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Bückeburg Stadt Riesen-Logistik auf Reisen
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19:01 21.07.2019
MPS-Chef Gisbert Hiller (links) koordiniert mit seinen Mitarbeitern den Aufbau der Großveranstaltung.  Quelle: Johannes Pietsch
Bückeburg

Mit seiner gewaltigen Ausdehnung und seinen Besucherzahlen von vielen Tausend Gästen allein an den beiden Veranstaltungswochenenden in Bückeburg zählt das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) längst zu den ganz großen Festivals Deutschlands. Sein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen großen Vertretern der Branche ist jedoch der Umstand, dass es während der Sommersaison nacheinander an zwölf unterschiedlichen Standorten stattfindet und die gesamte gewaltige Logistik dafür jedes Mal an den Tagen dazwischen abgebaut, transportiert und am nächsten Standort wieder startklar gemacht werden muss.

„Wir sind mittlerweile genauso groß wie Musikfestivals wie das M’era Luna oder das Hurricane“, beschreibt es Veranstalter Gisbert Hiller. „Aber im Gegensatz zu uns haben die einen festen Standort, wo sie alles, was sie brauchen, nur einmal im Jahr aufbauen und wieder abbauen müssen.“ Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum verbringt seine meiste Zeit hingegen beim Auf- und Abbau und auf den Autobahnen. Der Aufwand dafür klingt bisweilen schwindelerregend: Allein drei große 40-Tonner sind für den Transport der tonnenschweren Bühnen erforderlich. Darunter findet sich mit der MPS-Bühne, auf der am ersten Wochenende Schandmaul, Saltatio Mortis, Versengold und Knasterbart auftraten, die größte Bühne, die jemals beim MPS zu finden war. Sie zählt, ebenso wie die Festival-Bühne auf der Mausoleumswiese und die Folk-Bühne am östlichen Eingangsbereich, nicht zum Fundus des MPS selbst, sondern wird angemietet. „Solche Bühnen könnten wir uns überhaupt nicht selbst leisten, dann bräuchten wir über 200 Festangestellte und ganz andere Lagerkapazitäten“, so Hiller. „Wir erhalten sie von Spezialfirmen, die damit auch Veranstaltungen wie Wacken oder Rock am Ring beliefern.“

Ein 15-köpfiges speziell geschultes Bühnenbauer-Team ist drei Tage damit beschäftigt, diese Bühnen zu installieren. Zum erforderlichen Equipment des MPS zählen außerdem dreieinhalb Kilometer Außenzäune, die mit sieben 40-Tonnern angeliefert werden, außerdem 180 Toiletten, 40 Diesel-Aggregate, zehn Flutlichtmasten, 1000 Biergartengarnituren, 500 Barhocker und viele Hundert Stehtische. 60 Sonnensegel bieten insgesamt 4200 Quadratmeter Schutz vor Sonne und Regen, dazu drei weitere Großzelte – unter anderem mit 2800 und 1600 Quadratmetern. Nicht zu vergessen die rund 100 Feuerkörbe, 200 Feuerkorbstangen, die Merchandising- und Versorgungszelte und die mittlerweile 45 Holzpferde für Kinder. Nicht zu vergessen die 100 Rechteckballen und 60 Rundballen Stroh, die von einem Bückeburger Landwirt angeliefert werden. Auf die Idee, die Großzelte mit ausgedienten Sesseln und Sofas auszustatten, kam der MPS-Chef vor zwei Jahren beim Lichter-Weihnachtsmarkt in Dortmund: „Seitdem suchen wir die über eBay Kleinanzeigen aus dem gesamten Ruhrgebiet zusammen.“ Zu der Lkw-Flotte in Diensten des MPS selbst kommen dann noch einmal rund 500 Fahrzeuge der Händler, Heerlager und der verschiedenen Künstler.

Ein "Riesenakt"

Es sei ein „Riesenakt“, diesen gesamten Aufwand stets heil und sicher von einem Standort zum nächsten zu verfrachten, so Hiller. Insbesondere vor dem MPS in Bückeburg: Da gastierte der riesige reisende Mittelalter-Zirkus nämlich im südwestlichsten Zipfel von Deutschland, in Weil am Rhein nahe dem schweizerischen Basel. Dort startete sonntags abends um punkt 20 Uhr mit dem Ende der Veranstaltung der Abbau, um noch in der Nacht die schweren Lastwagen über die Autobahn ins rund 700 Kilometer entfernte Bückeburg zu schicken.

In all den Jahren war die Flotte von Lkws und Transportfahrzeugen trotz ihrer enormen Zahl ohne gravierende Zwischenfälle unterwegs: „Wir hatten schon Reifenpannen und Motorschäden, aber tatsächlich noch nie einen richtigen Unfall, und da sind wir verdammt stolz drauf.“ Ein maßgeblicher Grund dafür dürfte sein, dass bei den Fahrern penibel auf die Einhaltung von Ruhezeiten vor Antritt einer solchen Fahrt geachtet wird: „Wer hier auf dem Gelände tagelang und vor allem nachts rödelt, darf sich auf keinen Fall anschließend noch ans Steuer setzen.“

Drei Tage dauert üblicherweise der gesamte Aufbau eines Veranstaltungsorts, im Falle Bückeburgs aufgrund der Größe sogar vier. „Bückeburg ist mittlerweile, wenn man beide Wochenenden zusammenrechnet, größer als unser bislang größter Standort Hamburg-Öjendorf“, so Hiller. Zum Einsatz kommen dabei zehn Radlader, neun Quad-Fahrzeuge und acht Material-Sprinter. Unterstützt wird das 25-köpfige, fest angestellte Aufbau-Team des MPS stets von einer Schar vor Ort engagierter Hilfskräfte, die üblicherweise über Facebook gesucht und für die Zeit ihres Einsatzes dem Finanzamt als kurzfristige Aushilfen gemeldet werden.