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Bückeburg Stadt Stadt braucht noch mal 200 Plätze
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Stadt braucht noch mal 200 Plätze
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19:38 27.02.2019
Knapp 150 neue Krippen- und Kindergartenplätze hat die Stadt mit der Julianen-Kindertagesstätte geschaffen – dennoch werden in den kommenden Jahren 200 weitere Betreuungsplätze erforderlich, um die Nachfrage decken zu können. Quelle: rc
Bückeburg

Die Schaffung einer zusätzlichen Krippen- und Kindergartengruppe in der Übergangslösung Straußweg ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange in Bückeburg – trotz der neuen Julianen-Kindertagesstätte. Das geht aus einem von der Verwaltung erstellten und derzeit in der Politik – noch nicht – öffentlich diskutierten Papier hervor.

Demnach müssen mittelfristig 75 Betreuungsplätze für Kindergartenkinder (derzeit 590 Plätze) aufgebaut werden – was drei Kindergartengruppen entspricht. Bei den Krippenplätzen sind mittelfristig weitere 124 Betreuungsplätze (derzeit 180 Plätze) aufzubauen – das sind acht Krippengruppen. Zusammengerechnet werden also knapp 200 weitere Plätze benötigt. Was „mittelfristig“ bedeutet, wird nicht näher beleuchtet.

Auch die Kosten für die Einrichtung dieser insgesamt elf neuen Gruppen sind nicht beziffert. Ein Anhaltspunkt: Die neue Julianen-Kindertagesstätte an der Hinüberstraße wird bei ihrer Fertigstellung im Sommer mit ihren neun Gruppen (sieben für Krippenkinder und zwei für den Kindergarten) und 148 Plätzen gut sieben Millionen Euro gekostet haben. Da Experten davon ausgehen, dass der Neubau einer Gruppe rund eine Million Euro kostet, kommt auf die Stadt also eine Investition von mindestens zehn Millionen Euro zu.

Wie es in dem mit „Sachstand der Kinderbetreuung in Bückeburg – aktuelle Situation und Handlungsempfehlungen“ betitelten Entwurf heißt, regt die Verwaltung bei der zukünftigen Bedarfsplanung von Kindergarten- und Krippenplätzen einen Strategiewechsel an. Grundlage sollen nicht wie bisher die Anmeldungen der Sorgeberechtigten, also der Eltern, sein. Vielmehr soll „planerisch vorgegangen werden“ und Berechnungsmethoden unter Berücksichtigung statistischer Daten zur Abschätzung des Platzbedarfs herangezogen werden. Dies bedeute eine Abkehr von der bisher verfolgten Praxis: Zugunsten eines planmäßigen und vorhersehbaren Betreuungsplatz-Aufbaus würde in Kauf genommen, dass gegebenenfalls auch für längere Zeiträume „Leerkapazitäten“ verzeichnet werden müssen.

Bisher bestand Einigkeit in der Ratspolitik und der Stadtverwaltung, dass der Ausbau der Kinderbetreuung „bedarfsgerecht“ erfolgt, heißt es im Papier. Der Ausbau der Betreuungskapazitäten erfolgte nach den der Stadtverwaltung vorliegenden Anmeldedaten der Eltern. Diese Praxis habe den Nachteil, dass immer wieder kurzfristig auf eine steigende Nachfrage oder Kapazitätsausfälle reagiert werden musste.

Als Beispiel nennt das Papier die Kündigung der Kooperation mit dem „Haus des Kindes“ und die Ersatzlösung Bodelschwinghhaus; die erste Planung für den Neubau einer Krippe am Straußweg oder die Suche im Frühjahr 2017 nach Betreuungsoptionen, die in der Container-Übergangslösung Straußweg mündeten. In dem Papier nicht aufgeführt wird die Diskussion um die Teilumnutzung der Jugendfreizeitstätte oder die Umquartierung der Hortkinder in angemietete Räume der leer stehenden Herderschule, um in der städtischen Kindertagesstätte eine Krippengruppe unterbringen zu können. Auch die Kosten dieser Improvisationslösungen werden nicht beziffert.

Nach dem Stand der Dinge kann im Krippenbereich in Bückeburg etwa 50 Prozent der Sorgeberechtigten ein Betreuungsplatz angeboten werden, der Landkreis Schaumburg empfiehlt eine Versorgungsquote von 60 Prozent. Im Kindergartenbereich reichen die vorhandenen 590 Plätze schon jetzt nicht mehr aus, wie es in dem Papier heißt, zumal immer mehr Eltern ihre Kinder in die Ganztagsbetreuung geben – halbtags wird immer weniger nachgefragt. Ein Umstand, auf den die Stadt kurzfristig damit reagieren will, dass die Einrichtungen Katholischer Kindergarten St. Marien und Meinsen mehr Ganztagsplätze anbieten.

Die Planer in der Stadtverwaltung haben mit einer Reihe von Unbekannten zu kämpfen, die Prognosen immer schwieriger machen. So stellt das Statistische Bundesamt im März 2018 fest, dass entgegen den Vorhersagen der Demoskopen die Geburtenrate in Deutschland um bis zu acht Prozent gestiegen ist. Tendenziell werde diese Entwicklung auch in Bückeburg dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt. Eine weitere Tendenz ist die aktuelle Bautätigkeit in Bückeburg, die dazu führen wird, dass junge Familien mit Kindern nach Bückeburg ziehen.

Das Fazit der Verwaltung: „Es ist uns nicht möglich, den tatsächlichen Bedarf an Betreuungsplätzen im Krippenbereich über das Jahr 2019 und im Kindergartenbereich über das Jahr 2020 hinaus vorherzusagen.“ Der vorgelegte Vorschlag bedürfe einer ausführlichen politischen Meinungsbildung. Neben den Grundsatzentscheidungen seien Aspekte der Trägerschaft für neue Gruppen, Einrichtungen oder Standorte zu klären. Auch stehe die Frage im Raum, ob die Stadt oder externe Investoren zusätzliche Einrichtungen errichten und betreiben. Und schlussendlich: Die zeitliche Dimension.

Nach den Beratungen in den Gruppen und Fraktionen will der Ausschuss für Jugend und Familie am 3. April den Strategiewechsel beraten. rc