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Bückeburg Stadt Selbst das Publikum lässt sich dirigieren
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Selbst das Publikum lässt sich dirigieren
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17:42 12.01.2014
Ob der Leistung der Solistin Christina Brabetz hält es auch Alexander zu Schaumburg-Lippe nicht mehr auf dem Stuhl: Eine Rose gibt es. Quelle: mig
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Von Michael Grundmeier

Und es muss den Zuhörer beschwingt zurück lassen, beschwipst, ausgelassen und vor allem fröhlich. Im seit Wochen ausverkauften Rathaussaal hat das Göttinger Symphonie Orchester den Spagat zwischen „anspruchsvoll“ und „höchst unterhaltsam“ einmal mehr bestens gemeistert.

 Es ist schon eine besondere Beziehung ist, die ganz Bückeburg mit dem Göttinger Symphonie Orchester Symphonie-Orchester verbindet. „Die Göttinger“ gastieren seit inzwischen vielen Jahren regelmäßig in der ehemaligen Residenz. Ihre grandiosen Neujahrskonzerte sind schnell ausverkauft. Woran das liegt? Zum einen sicherlich an der Qualität des Ensembles, das unlängst den renommierten „Echo Klassik“ zugesprochen bekam. Und zum anderen am charmanten Dirigenten Christoph-Mathias Mueller, dessen Wiener Schmäh das Publikum auch diesmal mitriss und begeisterte. Kurzum: Das GSO gehört zum neuen Jahres wie die Flasche Sekt und das Silvesterfeuerwerk.

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 Es hat schon fast etwas von Tradition, wenn Christoph-Mathias Mueller zum wiederholten Male zugibt. „Wir fühlen uns hier zu Hause; es ist immer wieder Freude hier zu spielen.“ Warme Worte, die der Vorsitzende des gastgebenden Kulturvereins, Alexander zu Schaumburg-Lippe, nur zu gerne an die Musiker zurückgab. „Sie sind uns in den vielen Jahren, die sie hier sind, ans Herz gewachsen“, meinte er an den sichtlich gerührten Mueller gewandt. Der dem Orchester zugesprochene Preis habe der ganzen Welt gezeigt, was Bückeburg schon lange gewusst habe.

 Doch zurück zum musikalischen Teil des Abends, der unter dem Motto „Wünsche und Träume“ stand. Die musikalische Fantasiereise begann schwungvoll mit Offenbachs Ouvertüre zur Operette „Die schöne Helena“. Auf eine markig vorgetragene Einleitung folgten wunderbar ausgespielte Melodienbögen und zarte Walzerklänge, aber auch äußerst dramatische Abschnitte mit wilden Tremoli. Das Stück mündete schließlich in ein fulminantes und nuanciert vorgetragenes Accelerando-Finale.

 Etwas gemächlichergeriet die „Polka francaise“ – „der gesetzte Bruder der schnellen Polka“, wie der Maestro ausführte. Dynamische Aufschwünge, die zum Tanzen reizen, ein sehnsuchtsvoll-melancholischer Takt: Das ist zum nieder knien schön. Gleiches gilt für die „Havanaise“ op.83 von Camille Saint-Saens mit der jungen Solistin Christina Brabetz an der Violine. Der sinnliche Tanz, im eingängigen „Bam badam bam bam“ vorgetragen, verdämmert in einem leisen Flüstern. Unglaublich, was die in Namibia geborene Brabetz ihrem Instrument hier an filigranen, romantischen Tönen entlockt. Das Publikum ist zurecht begeistert.

 Vor der Pause folgen das sprunghafte „Valse chevaleresque“ von Sibelius (Mueller: „Süffig“) und das leicht orientalisch angehauchte Violinsolo „Meditation“ (aus der Oper „Thais“ von Massenet). Zwei „Gute-Laune“-Stücke, die Lust auf mehr machen.

 Zu Anfang des zweiten Teils setzt das GSO mit der energiegeladenen Polka „Ohne Sorgen“ ein erstes Ausrufezeichen. So gut ausgespielt und mit einer eigenen Note macht das Strauss-Werk richtig Laune. Egal, was Mueller und seine Musiker anfassen, es wird zu Gold. Champagner-Laune kam dann beim Walzer von Johann Strauss (Sohn) „Seid umschlungen, Millionen“ auf und spätestens rasante Polka „Auf Ferienreisen“ von Josef Strauss ließ den Saal schunkeln wie ein Schiff voller Seeleute.

 Epizentrum war einmal mehr der Dirigent selbst, der noch das letzte bisschen Temperament aus dem Ensemble herauszukitzeln kann. Wie ein Tänzer wirbelt Mueller um die eigene Achse, mal eher verschmitzt, dann wieder zupackend, fast als wolle er die Musik mit seinen Händen modellieren. Keine Frage; der gebürtige Peruaner hat beide Seiten fest im Griff, er flirtet mit dem Publikum und dirigiert es zum Schluss sogar. Viel zu schnell neigt sich der Abend seinem Ende entgegen, auf Kreislers „Liebesfreud“ und Liebesleid“ folgt der Abschieds-Walzer „An der schönen blauen Donau“.

 Doch fertig haben die Göttinger noch lange nicht. Als Zugabe gibt es Antonio Bazznis „Tanz der Kobolde“, ein furioses Stück Musik. Solistin Christina Brabetz spielt sich wie weiland Paganini in einem wahren Klangrausch. Ihre Finger huschen in einer irrwitzigen Geschwindigkeit über die Saiten und sind kaum zu sehen. Als der letzte Ton in einem leisen Zirpen verklungen sind, herrscht Stille, so atemlos hat das Publikum der exzellenten Darbietung gelauscht. Dann Applaus, Hochrufe, ein Beifallsturm. Stehende Ovationen, „mehrere Vorhänge“. Und: Alexander zu Schaumburg-Lippe schenkt der Solistin eine Blume.