbeitet, um „einige wichtige, offene Fragen“ zu klären.

IGHH geht von ausgiebieger Beratung aus

Die IGHH geht davon aus, dass der B-Plan samt Abriss zuvor in den Gruppen beziehungsweise Fraktionen ausgiebig beraten worden ist und fragt, ob bei den Beratungen auch die Stellungnahmen zum Entwurf des B-Plans behandelt worden seien. Die Interessensgemeinschaft gehe jedenfalls davon aus, dass nur generell informiert worden sei. Dass Bürgermeister Reiner Brombach, Verwaltung, Stiftung Bethel und Investor behaupten, der Abriss sei erforderlich gewesen, „ist einfach zu wenig“. Die IGHH habe mehrfach dargelegt, dass ein Abbruch des Gebäudes nicht zwingend notwendig ist.

Wie die maßgeblichen Entscheider zu der „absurden Behauptung“ gekommen sind, die Entscheidung zum Abriss von Haus Reiche sei kein Vorentscheid zur Gestaltung des B-Planes, ist eine weitere Frage der IGHH. Durch den „faktischen Abriss“ werde eine Berücksichtigung von Haus Reiche im B-Plan ausgeschlossen: „Könnte man nicht den Eindruck gewinnen, dass durch den vorzeitigen Abriss von Haus Reiche das ordentliche Verfahren unterlaufen wird?“ Und schlussendlich: Es entstehe der Eindruck, dass dem Investor zulasten der Kulturpflege mit fragwürdigen Methoden erneut in die Hände gespielt werde. Die IGHH: „Eine offene Sachverhaltsaufklärung ist dringend geboten.“