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Bückeburg Stadt Schloss Bückeburg: Ersetzt bald ein Luxushotel das Landesarchiv?
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Schloss Bückeburg: Ersetzt bald ein Luxushotel das Landesarchiv?
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13:35 12.09.2019
Wird aus dem Ostflügel von Schloss Bückeburg ein Luxushotel? Derzeit ist das Niedersächsische Landesarchiv als Mieter darin untergebracht.  Quelle: Raimund Cremers
Bückeburg

Alexander zu Schaumburg-Lippe beziehungsweise die Fürstliche Hofkammer haben Pläne, aus dem Ostflügel des Schlosses ein Luxushotel zu machen.

"Kein Kommentar" zu den Plänen - aber auch kein Dementi

Das geht aus Informationen hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Eine endgültige Entscheidung, ob die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, gibt es nach diesen Informationen bisher noch nicht. Alexander zu Schaumburg-Lippe verwies auf Anfrage lediglich darauf, dass er über „ungelegte Eier“ nicht rede. Sein einziger Kommentar: „Kein Kommentar.“ Ein Dementi gab es aber nicht.

Derzeit ist in dem sogenannten Kavaliershaus, dem Ostflügel, das Niedersächsische Landesarchiv mit seinem Standort Bückeburg untergebracht. In dem anderen Kavaliershaus, dem Westflügel, haben der Hausherr und seine Familie ihre Privatwohnungen, im Erdgeschoss ist die Volkshochschule Schaumburg Mieter.

Das sagt das Landesarchiv zu den Plänen

Die Pläne für das Luxushotel sind nach Informationen dieser Zeitung jedenfalls so weit gediehen, dass die Hofkammer beziehungsweise Alexander zu Schaumburg-Lippe gegenüber dem Landesarchiv als Mieter des Gebäudes bereits „signalisiert“ haben, dass der noch bis Ende März 2022 laufende Mietvertrag für das Gebäude nicht mehr verlängert werden könne. Konkrete abschließende Entscheidungen gebe es noch nicht, hieß es.

Wir haben keinerlei Pläne, aus Bückeburg abzuziehen.

Sabine Graf , Präsidentin der Niedersächsischen Landesarchivs

Wie die Präsidentin der Niedersächsischen Landesarchivs, Sabine Graf, auf Anfrage sagte, habe das Landesarchiv in Bückeburg ein befristetes Mietverhältnis. Für die Zeit nach dem Ende des Vertrags befinde man sich derzeit in Überlegungen und Gesprächen, wie es weitergehen könne. Weitere Details wollte die Präsidentin nicht mitteilen.

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Die Situation sei „sehr offen“. Sie betonte aber: „Wir haben keinerlei Pläne, aus Bückeburg abzuziehen.“ Ob dafür dann ein Neubau oder die Anmietung einer anderen Bestandsimmobilie Gegenstand der Überlegungen und Gespräche sei, darauf gab es keine Antwort. Bückeburg ist einer von sieben Standorten des Landesarchivs.

Bis 1899 erbaut: Das ist die Geschichte hinter dem Ostflügel

Der Ostflügel des Schlosses oder auch das Kavaliershaus ist erst in den Jahren 1895 bis 1899 unter der Regentschaft des Fürsten Georg (1893 bis 1911) erbaut worden. In ihm sollten wie im gegenüberliegenden Westflügel hochherrschaftliche Gäste logieren.

Im selben Zug ließ der Fürst auch das Hauptschloss um einen Erweiterungsflügel an der Nordseite des Schlosses mit dem Festsaal errichten, denn sein Vorgänger, Fürst Adolf Georg, hatte seinen jüngsten Sohn mit Viktoria von Preußen verheiratet, einer Schwester von Kaiser Wilhelm II. Der Kaiser war in den Folgejahren mehrfach zu Besuch in Bückeburg. Fürst Georg rühmte sich der Freundschaft des Kaisers, Kaiserbesuche verlangten nach repräsentativen Räumlichkeiten.

Darum denkt Fürst Alexander über eine neue Nutzung nach

Daran will Alexander zu Schaumburg-Lippe offenbar anknüpfen. In den vergangenen Jahren hat er das Schloss mehr und mehr für Feste und Events wie Weihnachtszauber und Landpartie sowie Firmenpräsentationen, Hochzeiten und andere Feste geöffnet und immer wieder betont, dass er als Wirtschaftsbetrieb Geld verdienen und dafür sorgen müsse, dass die Baudenkmäler erhalten bleiben.

Die jährlichen Kosten hatte er in einem Interview anlässlich seines 60. Geburtstags Ende vergangenen Jahres auf den Wert eines Einfamilienhauses beziffert und gesagt, dass Ideen entwickelt werden müssten, wie das Haus aus sich selbst heraus existieren könne.

Denkmalschutz: Sind Umbauten im Schloss Bückeburg überhaupt möglich?

Der Ostflügel steht – wie das gesamte Schloss samt den umliegenden Gebäuden und dem Schlosspark – innen und außen unter Denkmalschutz. Das Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege dürfte also ein gewichtiges Wort bei der Umnutzung und den notwendigen Umbauten mitsprechen, auch bei der Frage nach der Schaffung von Stellplätzen oder anderen Veränderungen.

Das Archiv nutzt nach eigenen Angaben, die im Rahmen von Berichterstattungen bei Führungen gemacht werden, rund 4500 Quadratmeter Nutzfläche. Die Archivalien sind auf 4,5 Kilometer Regallänge gelagert. Inklusive des Dachgeschosses hat das Gebäude rund 80 Räume. von Raimund Cremers

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