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Bückeburg Stadt Schaumburg-Lippische Landeskirche: Ehrenamtliche stehen im Fokus
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Schaumburg-Lippische Landeskirche: Ehrenamtliche stehen im Fokus
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23:36 28.06.2019
Mit ihren Vorträgen bereichern die beiden Promis Britta Steffen und Hans Leyendecker den Jahresempfang der Schaumburg-Lippischen Landeskirche. Quelle: wk
Bückeburg

Dabei lag der Fokus diesmal auf Ehrenamtlichen, die sich schon seit Langem hier in der Region im Bereich des Sports einsetzen. In seiner Ansprache holte Landesbischof Karl-Hinrich Manzke allerdings noch etwas weiter aus: Wichtig sei, das Gemeinsame deutlich zu machen, sich daran zu freuen und festzustellen, dass vieles gelingt in unserer Gesellschaft, sagte er.

Hinsichtlich der Demokratie mahnte er indes, dass diese die mit Abstand anspruchvollste und gefährdetste Gesellschaftsform sei. Sie bediene die individuelle Freiheitsliebe, ermögliche „beinahe grenzenlos“ das Streben nach persönlichem Glück, brauche aber andererseits auch Bescheidenheit und Demut eines Jeden und erwartet die aktive Sorge für die Anderen.

„Und sie braucht Religion – oder noch besser Menschen, die für das Gemeinsame sich zeigen, Energie und Kraft geben“, betonte Manzke. Exemplarisch verwies er diesbezüglich auf ebensolche Menschen, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren.

Karl-Hinrich Manzke spricht sich gegen „hässliche Herabsetzungen“ anderer Meinungen aus.

Ferner appellierte Manzke, dass es „auf jeden von uns“ ankomme, leichtfertigen Reden und hässlichen Herabsetzungen von anderen Meinungen, die beide durch das Internet und die sozialen Medien leichter geworden seien, Einhalt zu gebieten.

Auf dem Programm der Veranstaltung standen außerdem zwei Vorträge: „Was erwarte ich von der Evangelischen Kirche heute?“ war das Thema, dem sich der bekannte Journalist und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2019, Hans Leyendecker, widmete.

Die Volkskirche sei auf dem Weg hin zu einer „Minderheitskirche“, resümierte er. Zwar „ackern und rackern“ die Gemeinden und stünden den Menschen bei wichtigen Lebenswenden zur Seite, dennoch kehrten viele Menschen den Kirchen den Rücken. In Zahlen ausgedrückt: Laut Leyendecker prognostiziert eine aktuelle Studie bis zum Jahr 2060 einen weiteren Mitgliederschwund von fünfzig Prozent; dabei gehen 28 Prozent dieses Verlustes nicht auf demografische Gründe zurück, sondern beruhen auf Austritten – vor allem in der Altersklasse der 25- bis 40-Jährigen. Überdies werde es eine Rolle spielen, dass es immer weniger Taufen gebe.

"Gemeinschaft der Jammernden"

In diesem Kontext beklagte Leyendecker unter anderem, dass die deutschen Kirchen an viele althergebrachte Erwartungen und Anforderung gekettet seien, die Kräfte bänden. Darüber hinaus vermisse er bei der Kirche manchmal auch Visionen für die Zukunft. Schlimmer noch: Mitunter sei die Kirche „nicht mehr die Gemeinschaft der Heiligen, sondern die der Jammernden“.
Nach Meinung von Leyendecker darf eine Minderheitskirche jedoch kein Schrecken sein, diese könne vielmehr unerschrocken aus dem christlichen Glauben sein.

Und überhaupt: Fragen muss sich die Kirche angesichts dieser Mitgliederentwicklung ihm zufolge auch, ob beispielsweise ein Ort mit 1000 Einwohnern sowohl eine katholische als auch eine evangelische Gemeinde braucht. Damit spielte er auch auf die geringen Besucherzahlen bei den Sonntagsgottesdiensten an.

Vor diesem Hintergrund empfahl Leyendecker, dass sich die Kirchengemeinden an den Bedürfnissen vor Ort ausrichten. Demnach kann in einem sozialen Brennpunkt der Betrieb einer Suppenküche zum Schwerpunkt der Gemeindearbeit gemacht werden, während an anderen Orten etwa die Familienarbeit oder der Betrieb eines Cafés, in dem es auch christliche Angebote gibt, sinnvoll sein könnte. Und: Nur eine Kirche, in der man sich gegenseitig aufrichtet, könne eine starke Kirche sein.

Nach dem offiziellen Teil in der Stadtkirche steht draußen noch ein geselliges Miteinander auf dem Programm des Jahresempfangs.

Der zweite Vortrag, gehalten von der zweifachen Schwimm-Olympiasiegerin (2008) Britta Steffen, war dagegen mit „Erfolg ist alles!? Mit Erwartungsdruck und Scheitern umgehen lernen“ überschrieben.

Hierzu verriet sie, dass es in jungen Jahren lange Zeit ihr Ziel gewesen sei, mit ihren eigenen sportlichen Erfolgen möglichst viele Menschen stolz zu machen – so etwa die Eltern, die Sportfunktionäre, ihren Heimatort bis hin zu ganz Deutschland. Erst im Alter von 20 Jahren habe sie gemerkt, wie sehr sie durch dieses Ziel gebremst worden sei, und dass ihr die zu großen Erwartungen teilweise die Luft genommen hätten.

Mithilfe einer Mentaltrainerin habe Steffen es dann geschafft, sich eine andere Einstellung zuzulegen und sich so von den Erwartungen anderer frei zu fühlen. Dabei sei es um die Entwicklung des eigenen Potenzials gegangen, und darum, dies auch unter Druck zu zeigen. Und dies habe sie schließlich dazu befähigt, „die schnellste Frau im Wasser zu werden“.

Akzeptiert habe Steffen zudem, dass das Scheitern dazugehört, denn: Wenn man alles im Leben erreicht und keine Niederlagen einstecken muss, könne man den Sieg nicht schätzen; man empfinde dann kein vollkommenes Glück. Heute stelle sie daher „die Reise des Lebens über das Erreichen von Zielen“. So seien denn auch der Weg hin zu ihren beiden Olympiasiegen sowie die damit verbundene Lebensweise „das wahre Schöne“ gewesen. wk