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Bückeburg Stadt So fertigt Virginia Lauterbach Kunst aus Flaschenkürbissen
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So fertigt Virginia Lauterbach Kunst aus Flaschenkürbissen

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09:53 01.10.2020
Ein Laubengang mit schweren Flaschenkürbissen, aus denen Virginia Lauterbach später Lampen herstellt. Fotos: gn
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Bückeburg

Virginia Lauterbach veranstaltet am 3. und 4. Oktober einen Tag der offenen Tür in ihrer Kalebassenmanufaktur. Kalebassen kennt man meist aus Afrika. Frauen und Mädchen tragen auf ihren Köpfen in diesen Behältnissen Trinkwasser heran. Tatsächlich gehört diese Kürbisart zu den ältesten Kulturpflanzen der Erde.

In der getrockneten Hülle, die glashart und wasserundurchlässig wird, können Flüssigkeiten transportiert und aufbewahrt werden. Ursprünglich in tropischen und subtropischen Gebieten beheimatet, wachsen die Pflanzen inzwischen auch bei uns recht gut.

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Auf einem Binnenschiff aufgewachsen

Virginia Lauterbach ist vor etwa zehn Jahren mit ihrem Mann nach Berenbusch gezogen. Sie selbst ist, wie sie sagt, „zwischen Öl und Diesel“ auf einem Binnenschiff aufgewachsen. Vielleicht kam daher der Wunsch, im Einklang mit der Natur auf dem Land zu leben. Hinter ihrem Haus hat sie einen einzigartigen Natur- und Biogemüsegarten geschaffen.

Ökologisch nachhaltiges Gärtnern ist ihr wichtig. Das Ehepaar baut so viel Gemüse an, dass sie quasi Selbstversorger sind. Beerenfrüchte aller Art, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Bohnen, Tomaten, Sellerie, Gurken, Salate und Kräuter werden entweder eingekocht oder eingefroren. Im Herbst und Winter kommen noch Grünkohl, Rosenkohl und Chinakohl hinzu. Was die Gärtnerin selbst nicht verwerten kann, legt sie in ihren SB-Gemüseladen vor dem Haus.

Zwei riesige Komposthaufen liefern die Nahrung für guten Ertrag in ihren Beeten. Hinzu kommen Pferdemist, Erde aus der Kompostierungsanlage in der Kornmarsch und Brennnesseljauche.

Die etwa zwei Meter hohen Spaliere, an denen die Kalebassen wachsen, schützen den Garten gleichzeitig auch gegen den Wind. Teilweise sind regelrechte Laubengänge daraus entstanden. Die Pfähle biegen sich unter der schweren Last, denn ein großer Flaschenkürbis bringt einige Kilo auf die Waage.

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Virginia Lauterbach zieht die Sämlinge im Frühjahr unter Glas in einem Anbau am Haus vor. Im Mai kommen sie dann ins Freiland, wo sie später zehn bis zwölf Meter lange Ranken bilden. Die Pflanzen und der gesamte Garten brauchen in den Sommermonaten sehr viel Wasser, das hauptsächlich aus großen Regenwassertanks kommt.

„Leider müssen wir aber aufgrund der Trockenheit immer mehr Trinkwasser nutzen“, sagt Lauterbach. „Wir haben versucht, auf unserem Gelände für viel Geld einen Brunnen zu bohren, doch der lehmige Boden ließ das nicht zu.“

Bis zu 300 reife Kürbisse Ende Oktober

Ende Oktober erntet sie etwa 200 bis 300 ausgereifte Kalebassen. Diese müssen über den Winter an der Luft trocknen. In dieser Zeit hängen bei Lauterbachs überall Flaschenkürbisse. Etwa bis Ende April dauert der Trocknungsprozess. In dieser Zeit verdunsten die Früchte etwa ein Zehntel ihres Gewichtes.

Sie verfärben sie sich bräunlich und bilden außen einen schwärzlichen Belag auf der Haut. Den rubbelt Lauterbach anschließend mühsam per Hand mit Schwämmen und Drahtbürste ab. Außerdem müssen aus dem Inneren Reste von Fruchtfleisch und Kernen entfernt werden.

Sensationelle Lichteffekte

Dann geht es an die künstlerische Bearbeitung der Kalebassen. In ihrer Werkstatt stellt sie wunderschöne Lampen her, die durch Lochmuster sensationelle Lichteffekte zeigen. Die Fruchthülle kann wie Holz mit Farbe bearbeitet werden. Ihre Lochmuster zeichnet die Künstlerin zuvor in groben Umrissen mit dem Zirkel auf, damit die Abstände stimmen und ein harmonisches Bild entsteht. Am Ende kommt eine lichtstarke LED-Lampe in das Gefäß.

Kleine Kalebassen werden übrigens als Nisthöhle für Vögel aufgehängt oder dienen als Behausung für die kleinen Präriehunde und Streifenhörnchen, die Lauterbach in großen Freiluftgehegen im Garten hält.

Verein BürgerEnergieWende mit dabei

Am Samstag und Sonntag, 3./4. Oktober, möchte sie ihren Garten und ihre Kunstobjekte der Öffentlichkeit zeigen. Der Röcker Imker Andreas Golke und der Verein BürgerEnergieWende werden ebenfalls dabei sein. Letzterer stellt sich mit zwei Lastenpedelecs vor. Zwischen 10 und 18 Uhr sind an beiden Tagen an der Berenbuscher Straße 30 die Gäste willkommen. Über die Lampen kann man sich im Vorfeld bereits unter www.kalebassenmanufaktur.de informieren. Von Gabi Nachstedt