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Bückeburg Stadt Thomas Krage berichtet von seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Thomas Krage berichtet von seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg
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15:13 26.10.2019
Geschafft! Thomas G. Krage ist nach 35 Tagen vor der großen Kathedrale in Santiago de Compostela angekommen. Quelle: pr.
Bückeburg

Trotz der körperlichen Strapazen auf dem Jakobsweg: „Es war die größte Herausforderung meines Lebens, die schwerste, aber gleichzeitig auch die schönste", sagt Thomas Krage, der ehemalige Pastor der evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Bückeburg und Stadthagen.

Krage ist von Frankfurt aus mit dem Flugzeug nach Bordeaux geflogen. Von dort ging es per Bahn und Bus zum französischen Grenzort Saint-Jean-Pied-de-Port. Am 4. September startete er seine Wanderung auf dem legendären Pilgerweg. Gleich die erste Etappe führte 1000 Meter hoch über die Pyrenäen.

Krage legt bis zu 33 Kilometer pro Tag zurück

Im Schnitt schaffte er im hügeligen Gelände 20 Kilometer pro Tag, in der Ebene auch mal 33 Kilometer. Die Temperaturen lagen während seiner Wanderung auch im September noch zwischen 25 und 30 Grad, wobei es abends schon recht kühl wurde.

Am Nachmittag finden sich die Pilger dann in den Herbergen ein, um ein Bett für die Nacht zu bekommen. Begeistert ist Krage von den christlichen Herbergen. Dort werde gemeinsam gekocht und gegessen. Er berichtet, dass er wegen Überfüllung mit anderen Pilgern zum Schlafen in einer Kirche untergebracht wurde, denn niemand werde abgewiesen.

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Bei den kommunalen oder privaten Herbergen gebe es, so Krage, gute und schlechte. Häufig sei das Wasser zum Duschen nur kalt gewesen – bei einem Übernachtungspreis zwischen fünf und zehn Euro. Das Essen habe sich dann jeder Pilger allein im Ort besorgt. Geschlafen werde in Etagenbetten im eigenen Schlafsack. Einmal, so Krage, wäre er mit 35 Pilgern in einem Schlafraum zusammengepfercht gewesen.

Gefrühstückt wird unterwegs auf dem Jakobsweg

Morgens um 7 Uhr müssen alle die Herberge verlassen haben. Frühstück gibt es nicht. Krage hat sich dann unterwegs in den Orten ein Brötchen oder Obst gesorgt. Wichtig sei, immer wieder an den Wasserstellen seine Trinkflasche aufzufüllen. Er sei aber recht schnell dazu übergegangen, morgens schon um 6 Uhr loszuwandern, um möglichst lange in der Kühle gehen zu können. Schon bald habe er beim Laufen kein Hungergefühl mehr gehabt.

Mehrfach bin ich trotzdem an meine Grenzen gekommen.

Thomas Krage

Krage: „Die Etappen waren anstrengend, obwohl ich keine Blasen oder Gelenkprobleme bekommen habe. Mehrfach bin ich trotzdem an meine Grenzen gekommen. Irgendwann fällt auf dem Weg alles von einem ab, und man sieht vieles klarer als vorher.“ Auf dem Jakobsweg seien viele junge Menschen unterwegs. Aber alle versuchten, auf dieser anstrengenden Pilgerstrecke irgendwie mit sich ins Reine zu kommen, oft, um eine private oder berufliche Krise zu bewältigen. Krage lernte Wanderer aus Bolivien, Neuseeland und dem asiatischen Raum kennen.

Einige Wanderer mussten vor Schmerzen aufgeben

Unterwegs war jeder meist für sich allein, aber am Nachmittag und frühen Abend wurde viel miteinander geredet. Nach den Anstrengungen des Tages würden die meisten jedoch schon um 20 Uhr ihr Lager aufsuchen.

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Krage berichtet, er habe unterwegs einige Wanderer getroffen, die aufgeben mussten, weil sie vor Schmerzen nicht mehr laufen konnten. Er selbst habe sich ganz gut vorbereitet. Allein dreimal sei er mit dem 15 Kilogramm schweren Rucksack zuvor zum Klippenturm marschiert.

Am Ende der Reise gibt es ein neben der Euphorie auch ein Dokument

In jeder Pilgerherberge bekommen die Wanderer einen Stempel in ihren Pilgerpass. In Santiago de Compostela, dem Ziel, erhält jeder Reisende eine Pilgerurkunde. Beide Dokumente hält der Pastor im Ruhestand immer noch gerührt in seiner Hand. Die Euphorie darüber, dass man es geschafft hat, ist bei ihm noch deutlich zu spüren. Etliche Kilos hat er während seiner Wanderzeit auf dem Jakobsweg abgenommen.

Am 8. Oktober ist Krage auf dem großen Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela angekommen. Menschen, denen er immer mal wieder auf der Strecke oder in den Herbergen begegnet sei, habe er dort wiedergetroffen. Man sei sich weinend um den Hals gefallen, denn durch die körperlichen Anstrengungen seien alle ganz besonders sensibilisiert gewesen. Von dort flog er einen Tag später wieder zurück nach Deutschland.

Diese Erkenntnisse hat Krage gesammelt

Geblieben sind Krage wichtige Erfahrungen und Einsichten, die er für sich selbst erst noch ordnen muss. Erkannt hat er, dass man mit ganz wenig auskommen kann und dabei nichts vermisst, aber auch, dass Äußerlichkeiten unwichtig sind.

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Nebenbei hatte der Niemeyer Verlag den Romanautor Krage vor seiner Pilgerreise angesprochen, er solle doch die Augen offen halten für mögliche neue Handlungen. Tatsächlich wird in seinem nächsten Buch eine geheimnisvolle, alte Burg, die er auf dem Jakobsweg näher erforscht hat, eine Rolle spielen. von Gabi Nachstedt